Am Stand v.l.n.r: Hogen, Karin Uffelmann, Litmeyer - Fotos: Marvin Hucke

FULDA "Friedliches Haus" auf dem Uni-Platz:

Hospizverein macht Raum für Gespräche über Leben, Tod und Trauer

25.10.26 - Mit der Aktion "Mache Dein Haus zu einem friedlichen Haus!" rückte der Hospiz-Förderverein Fulda am Samstag Themen in den Mittelpunkt, die im Alltag häufig verdrängt werden. Zwischen 11 und 14 Uhr standen haupt- und ehrenamtliche Hospizbegleiter der Malteser und des St. Elisabeth-Hospizes, sowie der CDU-Abgeordnete Michael Brand (MdB, Vorsitzender des Fördervereins) für Begegnungen und Fragen bereit. Dabei ging es nicht nur um das Sterben an sich, sondern ebenso um das Leben – und darum, wie Menschen in schweren Zeiten füreinander da sein können.

Der Leitgedanke "Lebenswert bis zum Schluss" beschreibt, worauf die Hospizarbeit ausgerichtet ist: Menschen am Lebensende würdevoll zu begleiten und auch ihre Angehörigen nicht allein zu lassen. Mit dem "Friedlichen Haus" wollte der Förderverein diese Arbeit sichtbar machen und zugleich auf die Unterstützung aufmerksam machen, die dafür benötigt wird.

Ein kleines Zeichen mit einer großen Botschaft

Die Aktion sei vor etwa zwei Jahren entstanden, erklärte Martin Hogen, stellvertretender Vorsitzender des Hospiz-Fördervereins. Dahinter stehe der Wunsch, ein friedliches und würdevolles Lebensende zu ermöglichen – verbunden mit einer Botschaft, die weit über die Hospizarbeit hinausreiche: Friedfertigkeit beginne im eigenen Alltag und im Umgang miteinander.

Sichtbar werden soll dieser Gedanke auch durch kleine Edelstahlplaketten mit dem Motiv des "Friedlichen Hauses". Sie können etwa an der Haus- oder Wohnungstür, am Arbeitsplatz oder innerhalb der eigenen vier Wände angebracht werden. Dort sollen sie andere und nicht zuletzt die Besitzer selbst daran erinnern, wie wichtig ein respektvolles Miteinander ist. "Das fängt im Kleinen, im Häuslichen und bei einem selber an", betonte Hogen.

Die Plaketten werden gegen eine Spende ab 20 Euro abgegeben; wer mehr beitragen möchte, kann den Betrag entsprechend erhöhen. So verbindet die Aktion ein persönliches Zeichen für Frieden mit konkreter Hilfe für die Hospizarbeit in der Region.

Begleitung darf nicht mit dem Tod enden

Der Förderverein verfolgt nach Hogens Worten zwei zentrale Anliegen: Er möchte Spenden einwerben und die Themen Alter, Krankheit, Sterben und Tod wieder stärker in die Gesellschaft zurückholen. Unterstützt werden sowohl ambulante als auch stationäre Hospizangebote, die Trauerbegleitung und die Kinderhospizarbeit. Dafür sammelt der Verein unter anderem bei Aktionen und Benefizveranstaltungen Geld; hinzu kommen Mitgliedsbeiträge.

Besonders deutlich werde der Unterstützungsbedarf bei der Trauerbegleitung. "Speziell das Thema Trauerbegleitung wird immer stärker nachgefragt", berichtete Hogen. Gleichzeitig würden diese Angebote nach seinen Angaben nicht durch die Krankenkassen refinanziert.

Für ihn ist deshalb klar: Die Unterstützung könne nicht einfach in dem Moment aufhören, in dem ein begleiteter Mensch stirbt. Für Partner, Kinder und weitere Angehörige beginne dann eine neue, oft nochmal besonders schwierige Zeit. Trauerprozesse könnten sich über viele Monate erstrecken und erforderten Ansprechpartner, die zuhören und verlässlich an der Seite der Betroffenen blieben. Gerade diese Arbeit sei jedoch finanziell unzureichend abgesichert.

Eine sinnvolle Aufgabe nach dem Berufsleben

Wie viel persönliches Engagement hinter solchen Angeboten steht, machte Dr. Maria Litmeyer deutlich. Die ebenfalls stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins suchte nach einem arbeitsreichen Berufsleben nach einer Aufgabe, in der sie sich weiterhin für andere Menschen einsetzen konnte.

2019 absolvierte sie eine Qualifizierung für die Sterbebegleitung im Erwachsenenbereich. Im Jahr 2025 folgte eine weitere Qualifizierung zur Trauerbegleitung. Auch neben ihrer Vorstandstätigkeit ist sie weiterhin unmittelbar in der Begleitung tätig.

