
Wie geht es mit Tegut weiter? Während das Aus der Zentrale in Fulda bereits feststeht, ist die Zukunft vieler Filialen noch offen... - Archivfotos: O|N
REGION
Zentrale in Fulda macht dicht
Tegut-Kahlschlag auf dem Land? So steht es um die Filialen in Osthessen
21.08.26 - Es war eine Hiobsbotschaft, die sich bereits abgezeichnet hatte - am Montag berichtete dann OSTHESSEN|NEWS: Das Aus der Tegut-Zentrale in Fulda ist besiegelt. Bei vielen anderen Märkten ist dagegen noch überhaupt nicht klar, wie es weitergeht. Gerade im ländlichen Raum ist der Verlust eines Supermarktes kein kleiner Einschnitt. In manchen Orten hängt die komplette Nahversorgung an einem einzigen Markt - ganz abgesehen von zahlreichen Arbeitsplätzen.
Hessens Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori (SPD) hat ohnehin bereits davor gewarnt, bei möglichen Übernahmen nur auf Marktanteile und Wettbewerb zu schauen. Am Ende ist es immer noch der einzelne Mensch, der die unmittelbaren Folgen der wirtschaftlichen Entscheidungen spürt - ohne diese selbst beeinflussen zu können.

...mit möglichen Folgen für Arbeitsplätze und Nahversorgung in Osthessen. ...
Das Bundeskartellamt: die entscheidende Hürde?

Hessens Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori warnt vor den Folgen möglicher Filialschließungen ...Archivfoto: O|N/Carina Jirsch

Kartellamtspräsident Andreas Mundt
Foto: Bundeskartellamt / Bernd Lammel
Am Freitag hatte Migros Zürich gegenüber O|N bestätigt, dass die Tegut-Zentrale in Fulda zum 31. März des kommenden Jahres schließen wird. Rund 470 Mitarbeiter werden entlassen. Offen bleibt derweil aber die Zukunft eines großen Teils der etwa 300 Tegut-Filialen. Edeka möchte zwei Drittel davon übernehmen - das Bundeskartellamt ordnet diese Pläne aber bislang kritisch ein und hat deutliche Bedenken geäußert.
Alternativen? In manchen Orten Fehlanzeige
Für die Region könnte das ein großes Problem werden. Tegut gehört zu Osthessen. Tegut gehört zum ländlichen Raum. Tegut ist oft die erste - und einzige - Anlaufstelle, wenn es um die Nahversorgung vor der eigenen Haustür geht.
Wie schnell daraus ein "echtes" Problem werden kann, zeige sich zuletzt in Poppenhausen (Landkreis Fulda). Dort war zeitweise völlig offen, wie es um die Tegut-Filiale steht. Inzwischen steht immerhin fest, dass Tante Enso die Räumlichkeiten übernimmt.
Mansoori fordert deshalb einen Blick über die reine Wettbewerbssituation hinaus. "Wenn Filialen im ländlichen Raum schließen, verlieren viele Menschen ihren Arbeitsplatz und die Bevölkerung teils ihren einzigen Nahversorger. Dann verkommt das Kartellrecht zu lebensfremder Theorie", sagt der Wirtschaftsminister.

In Poppenhausen übernimmt Tante Enso die bisherige Tegut-Filiale und sichert damit ...Archivfotos: O|N
Das Problem mit dem ländlichen Raum
Und dennoch: Am Ende entscheidet das Bundeskartellamt - unabhängig. Trotzdem zieht Mansoori auch den Bund in die Verantwortung: "Die Arbeitsplätze und die Bedeutung der Filialen für die Nahversorgung der Menschen müssen berücksichtigt werden."

Rund 470 Mitarbeiter verlieren mit der Schließung der Tegut-Zentrale in Fulda ihre ...
Für einen kleinen Teil der Märkte gibt es bereits Sicherheit: Die Übernahme von 16 hessischen Tegut-Filialen durch Tante Enso wurde genehmigt. Bei vielen anderen Standorten heißt es: abwarten. Sicherlich wird am Ende nicht jeder Markt übernommen - dafür gibt es schon jetzt genügend Beispiele. Sicherlich werden es keine einfachen Entscheidungen. Eines ist aber auch sicher: Am Ende wird es ein harter Einschnitt für den ländlichen Raum. (Constantin von Butler) +++
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