- Fotos: Klaus Scheuer

23.05.13 - LAUTERBACH

Grandiose Pfingstmusiktage: Zum Finale Klänge aus dem wilden Osten (6)

Musik ist eine bewegliche Kunstform, sie ist dynamisch, zeitgebunden, vergänglich, flüchtig, veränderlich. Sie steht niemals still. Bestenfalls kreist sie um ein Zentrum, wie ein Planet die Sonne umkreist oder der Mond unseren Planeten. Die Musik der Gruppe East Affair kreist um ein solches Zentrum, und dieses Zentrum liegt im Osten. Wobei damit weniger ein geografisches Zentrum gemeint ist, denn der Osten kann überall sein: in Osteuropa, Ostwestfalen und selbst bei uns in Osthessen. Der Osten von East Affair ist vielmehr eine Lebenseinstellung, eine musikalische Grundhaltung, die deutlich wird, wenn man den ersten Tönen des Quartetts gelauscht hat. Sicher, die Besetzung mit Saiteninstrumenten und Perkussion und vor allem dem charakteristisch osteuropäischen Cymbal deutet auf den geografischen Osten, doch auch der hat nahezu unendliche Weiten, reicht von Tschechien bis Ungarn, von Ost-Berlin bis Sibirien, von Rumänien bis Indien. Überall dort liegen die Wurzeln der Musik von East Affair. Das Ergebnis ist offen, dynamisch und spontan. Der Osten ist offen, nicht erst seitdem der Eiserne Vorhang gefallen ist.

Die Musikstile Osteuropas und darüber hinaus vermischen sich ebenso homogen untereinander, wie die europäischen und afrikanischen Musikstile, die einst im Westen den Jazz und später die Rock- und Popmusik hervorbrachten. Vielmehr noch: der Osten ist heute vielleicht offener als der Westen, und eines ist er ganz sicher: er ist wild. Gitarrist Kim Efert, Wahlberliner aus Ostwestfalen, Cimbalist Jura Wajda aus Tschechien, Bassist Fedor Ruskuc aus Serbien und der Perkussionist Christoph Hillmann, der ebenfalls in Berlin lebt, alle vier treffen sich musikalisch in diesem wilden Osten und schaffen ein lebendiges Klanggewebe aus den unterschiedlichsten Stilen, tschechischer Volkslieder, russischen Einflüssen, rumänischen Klängen. Dabei zeigt das Ergebnis einerseits östliches Profil, arbeitet mit rhythmischer Spannung, mit Tempowechseln und eingängiger Melodik, wie man es mit osteuropäischer Musik assoziiert und bleibt zugleich offen für musikalische Farben aus Indien, Afrika und Lateinamerika. Programm wechselt die Farbe und behält dabei doch eine durchgängige charakteristische Form.

Nimmt man die Vermischung unterschiedlicher musikalischer Stile und Musikkulturen als Definition des Jazz, so ist dies Jazz, was hier entsteht. Und stellenweise klingt es auch so, swingt und und groovt, erinnert an den legendären Hot Club de France der Dreißiger Jahre mit Django Reinhard. Dann wechselt die Farbe, und man ist nach Indien versetzt, die Spannung des Swing wandelt sich in die Gelassenheit indischer Rhythmen. Keine Angst vor Grenzen, vor dem Fremden, dem Unbekannten, denn irgendwo hat alles eine gemeinsame Basis. Und diese muss sehr viel mit Spaß und Spielfreude zu tun haben, denn das vermitteln die vier Musiker am Pfingstmontag in der Aula des Lauterbacher Gymnasium auf alle Fälle. Ein Abschlusskonzert das die Trauer darüber vergessen lässt, dass ein bewegendes Musikfestival schon wieder einmal zu Ende ist.+++Klaus Scheuer













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