04.09.25 - Vom wiederbelebten Gasthof über die restaurierte historische Turnhalle bis zur Fachwerk-Scheune mit Spa-Innenleben: Die Preisträgerinnen und Preisträger des diesjährigen Hessischen Denkmalschutzpreises haben mit Know-how, Leidenschaft und hohem finanziellen Einsatz kulturellem Erbe neues Leben eingehaucht. Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels hat ihnen am Mittwoch den Hessischen Denkmalschutzpreis 2025 überreicht. In diesem Jahr wurden Projekte in Frankfurt, Jossgrund (Main-Kinzig-Kreis), Lauterbach (Vogelsbergkreis), Grebenhain (Vogelsbergkreis), Hofgeismar (Landkreis Kassel), Schaafheim (Landkreis Darmstadt-Dieburg), Darmstadt, Fulda und Hochheim (Main-Taunus-Kreis) ausgezeichnet. Den mit 4.000 Euro dotierten 3. Preis in der Kategorie Privates Bauen bekam das Ehepaar Alexandra und Michael Mans für die Restaurierung des ehemaligen Gasthofs zum Roten Ochsen in der Fuldaer Mittelstraße.

Das historische Schild wurde aufwendig restauriert und eine Replik an der Fassade ...
Verleihung des Hessischen Denkmalschutzpreises 2025
Objekt: Zum roten Ochsen in Fulda, Preisträger: Alexandra und Michael Mans, Architekturbüro: Reith Wehner Storch, Fulda, 3. Preis in der Kategorie Privates Bauen, 4.000 Euro, Bronzeplakette und Urkunde

Das Fahrrad und Nähmaschinengeschäft Kircher-Makorn in der Mittelstraße ...Foto: Stadtarchiv Fulda

So sah das Gebäude 1973 aus Foto: Stadtarchiv Fulda

Hier noch vor der Anbringung des Schildes
Die Jury würdigte den Mut der Familie Mans, sich des ehemaligen Gasthofs zum Roten Ochsen in Fulda anzunehmen und ihm nicht nur sein ursprüngliches Erscheinungsbild, sondern auch seine Bestimmung zurückgegeben zu haben. Aufgrund der zentralen Lage des Ensembles an einer Hauptachse im Zentrum der Stadt habe die mit viel handwerklichem Geschick und großer Sensibilität durchgeführte Maßnahme auch eine wichtige städtebauliche Funktion und trage zur Aufwertung der Fuldaer Innenstadt bei. Die Jury lobte die Archivrecherchen und die fundierten Befunduntersuchungen als Grundlage der unter Mitwirkung junger Handwerksbetriebe und aller Generationen der Familie mit viel Liebe zum Detail erfolgten Instandsetzung.
Hintergrund

Hier nach der Anbringung des Schildes

Das Tondas eröffnete im November 2024 im Erdgeschoss des Roten Ochsen Fotos: O|N-Archiv
Das Haus zum roten Ochsen wurde 1906 an einer stadtbildprägenden Blickachse in der Fuldaer Innenstadt als Wohn- und Geschäftshaus errichtet. Im Rahmen der Instandsetzung, die von 2023 bis 2024 stattfand, wollten die Preisträger insbesondere das historische Erscheinungsbild wiederherstellen. Die Erdgeschosszone mit den hohen Fenstern war in zwei Etagen unterteilt und die Fensteröffnungen teilweise zugemauert. Diese Veränderungen wurden zurückgebaut und die Steinputzflächen im Erdgeschoss wieder freigelegt. Das Hausschild des Vorgängerbaues, eines Wirtshauses, wurde während der Arbeiten im Keller entdeckt. Das Original wurde aufgrund seines schlechten Zustandes nicht wieder am Gebäude aufgehängt, sondern in einem Fuldaer Museum ausgestellt. Am Gebäude hängt stattdessen eine Replik. Heute befindet sich im Erdgeschoss eine Gastronomie, die die Nutzung der Vorgängerbaues mit dem heutigen Gebäude verbindet.

Die geladenen Gäste genossen die tschechische BBQ-Kultur im "Tondas". Hausherr ...

Ehepaar Krejbich und ihr Lokal "Tondas"

Die denkmalgerechte Sanierung erforderte Zeit, Geduld und Geld
Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels lobte das Engagement aller Preisträger: "Mit unserem Hessischen Denkmalschutzpreis ehren wir nicht nur Engagement für unser kulturelles Erbe. Wir ehren auch den Einsatz der Preisträgerinnen und Preisträger für unsere Gesellschaft: Denn wer ein Kulturdenkmal saniert, belebt Innenstädte, stärkt Tourismus und Infrastruktur, unterstützt das traditionell arbeitende Handwerk und stärkt den Klimaschutz durch die Weiternutzung historischer Gebäude". Die Denkmalpflege lebe vom Ehrenamt. "Deshalb unterstützen wir Menschen, die sich in ihrer Freizeit für unser kulturelles Erbe einsetzen: So haben wir die Denkmalförderrichtlinie überarbeitet, um das serviceorientierte, bürgernahe Handeln des Landesamtes für Denkmalpflege zu stärken. Denn ohne den Einsatz zahlreicher Bürgerinnen und Bürger, Initiativen und Vereine wäre es nicht möglich, Denkmäler in ihrer Vielfalt und historischen Bedeutung zu bewahren."

Das historische Schild wurde aufwendig restauriert und eine Replik an der Fassade ...
Der Hessische Denkmalschutzpreis wurde 1986 vom Landesamt für Denkmalpflege in Hessen und der LOTTO Hessen GmbH ins Leben gerufen. In diesem Jahr ist er mit 25.000 Euro dotiert; das Geld stiftet LOTTO Hessen. Das Preisgeld für die Kategorie "Ehrenamtspreis" in Höhe von 7.500 Euro stellt die Hessische Staatskanzlei. "Die Auszeichnung mit dem Hessischen Denkmalschutzpreis ist ein aktives Bekenntnis zu unserer lokalen Baukultur. Das behutsame Wieder- und Weiterverwenden historischer Bauten ist ein höchst zeitgemäßer Umgang mit endlichen Ressourcen. Wir würdigen die Leidenschaft von Menschen für den Erhalt von historisch wertvollen Gebäuden. Der Preis ist auch eine Wertschätzung an die ausführenden Handwerker, ohne die jede Planung Papier bleiben würde", hebt Prof. Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, hervor.

Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels lobte das Engagement der Preisträger ...
Martin J. Blach, Sprecher der Geschäftsführung von LOTTO Hessen, betont: "Knapp 110 Millionen Euro haben wir seit der Geburtsstunde der Rubbellose im Jahr 1986 für den Denkmalschutz erwirtschaften können, davon rund 5,8 Millionen Euro allein 2024. Denn jedes verkaufte Rubbellos nutzt dem Denkmalschutz. Wir sind stolz, auf diesem Wege unseren Beitrag zum Erhalt des kulturellen Erbes in Hessen leisten zu können." (pm/ci) +++