30.09.26 - "KI, Menschsein und Gemeinwohl: Impulse aus Magnifica humanitas" - so lautete der Titel des Pressegesprächs am Mittwoch zum Studientag der Deutschen Bischofskonferenz. Im Fokus stand die Frage, welche Impulse die Enzyklika von Papst Leo XIV. für den Umgang mit Künstlicher Intelligenz liefert. Schnell wurde durch die Anwesenden klar: Das wichtige Dokument markiert nicht das Ende einer Debatte, sondern den Beginn eines längeren Prozesses.

Medienvertreter vor Ort.

Die Bischofskonferenz greift viele Themen auf, mit denen sich die Kirche in der heutigen ...

Das Pressegespräch fand im Dompfarrzentrum in Fulda statt.
Zu Wort kamen im Fuldaer Dompfarrzentrum Bischof Dr. Heiner Wilmer (Münster), Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx (München und Freising), Vorsitzender der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz (bis zum 28. September 2026) sowie Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz (Paderborn), Vorsitzender der Deutschen Kommission Justitia et Pax.
Bei allem Fortschritt: "Soziale Verantwortung tragen"

Bischof Dr. Heiner Wilmer (Münster), Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ...
Für Dr. Wilmer liefert die Enzyklika wertvolle Denkanstöße. Der Studientag sei dabei eine erste intensive Annäherung, um sich mit den Inhalten auseinanderzusetzen und zu schauen, was es für die Kirche in Deutschland bedeutet. Der Geistliche bezeichnet das Schreiben von Papst Leo XIV. nicht nur als "einen Lichtblick, sondern einen Meilenstein". Angesichts einer zunehmend gespaltenen Gesellschaft und einer Welt, die immer stärker von Technik, Algorithmen und künstlicher Intelligenz geprägt wird, setzt das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche ein deutliches Zeichen für Menschlichkeit und soziale Verantwortung. "Der Papst mahnt uns eindringlich: Der Mensch steht im Mittelpunkt."
Die große internationale Aufmerksamkeit für die Enzyklika zeigt, dass Papst Leo XIV. einen Nerv der Zeit getroffen hat. Nicht nur die Kirche, sondern auch Politik, Wirtschaft und Technologiebranche greifen seine Botschaft auf. "Das ist ein starkes Zeichen in die Welt hinein." Und: "Als moralische Weltautorität macht er klar, dass die Menschheit an einem Scheideweg steht, wenn sie selbst den Menschen nicht mehr ernst nimmt."
Künstliche Intelligenz könne als "hilfreiches Werkzeug" gesehen werden. Dazu Dr. Wilmer: "Sie kann Krankheiten früher erkennen, Bildungszugänge erweitern, schwere Arbeit erleichtern und dazu beitragen, die großen Aufgaben unserer Zeit besser zu bewältigen. Aber sie ist niemals neutral. In ihr stecken Interessen, wirtschaftliche Macht, politische Entscheidungen und die Vorurteile derjenigen, die sie entwickeln, finanzieren und einsetzen." Entscheidungen, die wichtige Lebensbereiche betreffen, müssten nachvollziehbar bleiben und von Menschen überprüft, angefochten und korrigiert werden können. Heißt: Verantwortung dürfe nicht an eine Maschine delegiert werden. Sein Fazit: "Die eigentliche Herausforderung liegt daher nicht zuerst in der Leistungsfähigkeit der Systeme, sondern in unserer moralischen Reife."
"Medienkompetenz als ein Schlüssel für den verantwortlichen Umgang mit KI"

Pressesprecher Dr. Matthias Kopp.
Auch Kardinal Reinhard Marx stellte in seinen Ausführungen heraus: "Der Einsatz von KI dynamisiert das Gute und das Schlechte. Überall nutzen wir die neuen Möglichkeiten." KI müsse "menschendienlich" eingesetzt werden, wofür Sensibilität, Bildung und Medienkompetenz erforderlich seien. Auch Demokratie spiele dabei eine entscheidende Rolle. In der Enzyklika von einem "Bildungsbündnis für das digitale Zeitalter" gesprochen. KI könne das eigene Denken nicht ersetzen, sondern setze vielmehr Wissen und Urteilsvermögen voraus. Deshalb seien Politik, Gesellschaft und Kirche gefordert, weiterhin in Medienbildung zu investieren und allen Menschen Teilhabe an den digitalen Entwicklungen zu ermöglichen.
KI: Menschenwürde, Gemeinwohl und Gerechtigkeit im Blick behalten
Die Enzyklika greift bereits viele Punkte auf, mit denen sich Justitia et Pax beschäftigt, wie Dr. Udo Markus Bentz erklärt: Menschenwürde- und rechte, Gemeinwohl, technologische Macht und globale Gerechtigkeit. "In diesem Sinne ist Magnifica humanitas eine Ermutigung unserer Arbeit. Sie stärkt den Anspruch, mit den Kategorien der katholischen Sozial- und Friedenslehre einen Beitrag zur öffentlichen Debatte zu leisten", so der Vorsitzende der Deutschen Kommission Justitia et Pax. Der Papst betont dabei, dass die Soziallehre kein fertiger Antwortenkatalog ist, sondern Orientierung für aktuelle Herausforderungen bietet.
Außerdem betrachtet er KI nicht nur als technisches Thema, sondern als gesellschaftliche und politische Herausforderung. Entscheidend sei weniger, "was KI technisch kann", sondern "wer über diese Technologie verfügt, wer von ihr profitiert, wer ihre Folgen trägt und wer über ihre Anwendung entscheidet". KI müsse daher an Kriterien wie Menschenwürde, Gemeinwohl, Solidarität und Gerechtigkeit gemessen werden. Als Kirche müsse man das Gespräch mit entsprechenden Experten suchen, zuhören, hinterfragen und in den Raum stellen, "wo wir aus unserer Perspektive Chancen sehen". (mkr/pm) +++ 