- Foto: Miriam Rommel

REGIONSerie: Faszination Mythen und Sagen

Der schwarze Müller von Nentershausen und die zwölf Raben

HINTERGRUND:Mythen und Sagen haben bis heute nichts von ihrer Faszination verloren. Fast alle Völker der Erde haben ihre eigenen Geschichten, in denen sich die Struktur und die Werte der damaligen Zeit widerspiegeln. Naturgewalten oder Ereignisse, die für die Menschen aus früheren Zeiten unheimlich und unerklärbar waren, wurden so in eine nachvollziehbare Form gegossen und von Generation zu Generation mündlich weitergegeben. Das Wissen über diese Sagen verbleibt bis heute meistens in dem Ort, in dem sie entstanden. Gerade die dunklen Wintermonate eignen sich hervorragend, um sich ein wenig zu gruseln und in die Welt der regionalen Mythen einzutauchen. Mit einer neuen Serie möchte OSTHESSEN|NEWS die schönsten Sagen Osthessens vorstellen.

01.03.18 - Vor vielen Jahren gab es in der Nähe von Nentershausen eine einsame Mühle. Der Müller, so wird erzählt, hatte die Schwarzkunst erlernt und stand mit dem Teufel im Bunde. Seinen Müllerburschen sowie den Mägden verbot der dunkle Zauberer eindringlich, in seinen Geheimbüchern zu lesen, befürchtete er doch, als Schwarzkünstler entlarvt zu werden. Eines Tages war der Müller im Dorf zu einem Schlachtfest eingeladen, die Mädchen und Buben aber blieben zurück in der Mühle.

Als es Abend wurde, man hatte sich bereits die ein oder andere gruselige Geschichte erzählt, überfiel die jungen Leute die Lust, dem Verbot des Meisters zuwiderzuhandeln. Eine der älteren Mägde, die schon längst gerne ihre Neugier befriedigt hätte, kroch unter des Müllers Bett und holte von dort das dickste und älteste Buch hervor. In der mit Schweinsleder gebundenen Schrift, die außen kunstvoll und mit silbernen Beschlägen verziert war, begann sie zu lesen. Doch alles, was aus ihrem Mund kam, ergab keinen Sinn – es war das reinste Kauderwelsch. Ihren Zuhörern wurde es schnell langweilig, also wünschten sie, die Magd möge abbrechen.

Die Vorleserin war gewillt, dem Wunsch nachzugeben. Nur die letzten paar Worte des Absatzes wollte sie noch lesen. Gesagt, getan. Bedächtig und fast flüsternd beendete sie die unheilvolle Formel. Dann schloss sie das Werk.

Draußen, es war bereits dunkel geworden, nahm der Wind stetig zu. Mit einem krachenden Geräusch schwang das Fenster zur Mühle auf. Die Mägde und Burschen erschraken fürchterlich, als durch die offene Luke ein pechschwarzer Rabe geflogen kam. Die Vorleserin nahm das Buch wieder zur Hand und begann, von neuem darin zu lesen. Je länger sie dies tat, um so mehr Raben erschienen, bis zwölf Stück an der Zahl auf den Regalen der Kammer hockten.

Der Müller, der auf dem Schlachtfest wohl etwas von dem dunklen Treiben in seiner Mühle ahnte, erschien gerade noch rechtzeitig, um den Unglücksvögeln Einhalt zu gebieten und Unheil zu verhüten. Denn nur er wusste: Sollte die Raben zu Dreizehnt sein, drohte fürchterliches Ungemach. Schnell nahm er der Magd das geheime Buch aus der Hand. Der Müller las den gleichen Text wie die neugierige Vorleserin, nur diesmal rückwärts, bis sämtliche Raben verschwunden waren. (Miriam Rommel) +++

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