Sie sei mit dem Teufel im Bunde, urteilten die Dorfbewohner - Symbolbilder: Pixabay

REGION Serie: Faszination Mythen und Sagen

Cyria Mäurer: Die Geschichte der Werwölfin von Stadtlengsfeld

Mythen und Sagen haben bis heute nichts von ihrer Faszination verloren. Fast alle Völker der Erde haben ihre eigenen Geschichten, in denen sich die Struktur und die Werte der damaligen Zeit widerspiegeln. Naturgewalten oder Ereignisse, die für die Menschen aus früheren Zeiten unheimlich und unerklärbar waren, wurden so in eine nachvollziehbare Form gegossen und von Generation zu Generation mündlich weitergegeben. Das Wissen über diese Sagen verbleibt bis heute meistens in dem Ort, in dem sie entstanden. Gerade die dunklen Wintermonate eignen sich hervorragend, um sich ein wenig zu gruseln und in die Welt der regionalen Mythen einzutauchen. Mit dieser Serie möchte OSTHESSEN|NEWS die schönsten Sagen Osthessens vorstellen.

02.12.19 - Im finsteren Mittelalter, man schrieb das Jahr 1663, trug sich folgende Geschichte zu:

Der Hunger hatte in Stadtlengsfeld schon viele Seelen geholt, man fürchtete sich vor Krankheiten und dem Tod. Die Tage waren schwer und besonders im Winter hatten die Menschen Sorge, überhaupt den nächsten Frühling zu erleben. Jeder, der noch Vieh besaß, hütete es sorgsam, schließlich gab es genügend Hungrige, die- ergab sich die Gelegenheit- ein Schaf oder eine Ziege einfach von der Weide holten.

Einen Diebstahl konnte man sich zwar erklären, nicht aber das grässliche Heulen, was in Vollmondnächten aus den Wäldern zu hören war. Und egal wie sorgsam die Viehhüter auch auf ihre Tiere achtgaben – hörte man des Nachts das markerschütternde Geräusch, fehlte am nächsten Tag ganz sicher eines der Schafe. Zurück blieben blutverschmierte Spuren im Gras, manchmal konnte man noch den ein oder anderen Knochen finden.

Die Menschen von Stadtlengsfeld lebten in Angst, hatten sie doch bereits genug Sorgen. Die Kinder durften in der Dämmerung nicht mehr aus den Häusern, Vorhänge wurden zugezogen, Türen verriegelt, sobald das letzte Licht des Tages schwand. Die Tiere sperrte man in die Ställe, zu groß war die Furcht, auch nur noch eines zu verlieren.

Eines Nachts, ein Schafhirte hatte sich gerade zwischen seinen Tieren zur Ruhe begeben, hörte er ein Knarzen und Kratzen. Erschrocken fuhr er hoch, nahm all seinen Mut zusammen und begab sich zu einer losen Wandsprosse. Vorsichtig lugte er nach draußen. „Wer ist dort?“ fragte er mit zittriger Stimme. Aber eine Antwort erhielt er nicht. „Sag schon, du Teufel!“ wurde er lauter, die Angst saß ihm tief im Nacken. „Sonst ziehe ich dir das Fell über die Ohren!“ Plötzlich, ein Knurren, lauter als alles, was er jemals hörte. Der Viehhirte wich zurück.

Noch ein lautes Heulen, dann hörte er nichts mehr. Schnell riss er die Tür auf und sah, wie ein riesiger Wolf das Dorf verließ, mit Zähnen, so lang wie Messer und Krallen, wie die eines Bären. Als er laut nach Luft schnappte, stoppte das Ungetüm. Auf zwei Beinen aufgestellt, drehte es sich noch einmal um, sah dem Bauern tief in die Augen. Und in dem Moment wurde ihm bewusst, dass er das Wesen kannte. Am nächsten Morgen eilte er sich und erstattete Anzeige. Die Nachbarin, so war er sich sicher, hatte die Augen des Ungeheuers.

So kam es, dass im Jahr 1663 die alleinstehende Cyria Mäurer verhaftet und von der Obrigkeit bis zu einem Geständnis gefoltert wurde. Sie sei mit dem Teufel einen Handel eingegangen, sagte sie aus. Er habe ihr eine Salbe gegeben, mit deren Hilfe sie sich in einen Wolf verwandeln könne. Noch in der selben Woche wurde sie als Werwölfin von Stadtlengsfeld auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Aber auch danach hatten die Dorfbewohner keine Ruhe, das andauernde nächtliche Heulen bei Vollmond sowie die gestohlenen Schafe machten Cyria Mäurer in den Köpfen der Menschen unsterblich: Noch heute soll die arme Frau, die tatsächlich gelebt hat, in den Wäldern als Werwölfin ihr Unwesen treiben.

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