Seine Stiefsöhne und seine beiden leiblichen Töchter hatte der Angeklagte jahrelang missbraucht - Symbolbild: pixabay

FULDA Sohn sagt öffentlich als Zeuge aus

Vater gesteht langjährigen Missbrauch an seinen Kindern - "Tut mir sehr leid!"

14.09.22 - Richter Patrick Krug will es noch einmal explizit vom Angeklagten hören: "Ihre Tochter hat deutlich gesagt, dass sie das nicht will?" Das bejaht der Angeklagte mit gesenktem Kopf. Er selbst wollte die Vielzahl an Missbrauchstaten, mit denen er sich an seinem Stiefsohn und seinen beiden minderjährigen Töchtern über Jahre vergangen hat, nicht selbst gestehen - seine Anwältin trägt für ihn die grässlichen Details nüchtern vor. Abschließend sagt der 48-Jährige aus Alheim, es tue ihm leid, er entschuldige sich.

Zwischendurch musste das Gericht wegen Feueralarm evakuiert werden

Die Verhandlung war an diesem Dienstag gerade eine knappe halbe Stunde im Gang, als eine ohrenbetäubende Sirene ertönte und alle Anwesenden das Gerichtsgebäude am Rosengarten verlassen mussten. Wie bereits berichtet, hatte die qualmende Zigarette eines Delinquenten in der Präsenzzelle den Alarm ausgelöst. Nach kurzem konnte die Feuerwehr aber Entwarnung geben und die Verhandlung wurde fortgesetzt.

Staatsanwältin Heike Meeuw-Wilken hatte den Mann angeklagt, zwischen 2005 und 2018 in mehr als 60 einzelnen Handlungen seinen Stiefsohn und die beiden 2001 und 2004 geborenen leiblichen Töchter sexuell missbraucht, körperlich misshandelt, genötigt und gedemütigt zu haben. Bereits 2002 war er vom Amtsgericht Kassel wegen Missbrauchs und Körperverletzung an seiner zur Tatzeit siebenjährigen Halbschwester zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.

Jahrelanges Martyrium 

Vor dem Landgericht sagten heute die Opfer aus O|N-Archivbilder

Der Angeklagte hatte mit seiner Ehefrau, deren drei Söhnen aus anderen Beziehungen und den gemeinsamen beiden Töchtern in einem Haushalt gelebt und war als Kraftfahrer tätig, während seine Frau als Verkäuferin arbeitete. Er zeigte seinem damals zehnjährigen Stiefsohn Pornos und forderte ihn zu sexuellen Handlungen auf. Auch seine ältere Tochter missbrauchte er ab ihrem Grundschulalter, zwang sie, ihn zu stimulieren und oral zu befriedigen und versuchte auch, sie zu penetrieren, wogegen sie sich aber zur Wehr setzen konnte. Sie versuchte auch in der Folgezeit, sich ihm zu entziehen und zu widersetzen, woraufhin er Gewalt anwandte. Aus Angst vor seinen Übergriffen versteckte sich das Kind im Kleiderschrank.

Auch die jüngere Tochter, die sich wegen einer Essstörung in Behandlung befand, war nicht vor den sexuellen Übergriffen ihres Vaters sicher. Sie habe laut Anklage darauf "angeekelt und verschämt" reagiert und versucht, seine Gegenwart zu meiden und so oft es ging, außer Haus bei Freundinnen zu übernachten. Der Stiefsohn und die ältere Tochter hatten den Vater schließlich angezeigt. Die Ehefrau hat sich mittlerweile von ihm scheiden lassen. 

Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte der zur Tatzeit minderjährigen Opfer wollte das Gericht bei deren anschließender Vernehmung die Öffentlichkeit ausschließen. Doch einer der Söhne, heute 32 Jahre alt, bestand ausdrücklich darauf, öffentlich und in Anwesenheit der Presse auszusagen.

Bis heute von den Übergriffen belastet

Auslöser der Anzeige der Geschwister gegen den Vater war die Tatsache, dass dieser mittlerweile eine neue Freundin hat, die beim Kennenlernen des Paares erst 15 Jahre alt war. Daraufhin entschlossen sich die Opfer vor zwei Jahren, den jahrelangen Missbrauch des Mannes vor Gericht zu bringen. Die Geschwister hatten bis dahin nie über die Übergriffe miteinander gesprochen. "Man schämt sich doch", sagte der Sohn heute zur Begründung des Schweigens. Er verzeihe seinem Stiefvater nichts, wolle nur verhindern, dass er weitere Taten begehe. "Er ist ein Triebtäter", äußerte er vor Gericht. 

Bei den Plädoyers, die am kommenden Donnerstag gehalten werden sollen, werden keine Journalist:innen zugelassen. Die Urteilsverkündung folgt dann am Dienstagmorgen, dem 20. September, um 9 Uhr. (ci) +++


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