
In dem Moment, in dem das Herz aufhört zu schlagen, zählt jede Sekunde. - Archivfotos (3): O|N/Rene Kunze
REGION
Nach Vorfall in Hettenhausen
Defibrillatoren am Spielfeldrand? Fulda prüft Ausstattung
06.11.26 - Ein Gerät, das Leben retten kann: Beim Vorfall am Sportplatz der SG Schmalnau/Hettenhausen/Gersfeld wurde dies erneut deutlich. Kurz nach dem Abpfiff eines Kreisoberliga-Spiels brach ein 82-jähriger Zuschauer infolge eines Herzinfarkts zusammen. Dank der schnellen Reaktion von Spielern und Besuchern nahm der Vorfall einen vergleichsweise glimpflichen Verlauf. Damit rückt die Frage nach Defibrillatoren an Sportplätzen erneut in den Fokus. OSTHESSEN|NEWS hat bei der Stadt Fulda nach dem aktuellen Bestand und möglichen Ausbauplänen gefragt.
Der Vorfall in Hettenhausen fällt in eine Zeit, in der das Thema Herzgesundheit bundesweit stärker in den Fokus rückt. Die Herzwochen 2026 der Deutschen Herzstiftung machen auf Risiken von Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufmerksam und werben für mehr Wissen über Wiederbelebungsmaßnahmen sowie den Einsatz von Defibrillatoren.

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Konzept für Defibrillatoren in Arbeit
In dem Moment, in dem das Herz aufhört zu schlagen, zählt jede Sekunde. Bis die Rettungskräfte wenige Minuten nach der Alarmierung eintreffen, sind Ersthelfer gefragt. Der Vorfall in Hettenhausen zeigte erneut, wie wichtig schnelles Handeln ist. Während sich ein Helfer um die Herz-Lungen-Wiederbelebung kümmerte, übernahm ein zweiter die Beatmung. Ohne den schnellen Einsatz der Menschen vor Ort wäre der 82-Jährige auf dem Sportplatz vermutlich nicht so glimpflich davongekommen.
Die Stadt Fulda arbeitet an einem Konzept für den Einsatz öffentlich zugänglicher Defibrillatoren (AED) an kommunalen Standorten. Eine flächendeckende Ausstattung von Sportplätzen gibt es bislang nicht. Geplant ist jedoch, geeignete Standorte zu identifizieren und die Geräte im Außenbereich für jedermann zugänglich zu installieren. Zusätzliche Aufmerksamkeit erhält das Thema durch den Vorfall in Hettenhausen sowie die Herzwochen 2026 der Deutschen Herzstiftung, die für mehr Wissen über Wiederbelebung und den Einsatz von Defibrillatoren werben.

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Anschaffung kostet mehrere Tausend Euro
Im Rahmen der Konzepterstellung beschäftigt sich die Stadt auch mit den Kosten geeigneter Defibrillatoren. Nach eigenen Angaben favorisiert die Verwaltung witterungsgeschützte Außengeräte. Geeignete Modelle kosteten etwa 3.500 Euro pro Stück. Hinzu kämen Wartungskosten von knapp 200 Euro jährlich pro Gerät. Die Installationskosten seien abhängig vom Standort.
Fördermöglichkeiten für Vereine werden geprüft. So könne die Björn-Steiger-Stiftung im Rahmen des Programms "Herzsicher im Verein" bundesweit Unterstützung leisten, etwa durch Schulungen oder Gerätekonzepte. Darüber hinaus komme grundsätzlich eine Förderung über die Sportförderrichtlinie der Stadt Fulda infrage.

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Wiederbelebung wichtiger als Technik
Eine spezielle Schulung für die Bedienung öffentlich zugänglicher AEDs hält die Stadt nicht zwingend für erforderlich. Die Geräte führten Nutzer Schritt für Schritt durch die Anwendung. Wichtiger seien regelmäßige Kenntnisse in der Herz-Lungen-Wiederbelebung, insbesondere bei Herzdruckmassage und Beatmung.
Mit Blick auf den Vorfall in Hettenhausen betont die Stadt, dass Standorte und Bedarfe "kontinuierlich jenseits einzelner Vorkommnisse" überprüft würden. Maßgeblich seien dabei die Wahrscheinlichkeit eines Einsatzes, die Zahl der Menschen vor Ort sowie die Hilfsfristen des Rettungsdienstes.
Stadt warnt vor falschen Erwartungen
Gleichzeitig warnt die Stadt davor, die Bedeutung von Defibrillatoren zu überschätzen. Eine flächendeckende Verfügbarkeit müsse sorgfältig geprüft werden, da AEDs Erste-Hilfe-Maßnahmen nicht ersetzen könnten. Eine verzögerte oder unterbrochene Wiederbelebung, weil zunächst nach einem Defibrillator gesucht werde, sei für Betroffene häufig nachteiliger als eine sofort begonnene Herz-Lungen-Wiederbelebung ohne AED. Ersthelfer sollten daher im Notfall unverzüglich mit der Wiederbelebung beginnen und einen Defibrillator nur dann einsetzen, wenn dieser schnell verfügbar ist. (Justin Klenner) +++ 