Eindrücke zur Coronakrise aus Thailand und Indien. - Screenshot: Johns Hopkins University / Collage: Carina Jirsch

WELTWEIT Über die Grenzen von Osthessen hinaus (6)

Indiens Premier: "Unser Land könnte um 21 Jahre zurückgeworfen werden!"

07.04.20 - Nicht nur in Osthessen herrscht Ausnahmezustand. Weltweit steigt die Anzahl an Infizierten in Bezug auf das Coronavirus rasant weiter. Der Reiseverkehr ist auf ein Minimum reduziert, Ausgangssperren sind in vielen Ländern verhängt. Das öffentliche Leben kommt zum Erliegen. Was uns jedoch in dieser schweren Zeit verbindet: Wir sitzen alle im selben Boot und möchten wieder Normalität erlangen. Das Team von OSTHESSEN|NEWS hat seine persönlichen Kontakte, unter anderem Indien und Thailand, nach subjektiven Eindrücken gefragt.

Rahul lebt an der indischen Westküste in Mumbai. Der 28-Jährige ist Software-Entwickler und für die indische Tochtergesellschaft eines osthessischen Unternehmens tätig.

Rahul lebt in Mumbai. Fotos (4): privat

O|N: Wie sieht die aktuelle Situation in Indien aus? Gibt es irgendwelche Einschränkungen im Alltag, um das Virus einzudämmen?

"Der große Schachzug unserer Regierung ist, dass sie in einem sehr frühen Stadium, in dem es nur mehr als 150 Fälle gab, die Ausgangssperre erklärt hat. Ich schätze, heute sind es ungefähr 1.500 Fälle (Stand: 5. April) und es werden immer noch Tests für verwandte Personen von Infizierten durchgeführt. Die Ausgangssperre begann am 21. März und dauert bis zum 14. April.

Mumbai wirkt wie ausgestorben.

Das "Gateway of India" ist normalerweise ...

Auch hier gähnende Leere.

Bei uns sind die Lebensmittelgeschäfte morgens geöffnet. Die Polizei sorgt dafür, dass die Läden nicht zu voll werden und die Leute der Warteschlange folgen. Züge werden angehalten. Es fahren nur Busse - und das nur für Regierungsbeamte. Die Polizei ergreift strenge Maßnahmen für die Menschen, die die Ausgangssperre nicht ernst nehmen und die Regeln nicht befolgen. Ärzte und Krankenschwestern arbeiten rund um die Uhr. Menschen, die ihre Arbeit noch von zu Hause aus erledigen können, sind von den Einschränkungen nicht sonderlich betroffen. Aber es hat definitiv für viele Arbeitende schwere Folgen, die vom täglichen Einkommen abhängig sind und zum Beispiel auf dem Feld arbeiten. Viele unterstützen diejenigen, die auf der Straße leben. Sie spenden Lebensmittel und Essen. Das ist eine große Geste, die Zusammenhalt und Menschlichkeit zeigt."

O|N: Was bereitet dir Sorgen?

"Da Indien ein bevölkerungsreiches Land ist, wird die Situation außer Kontrolle geraten, wenn es sogar fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung betrifft. Als unser Premierminister, Narendra Modi, die Einschränkungen erklärte, lautete seine Aussage: "Wenn wir die 21 Tage nicht ernst nehmen, wird das Land um 21 Jahre zurückgeworfen!" Das zeigt uns, wie kritisch die Situation ist. Jeder muss also sicherstellen, dass er zu Hause bleibt und nur eine Person sollte für Lebensmittel und andere benötigte Dinge das Haus verlassen."

O|N: Wie empfindest du die ganze Pandemie-Situation?

"Die Situation ist definitiv anders. Jeden Morgen sieht man normalerweise hektische Leute, die ihr Büro pünktlich erreichen möchten. Ich lebe in Mumbai und es ist eine der belebtesten Städte in Indien. Züge sind überfüllt. Aber jetzt sind die Straßen leer, alle Geschäfte sind geschlossen. Man sieht sehr wenige Menschen und die tragen Mundschutzmasken. Die Menschen haben Angst, andere zu berühren. Wenn jemand niest oder Husten hat, dann gerät die Person sofort in Panik. Es ist eine Ausnahmesituation, die man noch nie gesehen hatte. Wir müssen die Daumen drücken und hoffen, dass bald alles unter Kontrolle ist."

O|N: Denkst du, dass das Gesundheitssystem das Ganze durchstehen wird?

"Schwer zu sagen. Wir können sogar in Ländern, wie den USA und Italien, sehen, die eines der guten Gesundheitssysteme haben, dass dort die Situation ebenfalls außer Kontrolle geraten ist."

