Dr. Götz Hartmann bei seinem Vortrag in Heubachs ehemaliger Synagoge. - Fotos: Förderverein/Zimmermann

FULDA/KALBACH Todesmarsch-Opfer

Władysław Żukowski, ermordet bei Dietershan

02.04.25 - Ein namenloser KZ-Häftling wurde am 29, März 1945 bei Fulda-Dietershan erschossen. Dass der Tote ein polnischer Widerstandskämpfer namens Władysław Żukowski war, fand ein Historiker erst rund 75 Jahre später heraus. Die Such nach diesem Menschen und seinem individuellen Schicksal und Leben war Thema eines Vortrags in Kalbach-Heubachs ehemaliger Synagoge.

In der Reihe der Veranstaltungen zum Gedenken an den Todesmarsch aus den Adlerwerken ...

In der Reihe der Veranstaltungen zum Gedenken an den Todesmarsch aus den Adlerwerken bei Frankfurt nach Hünfeld in der Karwoche 1945 berichtete dort Dr. Götz Hartmann über das Geschehen und seine Forschungen. Hartmann ist Historiker und arbeitet für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Hessen. Gemeinsam hatten der Volksbund, die Stadt Fulda sowie der Förderverein Landsynagoge Heubach den sehr gut besuchten Abend organisiert.

Ein Schuss in den Hinterkopf hatte am Tag des Gedenkens vor auf den Tag genau 80 Jahren das Leben des damals 43-jährigen Mannes aus Warschau beendet. Er war einer von wohl mehr als 70 Zwangsarbeitern, die von den SS-Wachen, die die Häftlinge entlang der damaligen Reichsstraßen 40 und 27 nach Hünfeld trieben, umgebracht wurden. Rund 360 halb verhungerte Häftlinge hatten am Abend des 24. März in Frankfurt aufbrechen müssen, rund 280 kamen am Ende im KZ Buchenwald bei Weimar an. Wer nicht mehr mitlaufen konnte, wurde kurzerhand getötet.

Er wurde erschossen und in einem Bombentrichter neben der Straße liegengelassen

Ob Schwäche oder ein "Vergehen" wie der Versuch, am Wegesrand etwas Essbares zu ergattern, für den Mann aus Polen den Tod brachten, ist unbekannt. Er wurde erschossen und in einem Bombentrichter neben der Straße liegengelassen. Erst Wochen später bestattete man seinen Leichnam am Dietershaner Dorffriedhof.

Als Anfang der 1960er Jahre dem "Volksbund" per Bundesgesetz die Aufgabe zufiel, die Gräber der Kriegstoten – in der Regel geordnet nach Landkreisen – auf sogenannten Ehrenfriedhöfen zu bestatten, wurde auch der Leichnam aus Dietershan umgebettet. Die Helfer sicherten Daten und notierten nicht nur mit kriminalistischer Sorgfalt die Schusswunden am Kopf des Mannes, sondern auch die auf der KZ-Uniform aufgedruckte Häftlingsnummer. Allerdings unterlief ihnen dabei ein Übertragungsfehler, so dass eine Identifizierung des Mannes beim Abgleich mit den von den Nazis mit erschreckender bürokratischer Akkuratesse geführten Häftlingslisten damals scheiterte: Der Mann aus Dietershan wurde am Ehrenfriedhof Ludwigstein in Nordhessen im Grab Nr. 293 erneut als "Unbekannter Toter" bestattet – dann allerdings schon mit dem Hinweis, dass er wahrscheinlich ein Opfer des Todesmarschs der Adlerwerke sei, erläuterte Hartmann.

Dieser Text erinnert heute in Ludwigstein an Władysław Żukowski. Foto: Hartmann/Volksbund Kriegsgräberfürsorge Hessen

Abgleich der Unterlagen

Dem Historiker gelang es schließlich im Jahr 2021 bei einer Überprüfung der Unterlagen, den Fehler bei der Datenübermittlung zu klären – eine "3" war als "8" gelesen und notiert worden: Aus dem Abgleich der Unterlagen des Volksbunds mit dem umfangreichen Material der "Arolsen Archives" ergab sich: Bei dem Toten handelt es sich um den Leichnam des 43-jährigen Friseurs Władysław Żukowski.

Er war, wie viele andere, die im KZ der Frankfurter Adlerwerke unter erbärmlichsten Bedingungen in der Rüstungsproduktion schuften mussten, nach der Niederschlagung des Warschauer Aufstands von 1944 festgenommen und zunächst nach Buchenwald und dann nach Frankfurt deportiert worden.

"Ich versuche - auch mit Hilfe polnischer Journalisten - immer noch, Angehörige zu finden"

Żukowski hinterließ eine Frau und mindestens einen Sohn. Ob die Witwe, die 1947 über den Suchdienst des Roten Kreuze nach ihrem Mann geforscht hatte, je mehr erfuhr, als dass ihr Mann in einem KZ gestorben sei, ist bis heute unklar. "Ich versuche - auch mit Hilfe polnischer Journalisten - immer noch, Angehörige zu finden", sagte Hartmann. Dass dies nicht unmöglich ist, hatte sich beim Beginn der Gedenkveranstaltungen für den Todesmarsch in Frankfurt gezeigt: Als dort vergangene Woche am Hauptfriedhof eine Gedenk-Stele für die rund 600 während ihres Frondiensts verstorbenen Insassen des Adlerwerke-KZs eingeweiht wurde, war eine Frau angereist, die nun erstmals am Grab ihres Großvaters stand.

Zu Beginn der Veranstaltung hatte der Vorsitzende des Fördervereins, Hartmut Zimmermann, zwei Kerzen entzündet, um an den ermordeten Władysław Żukowski sowie an Janusz Garlicki zu erinnern, der als junger Mann den Todesmarsch überlebt hatte und durch die Veröffentlichung seiner Erinnerungen daran ("Von der Wahrscheinlichkeit zu überleben", Harrasowitz-Verlag) ein Chronist des Grauens, aber auch ein Botschafter der Versöhnung geworden war. Garlicki war 2013 auf Einladung der Caritas des Bistums Fulda zu Gast im Kloster Hünfeld gewesen und hatte von seinem bewegenden Schicksal berichtet. (mmb/pm) +++


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