Kamen bei der Tagung an der Hochschule Fulda zusammen (von links): Viola Pooth (Projektträger Jülich), Prof. Dr. Konrad Wolf (Rektor der Hochschule Bremen), Prof. Dr. Sylvia Heuchemer (Präsidentin der Technischen Hochschule Köln), Prof. Dr. Karim Khakzar (Präsident der Hochschule Fulda), Prof. Dr. Sonja Munz (Vizepräsidentin der Hochschule München), Ministerialrat Magnus Milde (Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt), Dr. Bülent Genç (Projektträger Jülich - Foto: Hochschule Fulda/Robert Groß

FULDA Förderprogramm läuft aus

Hochschulen fordern: wissenschaftliche Nachwuchsförderung muss weiter gehen

10.09.26 - Den wissenschaftlichen Nachwuchs qualifizieren und neues professorales Personal gewinnen – das sind die Kernziele des Bund-Länder-Programms "FH-Personal", das seit 2021 insgesamt 98 Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in Deutschland fördert, darunter auch die Hochschule Fulda. Doch die Uhren ticken: Ende März nächstes Jahr laufen die Projekte der ersten Förderrunde aus. Wie geht es dann weiter? Dies war das Kernthema einer zweitägigen Veranstaltung an der Hochschule Fulda, an der rund 200 Personen teilnahmen.

Die vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) sowie vom zuständigen Projektträger Jülich organisierte Tagung stand daher unter dem Motto: "Zukunft gestalten: Innovative Ansätze für die nachhaltige Personalgewinnung an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften". Im Rahmen einer Podiumsdiskussion und in einer Vielzahl von Workshops tauschten sich die Teilnehmenden über ihre individuellen Erfahrungen mit dem Programm "FH-Personal" aus, identifizierten Stärken und Schwächen der ergriffenen Maßnahmen und entwickelten am Ende Leitfäden für den Umgang mit den unterschiedlichen Maßnahmen, die die Gewinnung von Professorinnen und Professoren an HAWs unterstützen sollen.

Förderung braucht nahtlose Fortsetzung

Neben den Koordinatorinnen und Koordinatoren sowie Projektmitarbeitenden im Rahmen von "FH-Personal" wurden dieses Jahr zusätzlich Hochschulleitungen eingeladen – denn die Frage nach der Zukunft des Programms brennt auch den Verantwortlichen an den Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) – ehemals Fachhochschulen (FH) – unter den Nägeln. Fuldas Hochschulpräsident Prof. Dr. Karim Khakzar setzt sich seit vielen Jahren für ein Programm zur Gewinnung von Professorinnen und Professoren an HAWs ein und war maßgeblich an der Konzeption und Ausgestaltung des erfolgreichen Bund-Länder-Programms beteiligt, das formal 2019 startete und von dem die überwiegende Mehrzahl der staatlichen HAWs profitiert. Vor dem Hintergrund der auslaufenden Projektförderung plädierte Khakzar in seinen Grußworten eindringlich für die möglichst nahtlose Fortsetzung des Programms unter dem aktualisierten Namen "HAW-Personal".

Die Präsidentinnen und Präsidenten der deutschen HAWs hatten dazu kürzlich ein gemeinsames Eckpunktepapier verabschiedet und Forschungsministerin Dorothee Bär vorgestellt. Khakzar sagte dazu: "Fast alle HAWs in Deutschland haben dieses äußerst erfolgreiche Programm genutzt, um Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler auf eine Professur vorzubereiten oder um die geeignetsten Kandidatinnen und Kandidaten auf eine HAW-Professur aufmerksam zu machen. Dabei sind wertvolle Strukturen an den Hochschulen aufgebaut worden, die unbedingt erhalten werden sollen, denn bis 2030 werden etwa 20 Prozent der Professorinnen und Professoren an HAWs in den Ruhestand gehen. Eine idealerweise nahtlose Fortsetzung wäre daher dringend notwendig, denn die HAWs stehen angesichts dieser demographischen Entwicklung vor großen Herausforderungen."

Die Hochschule Fulda war Teil des bundesweiten Förderprogramms. Archivfoto: Moritz Pappert

Hessens Wissenschaftsminister Gremmels lobt Erfolge

Der hessische Wissenschaftsminister Timon Gremmels betonte in seinem Grußwort die Entwicklung und Bedeutung der HAWs, an denen bundesweit inzwischen mehr als eine Million Studierende eingeschrieben seien. Er verwies auf die Herausforderungen, hervorragendes Personal für Lehre, Forschung und Transfer zu gewinnen und lobte die Erfolge des laufenden Programms.

Das BMFTR war durch den für das Programm verantwortlichen Ministerialrat Magnus Milde vertreten. In seiner Eröffnungsrede machte er den Hochschulen Mut. "Bund und Länder haben sich in der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) auf die Grundsätze zur Fortsetzung und Weiterentwicklung der Förderung verständigt. Jetzt wird mit Hochdruck an einer Bund-Länder-Vereinbarung gearbeitet, die dann hoffentlich zeitnah unterzeichnet werden kann", so Milde.

Der Koalitionsvertrag der Bundesregierung sieht die Gründung einer Deutschen Anwendungsforschungsgemeinschaft (DAFG) vor, unter dieser die Förderung der Leistungsdimensionen Forschung, Transfer und Personal an HAWs verortet sein soll. An der Hochschule Fulda ist das Projekt "ProGEPP" betroffen. Das "Programm zur Gewinnung und Entwicklung von Professoralem Personal" erhielt in der ersten Förderrunde 7,4 Millionen Euro. Es läuft vom 1. April 2021 bis zum 31. März 2027. Bundesweit stellten Bund und Länder für "FH-Personal" derzeit insgesamt mehr als 430 Millionen Euro zur Verfügung.

Fachkräftemangel bei Professuren

An der Hochschule Fulda studieren derzeit rund 9.500 Menschen. Damit die Lehre gesichert bleibt, braucht die Hochschule Professorinnen und Professoren – vor allem in Fächern wie Gesundheit, Pflege oder Technik, in denen es wenig promovierten Nachwuchs gibt. ProGEPP setzt im Rahmen von acht Teilprojekten an mehreren Stellen an: Promotionskollegs bilden den wissenschaftlichen Nachwuchs interdisziplinär aus, etwa im Bereich "Gesundheit und Ernährung" oder "Human Rights and Social Justice".

Tandem-Programme verbinden Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler mit Praxispartnern und regionalen Unternehmen, damit sie die für eine HAW-Professur nötige Berufserfahrung sammeln. Die Hochschule konnte mit Hilfe der Fördermittel außerdem ihre Berufungsverfahren weiter professionalisieren. Darüber hinaus baute die Hochschule Fulda eine bundesweite Informationskampagne zum Karriereweg in die HAW-Professur auf, die auf sehr großes Interesse stieß. (pm) +++


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