Trommelwirbel, Trompeten und ein Countdown, der absichtlich hängen bleibt: Mit einem furiosen Auftakt hat die Hamburger Band "Deine Freunde" den Fuldaer Museumshof im Rahmen von "Kultur.Findet.Stadt" in eine ausgelassene Familien-Party verwandelt. - Fotos: Carina Jirsch

FULDA Mitsingen, Mitlachen und Abgehen

"Deine Freunde" im Museumshof: Kinder, Eltern - und alle gehen ab

30.08.26 - Trommelwirbel, Trompeten und ein Countdown, der absichtlich hängen bleibt: Mit einem furiosen Auftakt hat die Hamburger Band "Deine Freunde" den Fuldaer Museumshof im Rahmen von "Kultur.Findet.Stadt" in eine ausgelassene Familien-Party verwandelt. Vor überwiegend jungem Publikum – vom Kita-Kind bis zu mitwippenden Eltern – lieferte das Trio ein Konzert, das den Ruf der Gruppe als "coolste Kinderband der Welt" eindrucksvoll bestätigte.

Ein Auftakt mit Augenzwinkern

Pünktlich um 17:30 Uhr ging es los. Ein Countdown lief, das Publikum zählte lautstark mit – und blieb dann bei der Drei hängen. Eine inszenierte Panne, die sofort für Gelächter sorgte: "Oh nein, der Countdown hängt! Ich starte noch mal neu!" Auch der zweite Versuch scheiterte planmäßig: "Mist, es klappt einfach nicht – mein DJ-Pult hängt!"

Der Ruf "Dann spiel erstmal was Leises!" wurde mit einem entwaffnenden "Okay" quittiert – woraufhin ein dröhnendes "WIR GEHEN AB!" durch den Museumshof schallte. Im Nebel und Scheinwerferlicht tauchte die Gruppe auf der Bühne auf, und es ging direkt mit schnellem Sprechgesang los. Die vorderen Reihen sangen textsicher mit: "Ich geh' ab, zack, zack! Keine Zeit zu verschwenden!" und "Auf die Plätze, fertig und GO!"

"Hallo, ihr Lieben! Da sind wir!", begrüßte die Band ihr Publikum. "Und ihr seid heute ja alle so schön nah dran an uns!"

Kinder nach vorn, Eltern nach hinten

Charakteristisch für Konzerte von "Deine Freunde" ist die räumliche Aufteilung: Die Kinder bekommen die besten Plätze direkt vor der Bühne, die Erwachsenen stellen sich dahinter an. Ein Konzept, das an diesem Abend humorvoll zelebriert wurde. Die Band forderte die Kinder auf, zu rufen: "Keine Angst, liebe Eltern – hier im Kinderbereich ist alles super!" Und prompt kam der Gegenruf aus den hinteren Reihen: "Hier im Elternbereich auch!"

Auch sonst suchte das Trio den direkten Draht ins Publikum. "Wer ist das erste Mal auf einem Konzert von Deine Freunde?", lautete die Frage – "Oh, es sind ja doch einige!" Und dann, mit einem Augenzwinkern hinterher: "...und wer ist heute das letzte Mal auf einem Deine-Freunde-Konzert?"

Nachdem sich die Musiker nacheinander unter Beifall vorgestellt hatten, ging es weiter mit "Du bist aber groß geworden!" – erneut lautstark mitgesungen von den Kindern in den ersten Reihen.

Vom Kita-Song zur Hallentournee

Die Geschichte hinter der Band ist bemerkenswert. Sie beginnt 2010 in einer Hamburger Kindertagesstätte: Florian Sump, früherer Schlagzeuger der Popgruppe Echt und als Solokünstler unter dem Namen Jim Pansen aktiv, arbeitete dort als Erzieher. Für seine Schützlinge wollte er ein Lied aufnehmen und suchte dafür das Studio von Musikproduzent Markus Pauli auf, der jahrelang als Live-DJ von Fettes Brot unterwegs war. Gemeinsam mit Lukas Nimscheck – später unter anderem Moderator des Tigerenten-Clubs – entstand der Song "Schokolade", der bei Kindern wie Eltern der Kita bestens ankam und auf YouTube inzwischen fast zehn Millionen Aufrufe zählt.

Kurios: Ursprünglich wollte sich das Trio in Anlehnung an den Kinderliedautor Rolf Zuckowski "Rolf Zuckopfnicks" nennen und fragte diesen sogar um Erlaubnis. Die Idee wurde zugunsten von "Deine Freunde" wieder verworfen – Zuckowski unterstützte die Band anschließend dennoch.

Der Durchbruch gelang 2012 mit dem Debütalbum "Ausm Häuschen". Zwei Jahre später wurde die Gruppe mit dem Hamburger Musikpreis HANS in der Kategorie "herausragende Künstlerentwicklung" ausgezeichnet, 2020 saßen Sump und Nimscheck als Coaches in der achten Staffel von "The Voice Kids". Inzwischen umfasst die Diskografie acht Studioalben. Dazu kamen Songbeiträge für Filmproduktionen wie Disneys "Cars 3".

Warum das Konzept aufgeht

Der Erfolg beruht auf einer klaren Idee: Hip-Hop und Popmusik mit frechen, klugen Texten aus dem Alltag der Kinder – lange Autofahrten, nervige Geschwister, Hausaufgaben, Quatsch mit Soße. Dabei haben die Texte in der Regel eine doppelte Ebene: eine aus Sicht der Kinder, eine aus jener der Eltern. Genau deshalb funktioniert die Musik in beide Richtungen und hat sich die Band, wie sie selbst besingt, zur "Band, der die ganze Familie vertraut" entwickelt.

Der Weg dorthin war Arbeit: Nach eigener Aussage spielte das Trio anfangs an jeder Gießkanne. Erst nach etwa fünf Jahren zeichnete sich ab, dass daraus ein echter Beruf werden konnte. Heute füllen "Deine Freunde" große Hallen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Sommerabend mit Bratwurst und guter Laune

Rund um die Bühne herrschte im Museumshof entspannte Festivalatmosphäre. Bei Bier für die Erwachsenen und Gegrilltem vom Rost – klassisch die Bratwurst – ließ sich der Nachmittag bestens verbringen. Für zusätzlichen Schwung sorgte dabei ein glücklicher Zufall der Terminplanung: Direkt nebenan am Universitätsplatz fand der Christopher Street Day statt, dessen ausgelassene Stimmung merklich in den Museumshof hinüberschwappte.

So entstand ein Nachmittag, an dem Musik genau das leistete, was "Deine Freunde" seit über einem Jahrzehnt anstreben: Kinder und Eltern gleichermaßen zum Mitsingen, Mitlachen und Abgehen zu bringen. (Marvin Hucke) +++

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