Was macht eigentlich... Dr. Wolgang Dippel? - Archivbild: Christian P. Stadtfeld

FULDA Was macht eigentlich... (4)

Dr. Wolfgang Dippel, Fuldas einstiger Bürgermeister?

Was macht eigentlich …? In unserer neuen Serie treffen wir uns mit Persönlichkeiten aus Osthessen, die wir von einem ganz bestimmten Ort kennen, an dem sie nun aber nicht mehr zu finden sind. Was wurde aus ihnen? Wir fragen nach!

31.03.20 - Eigentlich hätte Dr. Wolfgang Dippel das Gespräch mit OSTHESSEN NEWS lieber persönlich geführt. So, wie er es schon seit jeher liebt, den Menschen gegenüberzutreten, ihnen in die Augen zu schauen. Doch dann kam die Corona-Krise dazwischen. Und statt an einem sonnigen Platz in der Barockstadt oder bei ihm zu Hause in der Nonnengasse muss das Gespräch mit dem ehemaligen Bürgermeister und Ex-Sozial-Staatssekretär am Telefon stattfinden.

Wir erreichen den 65-Jährigen an einem Mittwochvormittag. Dippel hat die Uhrzeit bestimmt. "Halb 11, damit ich vorher mit allem fertig werde." Auch im Ruhestand sind Dippels Tage voll. Als er aufzählt, was er gerade alles tut, muss er selbst staunen. "Langweilig wird mir nie", sagt er und lacht. Kein Wunder: Dippel steht einem seiner Söhne in dessen Firma beratend zur Seite, hat einen Lehrauftrag an der Hochschule Fulda inne, baut sein Elternhaus in seiner alten Heimat zu einem Wochenendhäuschen um und ist im Vorstand der Reservistenkameradschaft – und das sind nur einige der Dinge, mit denen der 65-Jährige seine Tage füllt.

Nebenbei ist er noch großer Fußball-Fan, begleitet als Beiratsmitglied die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz, überlegt, bald ein Buch zu schreiben, geht laufen und spielt Tennis. "Jeder neue Tag ist ein geschenkter Tag", findet Dippel, der viele Jahre lang im Vorsitz des Hospizvereins Fulda war, den er sogar mit gegründet hat. "Ich würde jedem, der in den Ruhestand geht, raten, sich vorher Gedanken um die Freizeit zu machen und wie er sie verbringen wird." Manche Dinge kann man jedoch nicht so einfach planen. Aber: "Sie passieren zum richtigen Zeitpunkt", sagt Dippel und meint damit den Unfall seiner 95-jährigen Mutter, bei dem sie sich den Oberschenkelhals gebrochen hat – gerade dann, als Dippel seine Arbeit in der Politik hat ruhen lassen. Für ihn war es keine Frage, sie zu sich ins Haus zu holen und für sie da zu sein. "Das ist eine große, aber sehr schöne Aufgabe. Ich kann ihr auf diese Weise viel davon zurückgeben, was sie früher mir und meinem Bruder gegeben hat."

Dippel ist in einem Dorf in der Nähe von Kassel groß geworden, trug rote lange Haare, wie er heute erzählt, spielte viel Fußball, besuchte die Hauptschule und machte eine Ausbildung zum Kaufmann, bevor er später Sozialwesen, politische Wissenschaften und Erziehungswissenschaften studierte. 1994 promovierte der einstige Hauptschüler. Doch der Dr.-Titel würde ihm später noch eine Menge Ärger machen. Dippel wurde Plagiat vorgeworfen. Zu Unrecht, wie sich letztendlich herausstellte. Dennoch war die Zeit wichtig für Dippel: "Ich habe gemerkt, wie viele Menschen mir in den schweren Momenten den Rücken gestärkt haben." Nicht nur deswegen haben die Fuldaer einen Platz in seinem Herzen: "Als ich 2004 in die Barockstadt kam, hab ich mich sofort wohlgefühlt." Und das, so sagt er mit einem Grinsen, obwohl er evangelisch erzogen sei. "Ich habe diesbezüglich im katholischen Fulda nichts Negatives erlebt. Eher im Gegenteil", sagt Dippel, der gern auf seine zehn Jahre als Bürgermeister von Fulda zurückschaut. "Es war eine tolle Zeit. Auch die Jahre als Staatssekretär in Wiesbaden." Aber irgendwann hat jede tolle Zeit ein Ende.

Im vergangenen Jahr beschloss Dippel, den Weg freizumachen für jüngere Menschen. "Zudem ist 65 ein Alter, in dem man noch selbst etwas mit seinem Leben machen kann." In Dippels Fall bedeutet das zwar nicht unbedingt mehr Freizeit. Dafür aber die Möglichkeit, die Dinge so zu planen, wie er es selbst haben möchte. "Und das genieße ich. Und ich nehme mir oft Zeit für einen Kaffee in der Stadt." Wenn Dippel bei seinen Streifzügen durch Fulda auf Menschen trifft, die ihn aus seiner Zeit als Politiker kennen, passiere es nicht selten, dass sie ihn anlächeln und den Daumen in die Höhe recken. "Mir war es immer besonders wichtig, nah an den Menschen zu sein. Mein Grundsatz war in der ganzen Zeit: zuhören, ernst nehmen und keine leeren Versprechen machen."

Anders machen würde er auch heute nichts, sagt er, nachdem er kurz nachgedacht hat. "Natürlich passieren einem Fehler. Aber im Großen und Ganzen habe ich meine Arbeit gut gemacht." Das merke er vor allem daran, wie die Leute ihm heute begegnen würden. "Möller, Zuschke und ich, wir waren ein gutes Team", findet Dippel. Stolz sei er vor allem auf das, was er für arbeitende Eltern ins Rollen gebracht habe: Mehr Nachmittagsbetreuung und Betriebskindergärten zum Beispiel." Und: „Wir haben in der Zeit finanzpolitisch eine Menge gespart." Und das kommt der Stadt und ihren Bürgern gerade in Zeiten wie diesen zu Gute. (Suria Reiche) +++

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