10.09.26 - Die Jellyfish-Farm, die bislang in Künzell ansässig war, wächst weiter: Europas größte Quallenzucht befindet sich derzeit mitten in einem umfassenden Umzug. Am neuen Standort in Flieden (Landkreis Fulda) sollen künftig nicht nur Quallen gezüchtet, sondern auch Besucherinnen und Besucher empfangen werden. Geplant ist eine Kombination aus Zuchtanlage, Ausstellung und Bildungsangebot rund um die faszinierenden Meerestiere.

30 Quallenarten als Polypen sowie zwischen 15 und 20 Arten als ausgewachsene Medusen ...
Umzug schafft Raum für Wachstum
Seit rund zwei Wochen befinden sich sämtliche Tiere am neuen Standort. Auslöser für den Umzug waren vor allem die begrenzten Platzverhältnisse am bisherigen Standort in Künzell. Dort standen lediglich 300 bis 350 Quadratmeter zur Verfügung. Zudem erschwerte ein Eigentümerwechsel die weitere Entwicklung des Betriebs. Die neuen Räumlichkeiten bieten deutlich bessere Voraussetzungen für die Zucht und die geplante Öffnung für die Öffentlichkeit. Denkbar sind neben dem regulären Besucherbetrieb auch Angebote für Schulklassen, Kindergeburtstage oder Veranstaltungen.
Der Umzug erfolgte schrittweise, da zunächst Wasseraufbereitung, Leitungen und Filtersysteme installiert sowie ausführlich getestet werden mussten. Nun soll die Zucht wieder vollständig hochgefahren werden. Für Besucher ist die Anlage derzeit noch nicht geöffnet. Zunächst liegt der Fokus darauf, die Zuchtanlage zu stabilisieren und die tägliche Nachzucht sicherzustellen. Mit der Detailplanung des Ausstellungsbereichs soll nach Abschluss der Umzugsarbeiten begonnen werden. Bis zur Eröffnung könnten nach Einschätzung von Inhaber Alexander Dressel noch zehn bis zwölf Monate vergehen.
Ein Museum zum Staunen und Lernen
Langfristig plant Alexander Dressel ein öffentlich zugängliches Quallenmuseum, das vor allem Wissen über die Tiere vermitteln soll. "Man darf nicht nur die schönen Becken anschauen, sondern auch lernen, wie eine Qualle überhaupt entsteht", sagt der Betreiber. Neben Schauaquarien soll die gesamte Zucht für Besucher einsehbar sein. Geplant sind Führungen, Bildungsangebote sowie Einblicke in den kompletten Lebenszyklus der Tiere - von den Polypen über verschiedene Entwicklungsstadien bis hin zur ausgewachsenen Qualle. Dabei möchte der Betreiber Sitzgelegenheiten bieten, auf denen die Gäste verweilen, die Tiere beobachten und entspannen können.
Viele Menschen hätten kaum Berührungspunkte mit Quallen und nehmen sie häufig lediglich als störende Strandbewohner wahr. "Die meisten kennen die Tiere nur vom Strand, so ekliges Klipperzeug, was da rumliegt und was man den Geschwistern hinterhergeworfen hat", erklärt Dressel. Dabei gebe es zahlreiche spannende Aspekte zu entdecken. Quallen gehören zu den ältesten Tiergruppen der Erde, stehen im Fokus wissenschaftlicher Forschung und werden unter anderem als mögliche Quelle für Kollagen sowie als potenzielles Lebensmittel der Zukunft untersucht.
Spezialist für Aquarien, Zoos und Forschung
Begonnen hatte die Jellyfish-Farm einst mit wenigen Arten, die typischerweise in Aquarien gehalten werden. Inzwischen hat sich der Betrieb auf die Versorgung von Großaquarien, Zoos und wissenschaftlichen Einrichtungen spezialisiert. Aktuell werden rund 30 Quallenarten als Polypen sowie zwischen 15 und 20 Arten als ausgewachsene Medusen auf insgesamt zwölf Anlagen gehalten.
Je nach Art sind unterschiedliche Temperaturen und Salzgehalte erforderlich. Die Becken reichen von kleineren Zuchtsystemen mit einigen Hundert Litern Fassungsvermögen bis hin zu Großanlagen mit 6.000 bis 8.000 Litern. Derzeit beschäftigt die Quallenfarm vier Personen einschließlich des Betreibers. Für den späteren Museumsbetrieb werden jedoch weitere Mitarbeitende benötigt, unter anderem für Führungen, die technische Betreuung und den Empfangsbereich. (jk) +++ 