Nach den schweren Unwetterschäden vom 19. August 2026 haben meteorologische Untersuchungen nun Klarheit für Schlitz-Ützhausen im Vogelsbergkreis gebracht: Ein Tornado überquerte am Abend den Semichweg und verursachte erhebliche Schäden. - Fotos: Philipp Stock

SCHLITZ Schadensursache noch ungeklärt

Nach schweren Unwetterschäden: Weitere Tornados in Osthessen bestätigt

25.08.26 - Nach den schweren Unwetterschäden vom 19. August 2026 (OSTHESSEN|NEWS berichtete bereits) bringen meteorologische Untersuchungen immer mehr Klarheit über die Ereignisse dieses Abends. Nachdem bereits ein starker Tornado in Schlitz-Ützhausen bestätigt worden war, gibt es nun weitere Nachweise aus Osthessen: Auch in Sinswinden bei Tann in der Rhön sowie in Friesenhausen zogen Tornados über das Land. Die genaue Ursache der schweren Schäden im Stadtgebiet von Schlitz ist dagegen weiterhin Gegenstand der Untersuchungen.

Die meteorologische Ursache der schweren Schäden in Ützhausen steht fest. Wie das WTINFO Tornado Research Project in Zusammenarbeit mit Osthessen-Wetter mitteilt, zog am Mittwochabend, 19. August 2026, um exakt 21:13:12 Uhr ein Tornado über den Semichweg in Ützhausen.

Das Ereignis wurde nach den bisherigen Untersuchungen mit der Stärke T6/IF2,5 (S7/F3) eingestuft. Diese Klassifizierung deutet auf einen starken Tornado hin, der erhebliche Schäden verursachen und selbst größere Bäume vollständig aus dem Boden heben kann.

Im Zuge der meteorologischen Schadenskartierung konnten zwei komplett herausgehobene und anschließend verfrachtete Bäume dokumentiert werden. Bei einem davon handelte es sich um eine Eiche, die durch die enorme Kraft des Wirbelsturms sogar hangaufwärts transportiert worden war. Solche Verfrachtungsmuster liefern den Fachleuten wichtige Hinweise auf die Stärke, Zugrichtung und Struktur des Tornados.

Weitere Tornados in Sinswinden und Friesenhausen bestätigt
Inzwischen steht fest, dass es an diesem Abend nicht bei diesem einen Tornado in Osthessen blieb. Das WTINFO Tornado Research Project bestätigte einen weiteren Tornado im Tanner Stadtteil Sinswinden in der Rhön. Dieser wurde mit der Stärke F2 eingestuft.

Der Wirbelsturm zog am Mittwochabend durch die Ortslage und beschädigte mehrere landwirtschaftliche Gebäude erheblich. Nach Angaben der Tornadoforscher wurde unter anderem eine Scheune durch die enorme Windkraft komplett zur linken Seite der Zugrichtung gedrückt. Die Untersuchungen vor Ort dauern auch dort noch an.

Eine weitere Tornadobestätigung gibt es für Friesenhausen. Die endgültige Stärke soll dort erst im Laufe der weiteren Untersuchungen festgelegt werden. Nach Angaben des WTINFO Tornado Research Project gilt eine Stärke von mindestens F2 beziehungsweise IF1,5 nach der Einordnung des Deutschen Wetterdienstes jedoch bereits als sicher.

Auf Luftaufnahmen ist zudem ein sogenannter Tornado-Trombenfuß zu erkennen. Die am Boden liegende Vegetation zeigt nach Einschätzung der Experten eine konvergente, zum Wirbel hin gerichtete Windströmung. Auch diese Spuren werden für die weitere genaue Einordnung des Ereignisses ausgewertet.

Tornadoschneise in Ützhausen wird weiter untersucht

Die vollständige Tornadoschneise in Ützhausen wird derzeit weiter vermessen und detailliert untersucht. Dabei werden unter anderem die Lage umgestürzter Bäume, deren Fallrichtungen, mögliche Rotationsmerkmale sowie weitere Schäden an Gebäuden, Vegetation und Infrastruktur ausgewertet. Erst nach Abschluss dieser Arbeiten lässt sich die genaue Länge und Breite der Schneise bestimmen.

Nach Angaben der Wetterexperten besitzt der bestätigte Tornado von Ützhausen jedoch keinen direkten Bezug zu den Schäden im Bereich der Stadt Schlitz. Auch die nun bestätigten Ereignisse in Sinswinden und Friesenhausen sind zunächst als eigenständige Tornadoereignisse zu betrachten. Für Schlitz selbst ist die konkrete meteorologische Schadensursache weiterhin offen.

Ob auch dort ein Tornado, schwere Orkanböen oder ein anderes lokales Unwetterphänomen für die Verwüstungen verantwortlich waren, konnte bislang noch nicht abschließend geklärt werden.

Experten suchen weiterhin Aufnahmen aus Schlitz

Um den zeitlichen Ablauf und die Wetterentwicklung in Schlitz genauer rekonstruieren zu können, suchen Osthessen-Wetter und das WTINFO Tornado Research Project weiterhin nach Zeuginnen und Zeugen. Benötigt werden insbesondere Fotos oder Videos, die am Abend des 19. August 2026 in Schlitz aufgenommen wurden und die Wolkenentwicklung, das eigentliche Unwetter oder möglicherweise auffällige Absenkungen beziehungsweise Trichterbildungen zeigen.

Von besonderer Bedeutung sind Aufnahmen, bei denen sich die genaue Uhrzeit und möglichst auch der Aufnahmeort nachvollziehen lassen. Selbst Bilder oder Videos, auf denen zunächst nichts Außergewöhnliches erkennbar scheint, können den Fachleuten wichtige Hinweise für die zeitliche Einordnung und weitere Untersuchung liefern.

Wer entsprechendes Bild- oder Videomaterial besitzt, wird gebeten, sich bei Osthessen-Wetter oder dem WTINFO Tornado Research Project zu melden. Die Auswertung dieser Aufnahmen könnte entscheidend dazu beitragen, auch die Ursache der schweren Schäden in Schlitz zweifelsfrei zu bestimmen. (ms/pm) +++

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