Gebrannte Mandeln gehören dazu: Die Geschichte einer Lolls-Institution. - Fotos: Jürgen Böthig

BAD HERSFELD Mandelbrennerei Wynohradnyk

Lullusfest ohne gebrannte Mandeln? Des wär nix! - "Wenn es knallt, ist Lolls"

08.10.26 - Was gehört zum Lullusfest wie das "Fierche", die Kastanien und der Ruf "Enner, zwoon, dräi, Bruder Lolls"? Gebrannte Mandeln und natürlich auch Popcorn. Dieser Duft gehört zum Lullusfest. Man riecht ihn schon, bevor man den Stand sieht. Es duftet nach karamellisiertem Zucker, gerösteten Mandeln und ein bisschen nach Kindheit.

Mitten im Lolls-Trubel steht die Wiener Mandel-Brennerei der Geschwister Viola und Uwe Wynohradnyk. Unweit vom "Fierche", direkt gegenüber dem Lollszelt. Seit 40 Jahren führen die beiden das Geschäft gemeinsam. Ihre Geschichte mit Bad Hersfeld reicht aber noch viel weiter zurück.

Alles begann mit einer Zuckerspinne

Die Familiengeschichte begann Anfang der 1950er Jahre. Damals stand zunächst keine Mandelbrennerei im Mittelpunkt. Es war eine Zuckerwattemaschine. Eine sogenannte "Zuckerspinne". Uwes Vater hatte die Maschine seinerzeit aus Beständen der US-Streitkräfte erworben. Damit begann die Reise der Familie über die Volksfeste. "Wir waren damals mit Zuckerwatte unterwegs", erzählt Uwe Wynohradnyk. "Die Mandelbrennerei kam später dazu." Heute stehen die gebrannten Mandeln im Mittelpunkt.

Popcorn gehört genauso zum Lullusfest wie die Kastanien und der Ruf "Enner, zwoon, ...Fotos: Jürgen Böthig

Lolls war schon in der Kindheit etwas Besonderes

Für Uwe und seine Schwester Viola war das Lullusfest schon als Kinder ein Höhepunkt des Jahres. "Wir haben uns das ganze Jahr auf die Herbstferien gefreut", erzählt Uwe. "Dann ging es mit Vater nach Bad Hersfeld zum Lullusfest." Die Kinder waren mittendrin. Natürlich unter den Augen des Vaters. Für den kleinen Uwe gab es sogar ein eigenes Laufgitter. Direkt hinter der Brennerei. "Damit der kleine Uwe nicht weglaufen konnte", sagt er und lacht. Heute steht er selbst hinter der Brennerei. Von dem Laufgitter ist nichts mehr zu sehen. Die Erinnerungen sind geblieben.

Live am Mandelstand

Am Stand herrscht an diesem Tag bereits Betriebsamkeit. Es wird geschraubt. Es wird justiert. Es wird geräumt. Alles muss funktionieren, wenn am Montag das Lullusfest richtig losgeht. Uwe steht mitten im Geschehen. Zwischendurch wird probiert. Kontrolliert. Nachjustiert. Sein langjähriger Mitarbeiter Jens ist ebenfalls dabei. Die beiden kennen sich seit Schulzeiten. Jens ist mehr als nur Mitarbeiter. Er ist Uwes bester Freund. "Jens ist hinter den Kulissen für Aufbau, Technik und Logistik verantwortlich", erzählt Uwe.

Auf einem Volksfest muss jeder Handgriff sitzen. Die Technik muss funktionieren. Die Waren müssen rechtzeitig da sein. Die Brennerei muss laufen. Dann kommt der große Moment. Die Mandeln werden in der Pfanne landen. Es knackt. Es zischt. Zucker beginnt zu karamellisieren. Uwe erklärt: "Dann muss man aufpassen. Das geht schnell." Dann wird der Duft über den Festplatz ziehen. Genau dieser Moment ist Lolls.

Eine Freundschaft mit Bad Hersfeld

Uwe Wynohradnyk bezeichnet Bad Hersfeld inzwischen fast als ein zweites Zuhause. "Im Laufe der Jahrzehnte haben sich hier wirkliche Freundschaften entwickelt", erzählt er. Dazu gehört die Familie des ehemaligen Feuermeisters Hans-Jürgen Eichenauer. Auch zum Lullusfest-Verein gibt es eine enge Verbindung. Eine besondere Erinnerung verbindet Uwe mit Stefan Kopetschek. "Stefan hat mir als kleiner Junge beim Mandelbrennen immer wieder über die Schulter geschaut", erzählt Uwe.

Natürlich blieb das nicht ohne Folgen. "Am Ende fiel für ihn natürlich eine Tüte Mandeln ab." Uwe muss lachen. Man merkt ihm an, dass solche Erinnerungen geblieben sind. Es sind genau diese kleinen Geschichten, die aus einem Volksfest mehr machen als Fahrgeschäfte und Buden.