Panat wohnt in Bangkok. Fotos: privat

Panat lebt in Bangkok, der Hauptstadt Thailands. Die 26-Jährige absolvierte ein Austauschjahr in Fulda vor einigen Jahren. Aktuell arbeitet sie in der thailändischen Metropole in der Gesundheits- und Fitnessbranche als "Studios Partnership Lead".

O|N: Wie sieht die aktuelle Situation in deiner Stadt aus? Gibt es irgendwelche Maßnahmen, um das Virus zu stoppen? Wie fühlst du dich damit und wie verbringst du den Tag?

"Wir haben kürzlich den Ausnahmezustand angekündigt. Das heißt, alle Bars und Restaurants sind geschlossen, fast alle Geschäfte sowie alle riskanten Orte, wie Fitnessstudios, Salons, Spa, sind zu. Restaurants dürfen nur liefern. Einkaufszentren sind geschlossen, nur die Supermarktteile bleiben geöffnet. Es wird empfohlen, zu Hause zu bleiben - daher versuche ich, mir einen gesünderen Lebensstil anzueignen. Ich nehme mir Zeit, um zu trainieren, mir etwas zu kochen oder mit Freunden in einem Park zu trainieren (wir halten auch zwei Meter Abstand).

8 Uhr morgens in der Bahn. ...

Viele Menschen benutzen Schutzmasken.

Insgesamt denke ich, dass diese Maßnahmen nötig sind, um das Virus zu stoppen. Es ist für mich wie ein Neustart in allem! Ich finde es jedoch sehr erschütternd, wie jede Branche von den Folgen der Krise betroffen ist. Das hat auch mich persönlich beeinflusst, da ich für die Gesundheits- und Fitnessbranche arbeite. Aber es ist, was es ist. Wir haben gesehen, dass China und Südkorea fast zwei Monate lang unter dem kompletten Lockdown lebten und sie haben alles dafür getan, um wieder halbwegs zur Normalität zu gelangen. COVID-19 ist es egal, wer man ist. Daher denke ich, dass es für uns alle eine sehr wichtige Zeit ist, zusammenzuarbeiten und unser Bestes zu geben, die Situation zu bewältigen."

O|N: Arbeitest du momentan im Home-Office?

"Ja. Um ehrlich zu sein, habe ich seit einem Jahr zu 50 Prozent von zu Hause aus gearbeitet, da wir nur vier Mitarbeiter in meiner Firma in Thailand sind. Das Ganze hat also keinen großen Einfluss auf meine Arbeitsweise. Das Aufstehen am Morgen ist der schwierigste Teil, aber ein kleiner Trick besteht darin, den Alltag wie gewohnt zu behandeln. Das heißt, zu duschen, neue Kleidung zu tragen und zu Hause ein angenehmes Arbeitsumfeld einzurichten."

O|N: Der Kampf gegen das Coronavirus verbindet uns weltweit. Hast du eine Botschaft an die Menschen?

"Wir hängen da alle zusammen mit drin, Leute. Gebt euer Bestes, um die Verbreitung des Virus zu stoppen, indem ihr zu Hause bleibt. Stellt sicher, dass ihr regelmäßig eure Hände wascht und euch nicht ständig ins Gesicht fasst! Seht die positive Seite der Geschichte und nutzt die Einschränkungen sinnvoll in den eigenen vier Wänden: Miste den Kleiderschrank aus oder räume den Keller auf, koche etwas, dass du schon immer wolltest, trainiere oder bewege dich zumindest zu Hause mehr. Du kannst auch eine neue Sprache lernen und dich mit Freunden online treffen – oder, wie in meinem Fall, habe ich gerade gelernt, wie man Tarotkarten liest! Nimm dir Zeit, um dich selbst zu finden und erfahre mehr über diese Welt. Und gebe auf dich Acht!"

O|N: Wie lange, denkst du, wird es dauern, bis sich wieder alles normalisiert? Wird sich die Welt danach verändern?

"Ich schätze, es wird mindestens sechs Monate dauern, bis alles vollständig normal ist. Auch in Hinblick auf die Wirtschaft wird es einige Zeit in Anspruch nehmen, sich von den Folgen zu erholen. Ich denke definitiv, die Welt wird ein ganz anderer Ort sein. Die Menschen werden sich mehr umeinander kümmern - und wie wir in dieser Krise gesehen haben, können wir auf die Freundlichkeit und Güte vieler Mitmenschen zählen. Das gibt mir Hoffnung in die Menschheit und ich glaube, dass wir alle gelernt haben und wissen, wenn in Zukunft wieder so etwas passiert, wie man es zusammen angeht." (Maria Franco) +++


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