
Große Baustelle statt Café-Betrieb: Das Café Thiele wird derzeit abgerissen - Fotos: Marvin Myketin
FULDA
Bauarbeiten gestartet
Jetzt wird das historische Café Thiele abgerissen - Was kommt danach?
30.09.25 - "Was machen Sie denn mit dem Café Thiele?" - Fragen wie diese hören die Bauarbeiter in der Fuldaer Mittelstraße 2 momentan fast im Minutentakt. Manch einer spaziert sogar mitten in die Baustelle und möchte gern einen Kaffee trinken. Doch den gibt es hier aktuell leider nicht, denn seit dem frühen Montagmorgen laufen die Abrissarbeiten am Traditionscafé.

35 Meter hoch ist der Kran in der Innenstadt

Anja Halemba betreibt ein Geschäft für Accessoires und Bekleidung schräg gegenüber ...
Bereits Ende April wurde das beliebte Lokal geschlossen (O|N berichtete). Seit 133 Jahren wichtiger Teil nicht nur der örtlichen Gastronomieszene, sondern auch des Stadtbilds, hat das Café Thiele für die Fuldaer geradezu Kultcharakter - entsprechend heiß brodelt derzeit daher die Gerüchteküche, was wohl damit passieren könnte.
Noch ist jedoch nichts spruchreif, wie Bauherr Dr. Herbert Büttner gegenüber OSTHESSEN|NEWS verrät. Lediglich so viel kann er bereits verraten: "In die Mittelstraße 4 direkt daneben wird ein gastronomisches Konzept einziehen, das mit dem Café Thiele harmoniert." In etwa einem Monat möchte Büttner mit weiteren Details an die Öffentlichkeit gehen.
Viele sind von Einschränkungen betroffen
Bis dahin werden sich die Fuldaer also noch etwas gedulden müssen, auch wenn es schwerfällt. Denn so ein Abriss ist immer mit Einschränkungen verbunden. Ein 35 Meter hoher Kran, große Container für den Schutt und großzügige Absperrungen verändern nun das Stadtbild in diesem Bereich zusätzlich. Auch Lärm lässt sich kaum verhindern.
Direkt anliegend sind zahlreiche weitere Geschäfte und auch viele Privathaushalte sind von den Arbeiten in gewisser Weise betroffen. Viele von ihnen haben gemischte Gefühle. Bereits seit der Schließung des Café Thiele bemerke man die Auswirkungen auf die Frequentierung der umliegenden Geschäfte, wie Anja Halemba, Inhaberin von Halemba Style, unmittelbar gegenüber des Cafés sagt. "Man wird nicht gesehen, man ist abgestellt. Die Leute, die von dort oben kommen und hier fremd sind - beispielsweise Touristen -, die gehen natürlich in eine andere Richtung, als direkt in diese Baustelle. Auf der anderen Seite muss man aber auch sagen: Wir sind natürlich alle froh, dass in der Stadt etwas passiert und investiert wird."
"Man muss täglich zueinander finden"
"Innenstadt ist Nähe. Innenstadt, das heißt, dass man Mauer an Mauer zusammenlebt und wenn dann so eine große Bauaktivität ist, bedeutet das, dass man täglich zueinander finden muss", sagt auch Tim Ulmer, Geschäftsführer des Schuhhauses Ebert. Andererseits seien die Arbeiten absolut nötig. Ein bisschen Angst habe er vor dem Lärm und hoffe, dass, wenn dieser zu groß werde, man sich arrangieren könne und beispielsweise Zeiten, in denen mit dem Presslufthammer gearbeitet werde, angepasst werden könnten.

Tim Ulmer ist Geschäftsführer des Schuhhaus Ebert gleich nebenan
Auch die aktuelle Bauleitung und der Bauherr legen auf das gute und respektvolle Miteinander großen Wert, wie sie gegenüber O|N bestätigen. Beste Voraussetzungen also für einen möglichst guten Projektverlauf. Und vielleicht freuen sich Anwohner und Nachbarbetriebe ja schon bald gemeinsam mit dem Team des Café Thiele an dessen neuem Nutzungskonzept. (Sabrina Ilona Teufel-Hesse) +++ 