Denise Finke und Isabell Wiesner beim Aufklärungsgespräch für die anstehende Hausgeburt. - Foto: Bensing & Reith

FULDA Die neue Serie bei O|N (Teil 4)

Geburtsort sollte zu Umständen, Mutter und Schwangerschaft passen

04.08.22 - "Es ist einfach ein Bauchgefühl", sagt die schwangere Isabell Wiesner aus Brachttal über ihre Entscheidung, ihr Baby in den eigenen vier Wänden zu gebären. Ihre beiden Kinder Emil und Mailin brachte die 26-Jährige im Krankenhaus auf die Welt. Das dritte möchte sie außerklinisch gebären. Mit diesem Entschluss gehört Isabell in Deutschland zu den Ausnahmefällen. Nur etwa zwei Prozent aller Geburten finden außerhalb des Krankenhauses statt. Was Frauen und Paare bei solch einer Entscheidung beachten sollten, und wie eine Geburt daheim oder im Geburtshaus abläuft, erklärt Hebamme Denise Finke im vierten Teil unserer Serie, die jeden ersten Donnerstag im Monat erscheint.

Generell haben werdende Mütter die Wahl zwischen Geburtshäusern, in denen sie Kinder ambulant und mit Hilfe von Hebammen auf die Welt bringen, einer Geburt zu Hause oder einer im Krankenhaus. "Geburtsklinik ist aber nicht gleich Geburtsklinik", sagt Denise Finke. Schließlich sind die sogenannten Perinatalzentren nach Leveln gegliedert. Perinatalzentren mit dem Level 4 sind Krankenhäuser ohne Kinderklinik, und Perinatalzentren mit dem Level 1 Entbindungsstationen, die auf Frühchen und Risikoschwangerschaften spezialisiert sind. Interessant zu wissen: Das Klinikum in Fulda gehört zu den bundesweit besten Perinatalzentren mit dem Level 1.

Sollte die Schwangerschaft von Isabell Wiesner weiterhin unkompliziert verlaufen, dann möchte sie ihr drittes Kind daheim auf die Welt bringen, "weil ich mir eine Hausgeburt wunderschön vorstelle. Entweder ich erlebe sie jetzt oder nie." Denise Finke fördert diesen Gedanken: "Ich unterstütze positive und selbstbestimmte Geburten." Mehr als 20 Frauen hat sie seit April 2021 bei einer Hausgeburt begleitet. Grund für diese recht hohe Rate ist laut Finke unter anderem die Corona-Pandemie: "Erst durch die verschärften Geburtsregelungen während der Lockdowns haben viele Frauen die Möglichkeit erkannt, außerklinisch zu gebären. So konnten ihre Partner bei der Geburt dabei sein. Dies war im Krankenhaus ja nicht durchgängig möglich. Für gewisse Geburtsphasen waren die Frauen auf sich selbst gestellt."

Fotos: Bensing & Reith

Entscheiden sich Paare für eine außerklinische Geburt, müssen sie einiges beachten: "Im Vorhinein besuchen Hebammen die werdenden Eltern zu Hause, um sicher zu gehen, dass die eigenen vier Wände die Voraussetzungen für eine Hausgeburt erfüllen", sagt Denise Finke. Sollte die Schwangere beispielsweise im fünften Stock mit einem kleinen, engen Treppenhaus wohnen, rät Finke zu einer klinischen Geburt, "weil die werdenden Mütter in einem Notfall nicht schnell genug in einen Krankenwagen kommen."

Generell sind aber außerklinische Geburten nicht risikoreicher als Geburten im Krankenhaus: Laut Statistik der QUAG (Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe) kommt es bei nur einem Prozent aller Geburten zu Hause oder im Geburtshaus zu einem Notfall. Über diese sogenannte Weiterleitung von zu Hause in eine Klinik sowie über die Risiken einer Hausgeburt aufzuklären, gehört für jede Hebamme zu den vorbereitenden Maßnahmen. "Es kann immer etwas nicht so laufen wie geplant. Bei Geburtsstillstand, vorzeitigem Blasensprung ohne Wehentätigkeit sowie auffälligen Herztönen des noch Ungeborenen müssen die Frauen ins Krankenhaus verlegt werden. Das ist auch der Fall, wenn das Baby bereits auf der Welt ist, aber die Mütter starke Blutungen haben, die Plazenta sich nicht löst oder sich bei den Babys nach der Geburt eine Infektion entwickelt", sagt Denise Finke.

Seit dem 1. August gibt es in Osthessen ein neues Angebot der Geburtshilfe für Frauen: Denise Finke arbeitet in der Helios St. Elisabeth Klinik in Hünfeld als Begleit-Beleghebamme. "Das bedeutet, dass ich die werdenden Mütter die ganze Schwangerschaft über in meiner Praxis begleite und dann auch mit ins Krankenhaus komme, wenn sich das Baby auf den Weg macht." Diese Eins-zu-eins-Betreuung gibt Frauen viel Sicherheit. "Außerdem reduziert sie das Risiko auf einen Kaiserschnitt sowie das Verlangen nach Schmerzmitteln", sagt Denise Finke.

Bei Isabell Wiesner ist es im September soweit. Angst vor der Geburt hat sie nicht, sie freut sich auf das Erlebnis in ihren eigenen vier Wänden: "Wenn ich kann, dann werde ich ein paar Kerzen anzünden, mir Musik anmachen und mich dann auf die Geburt konzentrieren. Vielleicht werde ich auch einen Geburtspool nutzen, um mein Baby im Wasser zu gebären." Ganz egal, für welche

Variante Isabell sich entscheidet: "Ihre positive und ruhige Einstellung wird garantiert zu einer schönen Geburt führen", sagt Denise Finke. Schön seien Hausgeburten laut Finke sowieso immer: "Das Normalste und Natürlichste dieser Welt wird daheim zu einem ganz besonderen Erlebnis."

Hintergrund

Denise Finke ist 30 Jahre alt, wohnt in Fulda und betreibt seit dem Frühjahr 2021 die Hebammenpraxis "Hand aufs Herz" direkt am Buttermarkt in Fulda. Dafür kooperiert sie mit ihren Hebammenkolleginnen Deborah Lemstra, Karolin Beier und der Doula Diana Link. Nachdem Denise Finke eine Ausbildung zur zahnmedizinischen Fachangestellten absolvierte und merkte, dass sie nach einem verantwortungsbewussten Beruf strebt, besuchte sie die Hebammenschule in Ahlen. Nach abgeschlossenem Staatsexamen zog es sie erst nach Berlin und schließlich wieder zurück in ihre Heimat Fulda. Neben Vorsorgeuntersuchungen, Geburten im häuslichen oder klinischen Umfeld, Beratung und Wochenbettbetreuung gibt Denise Finke Geburtsvorbereitungs- sowie Rückbildungskurse und Schwangerenyoga. In dieser Kolumne wird sie jeden ersten Donnerstag im Monat über verschiedene Themen rund um die Schwangerschaft berichten. Über alle Leistungen kann man sich auf der Website www.handaufsherz-fulda.de oder auf ihren sozialen Kanälen @hebammedenise_finke informieren. (Paula Mainusch/Agentur Bensing & Reith) +++


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