Am Tag danach sind noch einige Reste der Gewalt in der Innenstadt von Frankfurt am Main zu sehen - Fotos: Hans-Hubertus Braune

KOMMENTAR Was zündelt diese Gewalt an?

Junge Randalierer machen fassungslos - Polizisten kriegen ab, was schief läuft

01.11.26 - Es gibt Dinge, die einfach nicht mehr erklärbar und schon gar nicht zu akzeptieren sind: Was am Samstagabend in der Innenstadt von Frankfurt am Main und weiteren Großstädten passiert ist, hat mit Protest, mit Unzufriedenheit über die Politik, über die eigene Lebenswelt nichts mehr zu tun.

Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungskräften werden angegriffen. Es könnten die Eltern oder die der Freunde sein. Egal. Es werden Geschäfte demoliert, ja sogar geplündert. Die neuen Schuhe praktisch im Vorbeigehen mitgehen lassen. Krass. Und wahrscheinlich noch in der Nacht im Netz vertickert. Selbst ein Waffenladen war vor den Gewalttätern nicht mehr sicher.

Ein nachdenklicher Polizeipräsident Stefan Müller bei der Pressekonferenz am ...

Am Nachmittag danach ist die Zeil belebt, tausende Menschen flanieren an teils noch verbarrikartierten Läden vorbei. Vor dem Schuhgeschäft bleiben einige stehen, zücken ihre Mobiltelefone. Hier also war das. Von den zertrümmerten Scheiben ist nicht mehr viel zu sehen. Securitybeamte bewachen das Gebäude. In den Schaufenstern, die nicht mit Spanplatten zugestellt sind, fehlt kein einziger Schuh, alles wurde anscheinend wieder hergerichtet. In den Seitengassen finden sich die Reste der Gewalt, verbrannter Asphalt, Baustellenschilder und so weiter.

Zahlen sprechen eine traurige Sprache

Die nackten Zahlen sprechen eine deutliche, eine traurige Sprache: Rund 100 verletzte Polizisten, 54 Festnahmen und fünf Plünderungen. Es hätte noch schlimmer kommen können. Das macht es nicht besser und vor allem, was entwickelt sich noch alles? Am Tag danach folgte, was nach solchen Ereignissen immer folgt: Erklärungen, wie es dazu kommen konnte, und der Ruf nach härteren Strafen. Nüchtern betrachtet wird es trotz zahlreicher Videoaufnahmen wohl schwierig, die schweren Taten von Landfriedensbruch rechtssicher belegen zu können. Die Behörden setzen alles daran. Und natürlich kochen die Diskussionen wieder hoch: Hat die Polizei Fehler gemacht, hat sie falsch oder zu spät reagiert?

OSTHESSEN|NEWS-Chefreporter Hans-Hubertus Braune Archivbild: O|N/Timon Ulm

Polizei, Innenministerium und die Stadt stellten sich am Sonntagmittag im Polizeipräsidium ...

Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef

Frankfurts Polizeipräsident Stefan Müller hat eine intensive Aufarbeitung angekündigt, wie üblich in solchen Lagen. Und er entschuldigt sich in der Pressekonferenz sogar dafür, dass Geschäfte geplündert wurden. Bis zu 30 zeitgleiche Einsatzlagen und eine Dynamik, die wohl niemand realistisch einschätzen konnte. Man kann sicher darüber diskutieren.

Wieso kommen junge Menschen darauf?

Vielmehr muss es aber darum gehen, noch mehr zu hinterfragen: Wieso kommen junge Menschen darauf, sich auf solche, absolut dummen Taten einzulassen? Ist es die Geltungssucht in den sozialen Medien? Was erhoffen sie sich von der Prahlerei? Die Polizei spricht von Tätern, die in den zahllosen Videos und Bildern klar erkenntlich sind. Es soll sich um die jungen Leute mit überwiegendem Migrationshintergrund handeln, mit denen es die Behörden immer wieder auf der Frankfurter Einkaufspromenade zu tun haben. Die Zeil als Ort der Aggression. Bisher schätzten die Behörden das Klientel als "erlebnisorientiert "ein. Diese Sicht war leider trügerisch.

Der überwiegend friedliche Protest tagsüber geht völlig unter, darüber spricht niemand mehr. Dabei sind vernünftige Bildungsmöglichkeiten, ordentliche Schulen und Freizeitangebote wichtiger denn je. Eine gute Infrastruktur holt einen Großteil der oftmals perspektivlosen Jugendlichen von der Straße. Da bin ich mir als langjähriger Jugendleiter von unserem örtlichen Sportverein und Jugendförderverein sicher. Zum Glück leben wir aber auf dem Land. Die Realität sieht gerade in den Großstädten anders aus. Vielfach fehlt das Geld. Zudem wurden viele Jahre andere Prioritäten gesetzt. Dass junge Menschen deshalb auf die Straßen gehen - absolut nachvollziehbar. Doch diese Gewalt am Abend und in der Nacht macht all diesen friedlich sinnvollen Protest zunichte. Die brutale Schlacht verschlingt Gelder, die an anderer Stelle noch mehr fehlen werden.

In drei Wochen soll wieder demonstriert werden. Die Polizei wird noch mehr Kräfte aufbieten, also noch mehr Steuergelder in Anspruch nehmen müssen. Männer und Frauen der Polizei, der Hilfs- und Rettungsorganisationen werden sich wieder in die Gefahr begeben, um Mitmenschen sowie deren Hab und Gut zu beschützen und zu versorgen. Dass alles, weil eine Horde durchgedrehter Menschen nur eines im Sinn hat: Gewalt, Hass und Randale. Sie schüren damit noch mehr Vorbehalte gegenüber denjenigen, die sich ordentlich integrieren. Das Hochschaukeln darf keine Schule machen, alle sind gefragt. Nicht nur die Polizei. Die Polizistinnen und Polizisten sind am Ende diejenigen, die sich der Gewalt gegenüberstellen müssen. Die abkriegen, was vorher in der Bildung, in der Erziehung schiefgelaufen ist.

Die allermeisten Jugendlichen distanzieren sich von der Gewalt. Das ist gut so, reicht aber nicht. Geht auf sie zu, zeigt den gewaltbereiten Gleichaltrigen, dass es abartig ist, was sie tun. Es ist kein einziges "Like" wert. (Hans-Hubertus Braune) +++

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