
Archiv
Stand der Sanierungsarbeiten auf Schloss Fasanerie
10.06.14 - Um kostbare Schlafzimmertapete, den Parkettboden im Philippsruher Zimmer und den Dachstuhl über dem alten Schlösschen ging es beim vierten Ortsgespräch des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen auf Schloss Fasanerie am Dienstagvormittag. Dr. Markus Miller, Direktor von Schloss Fasanerie, Astrid Obermann, Restauratorin im Landesamt für Denkmalpflege Hessen und Martin Burischek (Büro Reith und Wehner), leitender Architekt der Baumaßnahme, erläuterten vor Ort die Besonderheiten der denkmalpflegerischen Tätigkeiten.
Das kurfürstliche Schlafzimmer hat seine originale Ausstattung seit 1827 bewahren können. Ziel der Restauration, so Astrid Obermann, soll nicht etwa ein Neuzustand sein, sondern ein gepflegter, intakter und dem historischen Alter entsprechender Zustand. Aus diesem Grund wurden Silberfischfraß und Lichtschäden an dem kostbaren Hadernpapier der Tapete in aufwendiger Handarbeit repariert. Etwa 4.000 Arbeitsstunden sind in das 45.000 Euro teure Projekt geflossen. Vom Lehmputz über eine belgische Leinwandbespannung, pH-wertgünstiges Japanpapier und schließlich die erneute Aufbringung der kurfürstlichen Tapete, deren Farben aufgefrischt wurden – nun ist alles wieder an seinem Platz.
Ein paar Meter weiter im Ostflügel zeigte Miller den Tafelparkettboden im Philippsruher Zimmer. Die Unterkonstruktion werde, statt den gesamten Boden abzutragen, punktuell an schadhaften Stellen mit Kunststoffpfropfen ersetzt. Größere Risse im Verbund gleicht ein Restaurator individuell mit Spänen aus, ohne die angrenzenden Eichetafeln in Mitleidenschaft zu ziehen. Die Oberfläche werde partiell von überschüssigen Wachsschichten befreit und eine neue aufgebracht. Auch beim Boden gehe es um nachhaltigen Erhalt, nicht um optische Angleichung an einen neuen Fußboden aus dem Jahr 2014.
Der Rundgang wurde in Begleitung von Architekt Martin Burischek im Innenhof fortgesetzt: Auch bei den bereits geleisteten Dachsanierungen sei es um größtmögliche Substanzerhaltung gegangen, viele von den Schindeln seien widerverwendet worden. Vorgestellt wurde die zurückhaltende Sanierung des Dachtragwerks über dem alten Schlösschen (1710). Diese Maßnahme stehe beispielhaft dafür, wie ein historisches Gebäude mit einem Minimum an Eingriffen zukunftsfähig gemacht werden könne.
Das Landesamt für Denkmalpflege Hessen organisiert in regelmäßigen Abständen Ortsgespräche, um alle im Landesamt für Denkmalpflege tätigen Konservatoren, die Unteren Denkmalschutzbehörden und die Vertreter der Presse über aktuelle Baumaßnahmen zu informieren. Vorgestellt werden Projekte von überregionalem Interesse, deren Restaurierung beispielhaft für andere Maßnahmen ist.
„Unser größtes Problem haben wir noch vor uns: Der Dachstuhl über der Kaisertreppe ist eine echte Herausforderung an uns“, sagte Burischek und erklärte an jahrhundertealten Dachbalken, welche Reparaturmaßnahmen in der Vergangenheit sich als stimmig oder eher weniger zielführend erwiesen haben. „Mit unseren Mitteln zur Berechnung der Dachlasten sind wir unseren Vorfahren einfach voraus. Eine komplette Rückführung ist an manchen Stellen gar nicht möglich – und an anderen auch gar nicht nötig“, sagte Burischek.
Insgesamt belaufen sich die Kosten der Schlosssanierung auf 7,5 Millionen Euro. Je 2,5 Millionen Euro tragen das Land Hessen und die Hessische Hausstiftung. Voraussichtlich bis Ende 2015 sollen die umfangreichen Sanierungsarbeiten abgeschlossen sein.
Zur Entstehung und Geschichte von Hessens schönstem Lustschloss
Schon um 1710 ließ Fürstabt von Dalberg vor den Toren Fuldas ein bescheidenes Landschlösschen errichten, das noch heute zwischen den beiden hohen Zwiebeltürmen den Kern der Anlage bildet. Aber schon 30 Jahre später wurde unter Dalbergs Nachfolger, dem späteren Fürstbischof von Fulda, Amand von Buseck, das Schloss in seinen heutigen Ausmaßen von Baumeister Andreas Gallasini als Sommerresidenz ausgebaut. Zwei langgestreckte Flügel bilden die Flanken für einen allseits geschlossenen Hof und einen dreiseitigen Ehrenhof. Kavalierhäuser, Gittersperren und vorgelagerte Wacht- und Wirtschaftsgebäude ergänzen den Schlossbau zu einer hochherrschaftlichen Anlage.Mit der Annexion Kurhessens durch Preußen 1866 war auch die Enteignung des Schlosses Fasanerie verbunden. 1878 jedoch wurde die Anlage nach langen Verhandlungen mit der Krone Preußen, zusammen mit dem Fuldaer Stadtschloss, dem rechtmäßigen Erben der hessischen Kurwürde, Landgraf Friedrich Wilhelm, als privater Besitz überlassen.
Lange Jahre diente es dem Landgrafenehepaar als Sommerresidenz. Auch nach dem Tod Friedrich Wilhelms 1884 hat seine Witwe, die Landgräfin Anna, das Schloss in den Sommermonaten intensiv genutzt, bis sie 1918 verstarb und als einzige Frau im Fuldaer Dom beigesetzt wurde. Nach schwerer Beschädigung im 2. Weltkrieg begann Landgraf Philipp von Hessen den Gebäudekomplex wieder instand zu setzen. Schon 1951 konnten die ersten Schauräume der Hessischen Hausstiftung eröffnet werden und seit 1972 ist das Museum im Schloss fertiggestellt, das zu den bedeutendsten seiner Art in Deutschland gehört. (am/pm) +++

Dr. Markus Miller, Direktor von Schloss Fasanerie, zeigt, wie eine Rekonstruktion der Tapete ... Fotos: Anna Medlin