Die Schoko-Popcorn-Pioniere

Eine besondere Geschichte schreibt die Familie Wynohradnyk bereits in den 1950er Jahren. Uwes Vater verband zwei Dinge, die hervorragend zusammenpassten. Popcorn und Schokolade. "Unsere Familie war bei Schoko-Popcorn ein Pionier", erzählt Uwe stolz. Das Produkt kam beim Publikum an. "Die Hersfelder lieben unser Popcorn mit Schokoladengeschmack." Und nicht nur die. Die kleine Idee wurde zur Erfolgsgeschichte. Heute gehört Popcorn in verschiedenen Variationen selbstverständlich zum Sortiment.

Tradition braucht gute Qualität

Uwe Wynohradnyk spricht gerne über Tradition. Noch lieber spricht er über Qualität. Bei den Mandeln macht er keine Kompromisse. "Ich kaufe nicht die Katze im Sack", sagt er und grinst. Die Kontrolle beginnt bereits beim Einkauf. Noch in dieser Woche fährt Uwe nach Nürnberg. Dort will er sich persönlich von der Qualität der Mandeln überzeugen. "Ich möchte wissen, was ich einkaufe", sagt er.

Das ist bei einem Produkt wichtig, bei dem wenige Zutaten über den Geschmack entscheiden: Mandeln. Zucker. Hitze. Erfahrung. Mehr braucht es eigentlich nicht. Doch genau darin liegt die Kunst. Eine Familiengeschichte aus Österreich. Die Wiener Mandelbrennerei trägt ihren Namen nicht zufällig. Die Rezeptur und die Tradition haben eine Verbindung nach Österreich.

Uwes Vater lernte während seiner Ausbildung zum Lehrer in Wien eine Mandelbrennerei kennen. Dort sammelte er Erfahrungen. Diese Kenntnisse nahm er mit nach Hause. Daraus entwickelte sich die eigene Familientradition. Heute wird sie von Viola und Uwe weitergeführt. Seit Jahrzehnten. Von Volksfest zu Volksfest. Von Generation zu Generation. Mandeln, Nüsse und Magenbrot

Mandeln, Nüsse und Magenbrot

Am Stand gibt es natürlich längst mehr als klassische gebrannte Mandeln: Amaretto-Mandeln gehören dazu. Kokos-Mandeln ebenfalls. Auch Rum-Mandeln sind im Angebot. Dazu kommen verschiedene Nusssorten. Magenbrot darf ebenfalls nicht fehlen. Das Sortiment ist groß. Der Klassiker bleibt trotzdem die Tüte gebrannter Mandeln.

Eine besondere Überraschung für die Kastanienmeisterin

In diesem Jahr gibt es zudem eine besondere Spezialität. Das "Krümel-Kastanienmeister-Popcorn". Es ist vielleicht eine kleine Hommage an die amtierende Kastanienmeisterin Felicitas. Ob sie sich darüber freuen wird? Davon darf man ausgehen.

"Lolls-Wahnsinn"

Was macht Lolls für Uwe Wynohradnyk so besonders? Die Antwort kommt schnell. "Lolls ist ein ganz besonderes Fest." Dann zählt er auf: Die Aufmachung. Die Tradition. Die Innenstadt. Mittendrin. Die Menschen. "Es ist einzigartig in Deutschland." Vor allem aber seien es die Menschen, die Lolls ausmachen. "Das ist ein ganz besonderer Schlag Menschen", sagt Uwe. "Die Herschfeller leben ihre Lolls-Tradition und bewahren sie." Dann fasst er es mit zwei Worten zusammen: "Lolls-Wahnsinn."

Wenn es knallt, ist Lolls

Am Stand wird inzwischen weitergearbeitet. Jens prüft die Technik. Uwe schaut noch einmal nach dem Rechten. Alles muss bereit sein. Am Montag beginnt das große Fest. Dann wird die Brennerei wieder auf Hochtouren laufen. Es wird knallen. Es wird duften. Zucker wird karamellisieren. Kinder werden mit großen Augen vor dem Stand stehen. Erwachsene werden plötzlich wieder zu Kindern. Eine Tüte wird über den Tresen gereicht. Vielleicht wird irgendwo jemand sagen: "Früher hat das aber nur ein paar Groschen gekostet." Uwe wird das vermutlich kennen. Er hat schließlich fast sein ganzes Leben mit Lolls verbracht. Lolls ohne gebrannte Mandeln? "Des wär nix!" Denn wenn es knallt und duftet, dann ist Lolls. (Jürgen Böthig) +++

↓↓ alle 11 Artikel anzeigen ↓↓


Über Osthessen News

Kontakt
Impressum
Cookie-Einstellungen anpassen

Apps

Osthessen News IOS
Osthessen News Android
Osthessen Blitzer IOS
Osthessen Blitzer Android

Mediadaten

Werbung
IVW Daten


Service

Blitzer / Verkehrsmeldungen Stellenangebote
Gastro
Mittagstisch
Veranstaltungskalender
Wetter Vorhersage

Social Media

Facebook
Whatsapp
Instagram
TikTok

Nachrichten aus

Fulda
Hersfeld Rotenburg
Main Kinzig
Vogelsberg
Rhön