01.09.26 - Die Debatte um die Umbenennung der Johannes-Dyba-Allee sorgte in den letzten Wochen schon für ordentlich Gesprächsstoff in Fulda. Am Montag wurde in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses weiter darüber diskutiert.
Hintergrund ist die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche und die Rolle des ehemaligen Erzbischofs Dybas dabei. In vielen Sitzungen, teilweise auch hinter verschlossenen Türen, wurde schon über den Bericht der Kommission und die Konsequenzen daraus gestritten. Bischof Gerber und ein Betroffener wurden bereits angehört.
Die SPD fordert die Rückbenennung der Johannes-Dyba-Allee in Kastanienallee. Die AfD-Fraktion will die Bürger über die Zukunft der Johannes-Dyba-Allee entscheiden lassen. Die Fraktion hat deshalb ein Vertreterbegehren beantragt. Es gab am Montag aber keine inhaltliche Diskussion, sondern lediglich Stellungnahmen der Fraktionen. Die Diskussion soll in der Stadtverordnetenversammlung am nächsten Montag stattfinden.
Eine kleine Diskussion gab es aber zu einem Antrag der SPD. Die Fraktion fordert die Wiederherstellung der Öffentlichkeit. Dabei bezieht sie sich auf die Anhörung eines Betroffenen in nichtöffentlicher Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses. "Der Betroffene hat mir gegenüber bestätigt, dass er einer Aufhebung der Vertraulichkeit zustimmt", erklärt der Vorsitzende Hans-Dieter Alt (CDU). Argumente von dem Betroffenen können damit auch in der Öffentlichkeit verwendet werden.
Das Bistum bittet laut Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (CDU) weiterhin um Vertraulichkeit - besonders mit Blick auf die Äußerungen des Bischofs. Deshalb wird das Bistum auch selbst keine Empfehlung abgeben, sondern respektiert die Entscheidung der Stadtverordneten.

v.l.: Stadtbaurat Daniel Schreiner, Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld, Ausschussvorsitzender ...
Stellungnahmen der Fraktionen
Die Fraktionen gaben im Anschluss ihre Stellungnahmen zu der Umbenennung und dem SPD-Antrag ab. Patricia Fehrmann, CDU-Fraktionsvorsitzende, erklärt: "Die CDU-Fraktion hat sich intensiv mit der Thematik befasst. Wir werden ihrem Antrag nicht zustimmen. Wir wollen, dass die Johannes-Dyba-Allee ihren Namen behält." Frank Schüssler von der AfD sagt: "Es geht um die Frage, ob Johannes Dyba Verfehlungen nachzuweisen sind. Rein faktisch ist dieser Vorwurf nicht nachweisbar. Wir wollen ein Vertreterbegehren auf die Beine stellen."
Marie-Louise Puls, Fraktionsvorsitzende der Grünen, erklärt: "Unserer Einschätzung nach war Bischof Dyba der Schutz der Institution Kirche wichtiger als der Schutz der Betroffenen." Sie fordert, dass auch die Straßen, die nach anderen Bischöfen benannt wurden, ebenfalls geprüft werden.
SPD-Fraktionsvorsitzender Jonathan Wulff ergänzt: "Die Auswirkungen einer Straßenumbenennung sind hier gering. Wir haben dort keine Anwohner. Außerdem sprechen wir über Vorgänge, die vor nicht allzu langer Zeit waren und bei denen viele Opfer noch leben und immer wieder mit den Taten von damals konfrontiert werden."
Michael Grosch von der FDP erklärt: "Die Anhörung hat uns bestätigt, dass Bischof Dyba die Verantwortung trägt. Wir werden der Umbenennung der Straße zustimmen." Volker Elm von VOLT sagt dazu: "Fulda für alle Menschen lebenswerter gestalten, das sollte Priorität für uns als Stadtverordnete darstellen. Daher sehen wir als einzige logische Folge die Umbenennung der Johannes-Dyba-Allee."
Über die ausführlichen Statements der Fraktionen berichteten wir vor einigen Tagen. Diese können Sie hier nachlesen.
Endgültige Abstimmung in der Stadtverordnetenversammlung
Die Abstimmung, als Empfehlung für die Stadtverordnetenversammlung, ergab schließlich: Der Antrag der SPD-Fraktion auf Umbenennung wurde mehrheitlich abgelehnt. Und der Antrag auf Einrichtung einer Kommission, um auch die übrigen Namen ehemaliger Bischöfe zu überprüfen, wurde ebenfalls abgelehnt. Eine endgültige Entscheidung über die Anträge treffen die Stadtverordneten.
Ein Tagesordnungspunkt sah außerdem die Feststellung des Jahresabschlusses der Stadt Fulda vor. Hierzu erläuterte Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (CDU): "Haushalterisch war das ein schwieriges Jahr." Besonders durch fehlende Erträge aus der Gewerbesteuer. 65 Millionen Euro seien kalkuliert worden, lediglich 55 Millionen Euro wurden eingenommen. Für das laufende Jahr sieht es aber nach aktuellen Aussichten deutlich positiver aus - auch, was die Einnahmen durch die Gewerbesteuer angeht. Mit Blick auf die laufenden Investitionen liege derzeit außerdem alles im Budget. (Moritz Pappert) +++ 
↓↓ alle 13 Artikel anzeigen ↓↓