26.10.26 - Wahrscheinlich hätte ihn sein Weg in eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung geführt. So wie bei den meisten jungen Menschen mit Behinderung. Doch Samuel Altheide macht jetzt eine richtige Gastro-Ausbildung. Anfang des Jahres haben wir den 19-Jährigen schon einmal getroffen: Beim Umzug aus dem Kinderhaus von antonius in seine erste eigene Wohnung im sogenannten Ferrarihaus. Etwas mehr als acht Monate später hat OSTHESSEN|NEWS Samuel im "IDEAL" besucht und noch einmal mit ihm gesprochen.
Der 19-Jährige absolviert seit August seine Ausbildung zum Service-Helfer im Fuldaer Lokal "IDEAL", und wenn alles nach Plan verläuft, schließt er seine Ausbildung im Jahr 2028 ab. Möglich gemacht wurde das unter anderem durch die Arbeitsschule "Startbahn" von antonius, die junge Menschen mit Behinderung gezielt auf die Arbeitswelt vorbereitet und spezielles Know-how für die jeweilige Branche vorab vermittelt, um den Berufseinstieg leichter zu gestalten.

Bier zapfen...

... zubereiten...

... oder Kuchen schneiden gehört zu seinen Aufgaben.
Bei der Startbahn werden Jugendliche dabei unterstützt, ihre Fähigkeiten, Interessen und Talente zu entdecken und auszubauen. Die Berufsorientierung erfolgt in vier Berufsfeldern. "Anfangs zog es mich in die Gärtnerei. Das war aber doch nichts für mich. Es musste etwas mit Menschen sein", erklärte er und so kam er zur Gastronomie.
Samuel blickt auf schöne Zeiten zurück
Wir wollten aber, bevor wir die Ausbildung ansprechen, natürlich auch wissen, wie die Zeit in der ersten eigenen Wohnung war. Dabei wurde klar, dass Samuel die Zeit im Ferrarihaus trotz anfänglicher Herausforderungen definitiv in guter Erinnerung behalten wird. "Die Zeit dort war intensiv, aber am Anfang natürlich auch ungewöhnlich, weil ich dann quasi meine eigene Wohnung hatte und selbst für mich verantwortlich war. Das war neu für mich und sehr aufregend", berichtet Samuel. Insgesamt war er dort etwa ein halbes Jahr und zog im Juli dieses Jahres aus. Denn mit Beginn seiner Ausbildung endete für Samuel die Zeit im antonius-Kinderhaus, an das das Ferrarihaus angekoppelt ist.

Samuel hat Spaß bei seinem Job.
Spaß bei der Arbeit und ein klares Ziel
Schon vor seiner Festanstellung im August war er beim IDEAL bereits als Praktikant tätig – ganz neu war ihm das Arbeitsumfeld also nicht, und trotz erster Herausforderungen und Unsicherheiten hat sich Samuel gut integriert, eingelebt und versteht sich hervorragend mit seinen Kolleginnen und Kollegen. "Das gibt einem auch Mut und motiviert letzten Endes, zur Arbeit zu gehen", sagt Samuel. Seine Kernaufgaben liegen im Zubereiten von Getränken hinter der Theke wie Kaffeespezialitäten zubereiten oder Bier zapfen. Hin und wieder bringt Samuel Essen an die Tische der Gäste, bedient, nimmt schon Bestellungen auf oder geht ans Telefon.

"Die Gärtnerei war doch nichts für mich. Es musste etwas mit Menschen sein." ...

Mit seinen Kollegen versteht sich Samuel sehr gut.
"Bis Ende Februar haben wir uns vorgenommen, dass Samuel einen Tisch mit sechs Personen allein versorgt – also die Bestellung aufnimmt und den Service komplett übernimmt", erklärt seine Chefin A. Kiniki. Samuel ist optimistisch, dass er dieses Ziel erreichen wird – wieso auch nicht? Bestellungen an die Tische bringen hat sich in seiner Zeit beim IDEAL als seine Lieblingsaufgabe herauskristallisiert. "Ich mache das gern, weil ich dann bei den netten Gästen bin und sie bedienen kann. Das bereitet mir am meisten Freude", schwärmt der angehende Service-Helfer. Einige Stammgäste kennt er sogar bereits.
"In der Gastronomie kann man sich nicht verstecken"
Seine Vorgesetzte ist sehr zufrieden mit seiner Leistung und erklärte, dass Samuel sich bisher sehr gut mache. "Er benötigt natürlich Hilfe. Wir haben schließlich viele Bereiche, eine umfangreiche Karte und eine große Küche und Konditorei", so Kiniki. Samuels Wunsch für die Zukunft ist also klar: Er möchte nach seiner Ausbildung eine richtige Stelle als Service-Helfer antreten – gern beim IDEAL, welches er schon so sehr ins Herz geschlossen hat.
"In der Gastronomie kann man sich auch nicht verstecken. Da muss man sich zeigen", ergänzte Christine Reith von antonius noch abschließend – und das stimmt. Die Herausforderung, sich zu zeigen und mit Gästen zu sprechen, trägt enorm dazu bei, wie sich ein junger Erwachsener in seinem Job entwickelt – so auch Samuel, der bereits großen Spaß daran hat.
(Philipp Gerhard) +++ 