Der Tegut-Markt in der Fuldaer Straße öffnete zum letzten Mal seine Türen. Einer wollte diesen Moment ganz bewusst besonders gestalten: Christian Bornträger durfte der letzte Kunde sein. Sein Einkauf: eine Packung Merci. - Fotos: Franziska Bornträger

BAD SALZSCHLIRF Christian Bornträger war der letzte Kunde

"Merci, dass es dich gab" - Ein letzter Einkauf und viele Erinnerungen an Tegut

31.10.26 - Um 17:02 Uhr am Freitag endete in Bad Salzschlirf (im Landkreis Fulda) eine lange Einkaufstradition. Der Tegut-Markt in der Fuldaer Straße öffnete zum letzten Mal seine Türen. Einer wollte diesen Moment ganz bewusst besonders gestalten: Christian Bornträger durfte der letzte Kunde sein. Sein Einkauf: eine Packung Merci.

"Das wollte ich so. Als Zeichen meiner Wertschätzung gegenüber Tegut", erzählt Bornträger. "Ich bin mit der Marke Tegut aufgewachsen, die meiste Zeit sogar in unmittelbarer Nähe." Ganz korrekt sei das allerdings nicht, schmunzelt er. Schließlich habe es zwischenzeitlich auch einmal die Marke OKAY gegeben.

Doch der Reihe nach.

Um 17:02 Uhr am Freitag endete in Bad Salzschlirf (im Landkreis Fulda) eine lange Einkaufstradition. ...

Es war durchaus etwas Besonderes, dass Bad Salzschlirf eine der ersten Tegut-Filialen außerhalb Fuldas bekam. Der Markt befand sich damals im Erdgeschoss des späteren Hotels Schober. Filialleiterin war Frau Weismüller. Um das Jahr 1957 übernahm Siegfried Müller die Filiale von ihr. Er hatte zuvor bei der Drogerie Heurich gelernt und anschließend bei Schade und Füllgrabe gearbeitet. Seine Frau Traudel erinnert sich noch heute gerne an ihre Hochzeit im Jahr 1951 am Frauenberg. "Theo Gutberlet und seine Frau standen damals vor der Kirche. Sie schenkte mir einen Blumenstrauß Gladiolen, er eine Küchenuhr. Das war Wertschätzung."

Siegfried Müller sollte Tegut anschließend rund 40 Jahre lang treu bleiben. Insgesamt gab es im Kurort fünf verschiedene Standorte, vier davon begleitete er als Filialleiter. Auch Christian Bornträger verbindet mit Siegfried Müller viele Kindheitserinnerungen: "Als Kind war ich schon immer bei ihm in der Lindenstraße. Ich weiß noch genau: Zum Büro ging es drei Treppenstufen hinauf. Die Angebote schrieb er mit einem breiten Edding auf Papptafeln."

Später zog der Markt in einen Neubau in die Marienstraße – ganz in die Nähe von Bornträgers Elternhaus. Seine Mutter arbeitete dort nebenbei als Reinigungskraft, Siegfried Müller blieb der Chef. "Ein guter Chef, lieber Mensch und Freund der Familie", erinnert sich Bornträger.

Für Christian Bornträger war es wichtig, diesem Kapitel einen ganz persönlichen ...

Es war auch die Zeit, in der aus Tegut vorübergehend OKAY wurde. Und irgendwie war eben alles okay.

Eine besonders amüsante Geschichte ist ihm bis heute in Erinnerung geblieben: Seine kleine Nachbarin war eines Nachts schlafgewandelt. Ihre Eltern suchten sie und fanden das Mädchen schließlich am OKAY-Markt. "Die haben sie dann beim OKAY gefunden. Das war auch okay", erzählt Bornträger lachend.

Doch auch dieser Standort wurde irgendwann zu klein. Der Markt, der damals sogar über eine eigene Fleischerei im Haus verfügte, zog Ende der 1990er-Jahre in den Neubau an der Fuldaer Straße. "Was waren das für Erdarbeiten!", erinnert sich Bornträger an die damalige Bauphase.

Und auch mit dem heutigen Markt verbindet er eine ganz persönliche Geschichte. Lange habe er sich darüber geärgert, dass ausgerechnet in Bad Salzschlirf die große Tegut-Stele fehlte: jene mit der übergroßen Einkaufstüte und dem Baguette, das oben herausragte. "Die fand ich großartig!" Erst vor einigen Jahren, im Zuge der Sanierung des Marktes, bekam auch Bad Salzschlirf endlich eine solche Stele. "An der habe ich mich immer erfreut."

Es sind diese kleinen Geschichten, die zeigen, wie viel mehr ein Lebensmittelmarkt für einen Ort sein kann als ein Platz zum Einkaufen. Es sind Begegnungen, vertraute Gesichter, persönliche Erinnerungen und ein Stück Heimatgeschichte, das Generationen miteinander verbindet.

"Es war nicht immer alles gut, aber zu großen Teilen", sagt Bornträger mit einem Schmunzeln. Die positiven Erinnerungen würden bleiben.

Doch bei aller Wehmut über das Ende der Tegut-Ära gibt es auch Grund zur Freude. Mit EDEKA wird ein neuer Lebensmittelhändler den Standort übernehmen. "Wir sind sehr erfreut darüber, dass es mit EDEKA einen wertvollen Nachfolger geben wird. So kann ab kommenden Donnerstag ein neues Kapitel der Nahversorgung geschrieben werden. Das ist für uns nicht nur gut oder okay – das ist sehr gut!", freut sich Bornträger.

Der letzte Kassenbon wird einen besonderen Platz bekommen: Man wird ihn künftig im ...

Und so schließt sich an diesem Freitag ein Kapitel, das für viele Menschen in Bad Salzschlirf über Jahrzehnte zum Alltag gehörte. Für Christian Bornträger war es wichtig, diesem Kapitel einen ganz persönlichen Schlusspunkt zu setzen.

Mit einer Packung Merci.

Merci, dass es dich gab, Tegut!

PS: Der letzte Kassenbon wird einen besonderen Platz bekommen: Man wird ihn künftig im Heimatmuseum Bad Salzschlirf wiedersehen. (ms/pm) +++

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