Dass im Förderverein Menschen mitarbeiten, die den Alltag der Hospizarbeit selbst kennen, hält Litmeyer für besonders wertvoll. So lasse sich besser einschätzen, welche Unterstützung benötigt werde und wo Hilfe ansetzen könne. Bei allem finanziellen Engagement dürfe dabei der eigentliche Kern nicht aus dem Blick geraten: "Es ist nicht immer nur die Frage des Geldes", sagte sie. Entscheidend sei ebenso, ein Stück des Weges gemeinsam mit den Menschen zu gehen.

Wenn nach einem Verlust auch die Einsamkeit wächst

Die steigende Nachfrage nach Trauerbegleitung führt Litmeyer auch auf veränderte Familienstrukturen zurück. Großfamilien lebten heute seltener eng beieinander, erwachsene Kinder würden wiederum häufig in anderen Städten wohnen. Stirbt der Ehepartner, könne deshalb neben dem Verlust auch das Gefühl entstehen, schlagartig ganz allein zu sein.

Nicht jeder habe im unmittelbaren Umfeld Menschen, mit denen sich Trauer und Unsicherheit teilen ließen. Die Begleitung biete hier einen verlässlichen Kontakt und Raum für das, was Betroffene beschäftige. Ebenso wichtig seien Angebote für Familien, die ein Kind verloren haben, oder für Kinder, die mit dem Tod eines Elternteils umgehen müssen.

Für Litmeyer ist die Arbeit deshalb trotz der schweren Themen mit großer persönlicher Bedeutung verbunden. Sie berichtete von ihrer Begeisterung für das Ehrenamt und davon, wie wichtig ihr die Nähe zu den Menschen sei.

Auch Geschwisterkinder brauchen Aufmerksamkeit

Ein weiteres Anliegen des Fördervereins ist die Unterstützung von Familien mit schwer erkrankten Kindern. Dabei könne es auch um besondere Erlebnisse gehen, erklärte Litmeyer – beispielsweise darum, einem Kind den Wunsch zu erfüllen, einmal Pony zu reiten. Solche Aktionen könnten neben dem belastenden Alltag einen schönen gemeinsamen Moment setzen.

Im Blick bleiben müssten zudem die Geschwister. Wenn ein Kind schwer krank sei, richte sich verständlicherweise ein großer Teil der Aufmerksamkeit und Sorge auf dessen Versorgung. Für Brüder und Schwestern bleibt dadurch manchmal weniger Raum. Eigene Angebote und gemeinsame Unternehmungen könnten ihnen Aufmerksamkeit schenken und zeigen, dass auch ihre Bedürfnisse wichtig sind.

Für Kinder, die einen Verlust erlebt haben, gebe es bei den Maltesern außerdem Gruppen, die sich regelmäßig einmal im Monat treffen. Beim Basteln oder bei gemeinsamen Aktivitäten entsteht die Möglichkeit, Zeit miteinander zu verbringen und Unterstützung zu erfahren. Der Förderverein helfe durch Spenden dabei, solche Angebote und das dahinterstehende ehrenamtliche Engagement zu ermöglichen.

Bilanz vom Veranstalter

"Das Interesse und der Zuspruch waren richtig gut. Mit dem "Friedlichen Haus" wollen wir ein sichtbares Zeichen setzen für die Hospizarbeit in unserer Region und zugleich für mehr Respekt, Achtsamkeit und Mitmenschlichkeit im eigenen Umfeld", berichtet Michael Brand, Vorsitzender des Hospiz-Fördervereins Fulda, und beschreibt als Ziel des Vereins: "Ins Gespräch kommen über Leben und Tod, die verschiedenen Angebote der Hospizarbeit in Fulda fördern und bekannter machen, das treibt uns an. Und wir sind dankbar für jede Unterstützung, für Zeit im Ehrenamt der hospizlichen Begleitung oder auch Spenden für die Hospiz- und Trauerarbeit."

Unterstützer des "Friedlichen Haus" Fuldas Bischof Michael Gerber (Mitte) mit Karin ...Foto: Hospizverein LebensWert

Das "Friedliche Haus" auf dem Uni-Platz stand damit für weit mehr als eine bloße Spendenaktion. Es war eine Einladung, auch über schwierige Lebensphasen miteinander zu sprechen – und eine Erinnerung daran, dass Begleitung oft mit etwas Einfachem beginnt: sich Zeit zu nehmen, zuzuhören und füreinander da zu sein. (Marvin Hucke) +++


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