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02.04.10 - SCHLITZ
"Von Wasser und Leidenschaft" - LJSO Hessen mit seinem 100. Programm
Genau 100 Mal sind die Mitglieder des Landesjugendsinfonieorchesters Hessen seit 1976 zusammen gekommen, um während Ihrer Schulferien gemeinsam sinfonische Programme zu erarbeiten. Unter Leitung des Chefdirigenten Nicolás Pasquet studiert das LJSO Hessen in seiner Jubiläumsphase zu Ostern aktuell
Werke ein, die von Wasser und Leidenschaft erzählen.
Mit diesem Programm zu hören sein wird das Orchester am Samstag, dem 10. April um 19:30 Uhr in Schlitz im Konzertsaal der Landesmusikakademie. Das erste Werk ist Smetanas liebevolle Beschreibung des Flusslaufs der Moldau aus seinem Zyklus Mein Vaterland. Von ihrem Beginn als aus zwei kleinen Quellen gespeistes Flüsschen, über ihr Anwachsen auf dem Weg durch Wälder, Wiesen und Landschaften, vorbei an einer Bauernhochzeit, an Felsen, Burgen und Ruinen. Im Mondenschein von tanzenden Nymphen umschwebt und schließlich: Als mächtiger Fluss durch Prag strömend und majestätisch in die Elbe mündend. Leidenschaftliches liegt Bartóks erstem Violinkonzert zugrunde. Bartók schrieb es für die Geigerin Stefi Geyer, in die er unglücklich verliebt war. Er gab ihm den Titel „Portrait“, wohl mit der Idee, ihre Fähigkeiten optimal zur Geltung bringen zu wollen. So spielt die Solo-Violine beinahe pausenlos. Im ersten der beiden Sätze kantabel, im zweiten hochvirtuos.
Das folgende Werk, Tzigane von Maurice Ravel ist ebenfalls einer Geigerin gewidmet, nämlich Jelly d’Aranyi, mit der er als Pianist die beiden Violinsonaten von Bela Bartók uraufgeführt hat. In Tzigane romantisiert Ravel Zigeunerweisen. Der Focus liegt dabei auf der geigerischen Virtuosität und Ravel machte sich diesbezüglich ein wenig über sich selbst lustig, indem er zu den verzwickten Pizzicati, rasanten Läufen, Doppelgriffen und eingestreuten Flageolet-Klängen sowie Triller-Glissandi sagte: „Ich habe keine Ahnung, was sie (die Solistin) macht, aber es gefällt mir...“
Sowohl dieses „Minenfeld für Geiger“, wie eine andere mit Ravel befreundete Geigerin Tzigane umschrieb, als auch Bartóks erstes Violinkonzert geben dem Violin-Solisten Oscar Bohórquez also hinreichend Gelegenheit sein geigerisches Können und leidenschaftliches Spiel unter Beweis zu stellen. Von Christoph Eschenbach als „einer der vielversprechendsten jungen Geiger mit hervorragender Technik, musikalischer Tiefe und außerordentlichem Charisma“ bezeichnet, debütierte Oscar Bohórquez im Herbst 2009 mit London Philharmonic.
Zur gleichen Zeit kam sein Solo Album mit Werken von Piazzolla, Bertold Hummel, und Ysaye auf den Markt. Solistisch konzertierte der junge Violinist in der Berliner Philharmonie, dem Gewandhaus Leipzig, der Musikhalle Hamburg, der Stuttgarter Liederhalle, dem Konzerthaus Karlsruhe, der Beethovenhalle Bonn und der Meistersingerhalle Nürnberg. International gastierte er zuletzt mit London Philharmonic im Eastbourne Congress Theatre. Darüber hinaus ist er als Kammermusiker international engagiert und konzertierte in den USA, Grossbritannien (London-Royal Academy, Barbican), Spanien, Schweiz (Zürich, Basel, Luzern), Deutschland, Tschechische Republik (Rudolfinum-Prag), Peru und Uruguay. Als einige seiner Partner sind hier Julius Berger, Markus Groh und sein Bruder, der Cellist Claudio Bohórquez zu nennen.
In Debussys La mer, dem letzten Werk, geht es wieder um das Element Wasser. Anders als Smetana in seiner Wegbeschreibung der Moldau, nähert sich Debussy dem Meer darin als einem Lebewesen, dessen unterschiedliche Charaktereigenschaften er zu fassen sucht. So wird der Hörer eingesogen in onnenbeleuchtete Ruhe, zartes Plätschern und wildes Wogen und Branden. Die Orchesterfarben, die Debussy malt, lassen sanftes Zartblau, weiße Gischt und auch gefährliches Dunkel in undurchsichtiger nicht auslotbarer Tiefe fühlen.
Die Aufführung am 10. April um 19:30 Uhr verspricht - so die Verantwortlichen - also ein intensives und mitreißendes Konzerterlebnis zu werden. Karten zum Preis von 18.- € im Vorverkauf, 20.- € an der Abendkasse und 3.- € ermäßigt sind bei der Landesmusikakademie, Telefon 06642 / 91130, der Buchhandlung Zuber in Schlitz sowie den Redaktionen der Lokalzeitungen in Schlitz und Fulda erhältlich. +++