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Ahler Stausee bildet Szenario für Einzelkämpferausbildung der Bundeswehr
17.05.16 - „Die Soldaten haben die Gewässerüberquerung des Ahler Stausees ordentlich und souverän gemeistert. Jetzt müssen sie sich bis Mittwoch Morgen bis nach Partenstein durchschlagen“, lobte der Hauptmann aus Hammelburg. Der Ahler Stausee und der hessische und bayerische Spessart bildeten bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate das Szenario für die vierte Woche der besonders harten Einzelkämpferausbildung der Bundeswehr.
34 deutsche Soldaten und ein Holländer aus verschiedenen Truppengattungen hatten sich an der Infanterieschule in Hammelburg angemeldet, um den Lehrgang „Führer einer auf sich gestellten Gruppe“ zu absolvieren. Nach der dritten Woche, der sogenannten Hungerwoche, waren es noch 13, die am Pfingstmontag mit Zeltbahnpaket und Gewehr durch den Stausee schwammen. Hunger, Schlafentzug und extreme physische Belastungen warten dann auf den letzten 60 Kilometern nach einer fast vierwöchigen Tortur auf die verbliebenen Einzelkämpfer.
„Sie marschieren nur nachts mit Marschgepäck fast ohne Proviant. Beim Morgengrauen müssen sie sich dann ein Tagesversteck suchen. Sie dürfen nicht entdeckt werden“, berichtete der Offizier, der den Einsatz der Rettungsschlauchboote leitete, die die Schwimmer begleitetet hatten. Denn bekanntlich ist das Wasser des Stausees nicht kristallklar. Die Rettung eines Ertrinkenden wird schnell zum Problemfall. Nur wer körperlich total fit ist, schafft überhaupt den Eingangstest. Da muss er eine Hindernisbahn in gut zwei Minuten überwinden und 3 000 Meter mit zehn Kilogramm Gepäck unter 19 Minuten laufen.
Willensstärke, Durchhaltevermögen, Belastbarkeit, Orientierung und Führungswille sind gefragt, um eine versprengte Gruppe zur Einheit zurückzuführen. Drei Wochen Nahkampf, Eilmärsche, Abseilen, Durchqueren von Gewässern und in der vierten Woche die Abschlussübung mit allen Themen und dem langen Marsch. Wer diesen Drill erfolgreich absolviert, kann sich danach zum Führer eines Jagdkommandos ausbilden lassen. Dass unter den rund 600 Soldaten, die jährlich die Einzelkämpferausbildung absolvieren, auch ausländische Soldaten sind, sei inzwischen Usus, bestätigte der Hauptmann. (kel)+++