Entsetzen über die Lollsrede von Stadtschreiberin Karen Köhler am Sonntagabend in der Stiftsruine in Bad Hersfeld - Fotos: Hans-Hubertus Braune

BAD HERSFELD Feierstunde spaltet die Massen

Buhrufe und Entsetzen während Köhlers Lollsrede - Tausende in der Stadt

11.10.26 - Die Bad Hersfelder Innenstadt platzte am Sonntagabend aus allen Nähten. Grund war natürlich der traditionelle Fackelzug, der jedes Jahr einen Tag vor dem Beginn des Lullusfests stattfindet. Im Anschluss pilgerten die Besucher in die Stiftsruine, wo eine Lollsrede mit anschließender Lasershow auf dem Programm standen.

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Doch die sogenannte Feierstunde in der früheren Abteikirche verursachte bei zahlreichen anwesenden Personen keine feierliche Laune. Bei der Rede von Stadtschreiberin Karen Köhler ging es nicht um das Lullusfest, sondern um das Leid auf der Welt. Dafür gab es immer wieder laute Pfiffe und Zwischenrufe.

Fackeln und bunte Laternen in Bad Hersfelds Innenstadt

Maximal 1.400 Besucher durften aus Sicherheitsgründen zur Feierstunde in die Stiftsruine – und die Kapazität war schon früh ausgeschöpft. Vor den Türen des Gebäudes lauschten daher noch zahlreiche Besucher dem Treiben im Inneren, denn dort war kein Platz mehr. Die meisten der Besucher waren zuvor noch in der Innenstadt und tauchten Bad Hersfeld in ein buntes Meer aus Flammen und Lichtern.

Der traditionelle Fackelzug, der sich um 19 Uhr auf den Weg machte, war auch in diesem Jahr wieder gut besucht. Hunderte Menschen liefen mit Fackeln in der Hand mit, Kinder hielten stolz bunte Laternen und Lampions in die Luft. Und natürlich beobachten an den Straßenrändern zahlreiche Hersfelder das Treiben von außen und stimmten sich so auf die anstehende Lollswoche ein.

Hersfelds Stadtschreiberin hält die Lollsrede

Zur anschließenden Feierstunde begrüßte Bürgermeisterin Anke Hofmann die Anwesenden kurz und knapp, aber mit guter Laune. Nach dem Läuten der Lullusglocke durch die Mönche der Stadt übergab sie das Wort an Stadtschreiberin Karen Köhler für deren Lollsrede – und im Laufe der nächsten 25 Minuten kippte die Stimmung in der Stiftsruine gewaltig.

Die 1974 in Hamburg geborene Autorin wollte "über drei Dinge reden": die Angst, das Feuer und die Liebe. "Es passieren Dinge auf dieser Welt, die kann man nicht wegfeiern", sagte Köhler. Und sprach in den nächsten rund 25 Minuten über all die negativen Dinge, die gerade auf dem ganzen Globus passieren. In den USA sei "ein verurteilter Vergewaltiger Präsident, weltweit geschieht Frauen jede Menge Unrecht." Außerdem verurteilte sie das politische Geschehen in Deutschland – spezifisch die vielen Stimmen für die AfD bei der jüngsten Wahl in Sachsen-Anhalt – und äußerte sich zu Themen wie Klimaschutz, Außenpolitik und dem Artensterben.

Immer mehr Pfiffe für Rednerin Köhler

Vereinzelt gab es für ihre Aussagen Applaus – doch ein guter Teil des Publikums quittierte diese mit Pfiffen. Vereinzelte Zwischenrufe forderten Köhler auf, die Bühne zu verlassen. Als sie ihre Rede fortsetzte, stimmten immer größer werdende Personengruppen den Lolls-Schlachtruf "Enner, Zwoon, Dräi" an und beschäftigten sich damit anderweitig.

Als die Rede dann die Themen künstliche Intelligenz, Russland und Krieg aufgriff, erklärte die Rednerin: "Mir wurde gesagt, ich solle zum Ende kommen." Dafür gab es lauten Applaus aus dem Publikum. Fertig mit ihrer Rede sei Köhler aber laut eigener Aussage noch nicht gewesen. Sie wollte eigentlich noch über die Liebe reden, doch die Ohren des Publikums hatte sie schon längst verloren.

So bewertete das Publikum die Rede

"Tut mir leid, dass ich ihren Geschmack nicht getroffen habe." Mit diesen Worten verließ die Stadtschreiberin die Bühne, erneut unter Beifall der Zuhörer. Bürgermeisterin Anke Hofmann wünschte allen Anwesenden eine schöne Lolls-Woche, ehe die Lasershow begann. Danach zog auch sie sich zurück.

"Das war die schlechteste Lollsrede, die wir je gehört haben", sagte eine Gruppe von Hersfeldern, die namentlich nicht genannt werden wollte, gegenüber OSTHESSEN|NEWS. Ein danebenstehendes Pärchen fügte hinzu: "Das hatte überhaupt nichts mit Lolls zu tun. Bei steigenden Preisen und allem, was in Deutschland und der Welt passiert, haben wir Tag für Tag mit schlechten Nachrichten zu tun. Das musste hier nicht auch noch sein." Immerhin: die Lasershow zog die Besucher mehr in ihren Bann, welche mit ehrlichem Applaus versehen wurde. Somit endete die Feierstunde in der Stiftsruine dann doch noch halbwegs versöhnlich. (Kevin Hildebrand) +++

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