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NACHGEDACHT (80) NACHGEDACHT (80)

Sorgen sind das halbe Leben - Gedanken von Christina LEINWEBER

20.07.14 - Momentan befinde ich mich in einem Denkprozess über Sorgen – ich mache mir welche. Einige sogar, aber über Angelegenheiten, die frühestens in ein paar Monaten auf mich zukommen könnten. Und da liegt der Fuchs begraben: beim Wörtchen „könnten“. Denn wenn ich einmal ehrlich zu mir bin, ich male mir die Horrorbilder aus, gehe den „worst-case“ durch und überlege schon jetzt Lösungen. Aber das alles ist Zukunftsmusik. Natürlich ist sie dunkel und düster und macht mir Angst. Aber ich wiederhole mich: man verwendet das Wort „könnte“. Das ist die Möglichkeitsform!

Die deutsche Sprache spielt uns bei diesem Wortmodus zu: der Konjunktiv – die Möglichkeitsform – sagt nichts über die Wahrscheinlichkeit des Eintreffens. Es ist zwar möglich, dass die Sorgen eintreten und zur Realität werden, aber genauso unmöglich ist es auch. Wenn die Chance also fifty-fifty steht, warum verbringen wir dann so viel Zeit mit dem „könnte passieren“? Naja, weil uns unsere Zukunft etwas angeht, uns berührt, uns erfreut oder beängstigt. Man macht sich gerne Gedanken, schweift ab, dazu ist unser Gehirn wohl auch gemacht. Wir können die Vergangenheit reflektieren, wir können aber auch die Zukunft antizipieren.

Und wie gehen wir dann damit um, wenn wir uns dabei ertappen, wieder einmal in die Sorgenfalle abgeschweift zu sein? Wenn die Sorgen das halbe Leben ausmachen? Wenn die Sorgen unsere Gegenwart bestimmen und sogar auf unser Gemüt schlagen? Dann gibt es einen Satz, der vielleicht hilft. "Von allen Sorgen, die ich mir machte, sind die meisten nie eingetroffen." Das sagt uns der Schwede Sven Hedin immer auf´s Neue in die Situationen hinein, in denen wir wieder über den Sorgen brüten. Manche werden wohl tatsächlich eintreten, aber die meisten, die Überzahl, ist bei dem Schweden ausgeblieben. Vielleicht geht es auch uns so.

Und noch ein weiterer Gedanke aus der Bibel: Dort steht, dass der morgige Tag für sich selbst sorgt. So ist es doch tatsächlich. An jedem neuen Tag passieren so viele Variablen, die nicht in unserer Hand liegen. Und selbst wenn wir jede Sorge durchdacht haben, alles können wir nicht vorausschauen. Also warum dann überhaupt anfangen, warum alles zerdenken? Sorgen sollten nicht das halbe Leben sein. Arbeiten wir daran, sie nicht unser Leben bestimmen zu lassen.   (Christina Leinweber)  +++

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ZUR PERSON: Christina Leinweber, 1988 geboren in der osthessischen Bischofsstadt Fulda, neun Jahre katholisch-private Schulausbildung – so war der Weg zum Theologiestudium für sie vorbestimmt und beschlossen. Es ging dann für vier Jahre Studium in die nächste Bischofsstadt Paderborn - hat inzwischen ihr 1. Staatsexamen in der Tasche und ist seit Anfang November 2013 im Schuldienst des Landes Hessen. Ihre Tätigkeit als Kolumnistin bei osthessen-news.de möchte sie auch in Zukunft fortsetzen. Sie selbst bezeichnet sich als liberal-theologisch und kommentiert (seit 80 Wochen) in der Serie "NACHGEDACHT" Dinge des Alltags aus ihrer persönlichen Sicht. +++


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