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NACHGEDACHT (66) NACHGEDACHT (66)

Die Geister aus der Vergangenheit - Gedanken von Christina LEINWEBER

06.04.14 - Beim Brötchenholen hat mich ein Nachgedacht-Leser angesprochen: „Sie haben also auch Geister aus der Vergangenheit um sich herum schwirren.", sagte er zu mir unvermittelt. Natürlich brauchte ich ein paar Sekunden und ich antwortete: „Ja, mein Lehrer – das Nachgedacht der letzten Woche." Die Titulierung „Geister der Vergangenheit" finde ich wirklich treffend. Deswegen widme ich nochmals ein paar Gedanken diesem lohnenswerten Thema.

Letzte Woche sagte ich bereits – man trifft manchmal Menschen, die man nicht mehr sehen möchte - weil man emotional nicht über die Geschichte hinweg ist, die man mit dieser Person verbindet oder auch aus anderen gearteten Gründen. Aber viele Menschen pflegen zu sagen: Man sieht eine Person immer zweimal im Leben. Meistens sagen sie das aber, wenn man noch eine alte Rechnung offen hat.

Scheinbar gibt es also mehrere Formen von „Geistern aus der Vergangenheit", die in der Gegenwart ihren Spuk treiben. Erstere Sorte möchte man nicht sehen und nicht mit ihr sprechen, aber es gibt bestimmt eine weitere Sorte, die man unbedingt wiedersehen möchte. Ein paar Beispiele: den Ex-Partner, dem man mal unter die Nase reiben möchte, wie gut es mit dem neuen Partner klappt; der ehemaligen Arbeitskollegin, die schlecht über dich gesprochen hat, und der du unbedingt nochmal sagen willst, wie unmöglich ihr Verhalten war. Ja, wenn wir drüber hinweg sind, können wir es auch mitteilen oder wollen es sogar unbedingt loswerden.

Traurig und schwierig wird es allerdings, wenn wir es gar nicht mehr können – wenn uns ein zweites Wiedersehen verwehrt wird, weil der Mensch gehen musste und nie mehr wiederkommen wird. Dann haben wir echte Geister um uns. Geliebten, verstorbenen Menschen noch einmal – ein einziges Mal - etwas zu sagen, ist meistens der größte Wunsch von den Angehörigen. Deswegen sage ich immer: Gehe niemals im Streit auseinander, du weißt nicht sicher, ob du dich entschuldigen kannst. Und: Sage liebevolle Worte lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig. Also nutzen sie die Zeit, um miteinander zu sprechen, bevor sie darauf warten müssen (Christina LEINWEBER).
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ZUR PERSON: Christina Leinweber, 1988 geboren in der osthessischen Bischofsstadt Fulda, neun Jahre katholisch-private Schulausbildung – so war der Weg zum Theologiestudium für sie vorbestimmt und beschlossen. Es ging dann für vier Jahre Studium in die nächste Bischofsstadt Paderborn - hat inzwischen ihr 1. Staatsexamen in der Tasche und ist seit Anfang November im Schuldienst des Landes Hessen. Ihre Tätigkeit als Kolumnistin bei osthessen-news.de möchte sie auch in Zukunft fortsetzen. Sie selbst bezeichnet sich als liberal-theologisch und kommentiert (seit 66 Wochen) in der Serie "NACHGEDACHT" Dinge des Alltags aus ihrer persönlichen Sicht. +++


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