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Markus ENGEL führt die Arbeitsgruppe, Michael BLUM vertritt ihn
09.11.16 - Effektiv, konstruktiv, dynamisch hat die Arbeitsgruppe Stadtentwicklung, Wohnen, Umwelt, Verkehr, Energie und Klimaschutz die Herausforderungen für die Entwicklung eines Stadtleitbildes am Montagabend im Vortragsraum der Bad Orber König-Ludwig-Stiftung in Angriff genommen. Einziges Manko: Die Zahl der unter 45-Jährigen ging gegen null. „Nur die Städte werden überleben, in die mehr junge Menschen ziehen als ältere“, hatte der Frankfurter Sportökonom und -manager Daniel Kumelis in seinem Impulsreferat zum Thema „Zukunft planen“ herausgearbeitet.
Jugendfrische ist für Kumelis elementar für die Stadtentwicklung. Der Marketingfachmann zitierte Bill Gates, der gesagt hat: „Wir überschätzen immer die Veränderungen der nächsten zwei Jahre und unterschätzen die Veränderungen, die in den nächsten zehn Jahren passieren werden". Vernetzte Verkehrswege, dezentrale Energieversorgung, Produktionsstätten mitten in der Stadt: „Wir müssen Arbeitsplätze schaffen und der Übergang von Freizeit und Arbeit muss reduziert werden“, meinte Kumelis. Telemedizin sei ein weiteres Thema der Zukunft und könnte in einem Gesundheitsstandort wie Bad Orb wichtig werden. „Das alles sind grobe Ideen, die draußen diskutiert werden, Themen, die an der Oberfläche gären.
Fit für die Zukunft beginnt mit ehrgeizigen, langfristigen, konkreten und messbaren Zielen.“ Dabei müsse die Lebenszufriedenheit bei Jung und Alt mindestens 90 Prozent betragen und die Zahl der Neubürger, die jünger als 45 Jahre alt seien, hoch sein. Ehrenbürger Ulrich Freund stellte seine Vision von der Stadt im Park in den Raum, die Kurpark, Quellenpark und Innenstadt zusammenführen, damit sie sich gegenseitig beleben und brachte ein kleines Badehaus in der Spessartklinik ins Gespräch, dessen Realisierung nur über private Initiativen möglich sei. Unter dem Motto „Aufatmen in der Stadt am Park“ will Freund den Sonnengesang des Franziskus, den Bewegungspark mit Tennis, Natur-Schwimmbad, Minigolf und Fitness-Parcours und den Wasserpark mit Therme und Gradierwerk in einem englischen Garten zusammenbringen. Für seine Vision erhielt Freund viel Beifall.
Moderatorin Professor Dr. Ursula Funke betonte, ein Stadtleitbild sei ein gemeinsamer Aktionsplan der Bürger auf der Fahrt in die Zukunft. In vorderster Front stünden die Bürger. Über deren Pläne entschiede die Politik und die Verwaltung bringe ihre Erfahrungen ein. Stadtentwicklung sei die räumliche, historische und strukturelle Gesamtentwicklung einer Stadt, Stadtgestaltung eine Aufgabe, Konzepte und Entwürfe zur Gestaltung von Straßen, Wegen, Plätzen und Grünanlagen zu erarbeiten und Funktionalität und Aufenthaltsqualität zu gewährleisten. „Heute wird flott gearbeitet, beim nächsten Treffen diskutiert“, gab die Professorin vor und alle hielten sich brav daran.
Einstimmig wählte die Arbeitsgruppe Markus Engel zu ihrem Vorsitzenden und Michael Blum zu seinem Stellvertreter. Dann waren die Stärken und Schwächen der Stadt gefragt in den Themenbereichen der Arbeitsgruppe. Die Pinnwände reichten kaum auf, um alles aufzunehmen, worüber sich die Bürger im Vorfeld ihre Gedanken gemacht haben. Von der schönen, netten Kleinstadt, dem guten Wohnklima bis zum Verlust der Bäderkultur und unzureichendem Blumenschmuck und einem nicht zeitgemäßem Friedhof reichte die Palette beim Punkt Stadtentwicklung. Altmodisch, langweilig, überaltert, wenig junges Wohnen waren Kritikpunkt in der Kategorie Wohnen. Andere wiederum fanden die ärztliche Versorgung, den preiswerten Wohnraum gut. Beim Schwerpunkt Verkehr überwogen die kritischen Anregungen.
Da wurde ein suboptimales Taxi-Angebot, zu lange Auto-Zeiten in der Fußgängerzone, unsichere Radwege, die schlechte Parksituation und kaputte Straßen kritisiert. Positiv bewertet wurden die Autobahnanbindung, Stadtbus und geringer Fluglärm. Im Bereich Umwelt punkteten nicht nur das gute Orber Wasser, die reizvolle Umgebung und die fehlende Windkraft. Negativ wurde aber die hohe Abgasbelastung empfunden. Was den Bereich Energie betraf, wurde bemängelt, dass in Bad Orb zu wenig erneuerbare Energien genutzt würden. Positiv dagegen wurde die E-Tankstelle gesehen. Beim Thema Klimaschutz bemängelten einige den starken Gegenwind gegen Windenergie, andere freuten sich über Frischluftschneisen über dem Kurpark bis in die Altstadt.