SERIE Abgestaubt - Teil 8

Haben Sie sich angesichts dieser Überschrift verwundert die Augen gerieben? Wir haben ganz bewusst die Jahreszahl dieses Ereignisses in der Überschrift ver- schwiegen, weil so Gegenwart und Vergangenheit einen augenfälligen Kontrast bilden.

Unter der Überschrift "Abgestaubt" veröffentlichen wir der Allgemeinheit bislang nicht zugängliche Dokumente, die - zum Teil kurios, zum Teil brisant - Geschichte lebendig werden lassen. Abgestaubt, für uns "übersetzt" und in lesbare Form gebracht, hat das Archivmaterial der Leiter des Fuldaer Stadtarchivs, Dr. Thomas Heiler. 

Erstes Telefonbuch für Fulda erschienen:
17 Anschlüsse

Fulda, 1. Mai 1895: Fuldas erstes „Verzeichnis der Theilnehmer an der Stadt-Fernsprecheinrichtung“ ist im Druck erschienen. Das Heft enthält alle 17 Fernsprechteilnehmer sowie Hinweise zur Bedienung der Fernsprechgeräte.

Erläuterung: Im Juli 1894 beantragte die Stadt Fulda bei der Kaiserlichen Oberpostdirektion in Kassel die Errichtung einer Fernsprecheinrichtung. Da die Postdirektion den Antrag von einer möglichst großen Zahl von Teilnehmern abhängig machte, begab sich die Stadt auf die Suche nach möglichen Interessenten. Bis zur Mitte des Jahres wurden schließlich 17 Personen bzw. Firmen gefunden, welche die enormen Anschlusskosten von 150 Mark bezahlen konnten. Um die Oberpostdirektion trotz der geringen Zahl der Interessenten zu einer Investition in das Fernsprechnetz zu bewegen, sagte die Stadt ihre Hilfe bei der Verlegung der oberirdischen Leitungen zu. Insbesondere wollte man sich bemühen, jene Hausbesitzer, welche eine Anbringung der Leitungsgestänge an ihrem Besitz nicht dulden wollten, zum Einlenken zu bewegen.

Die ersten Anschlüsse waren:
  Stadt Fulda (Telefonnummer 1);
Wachswarenfabrik Berta (2);
Nehrkornsche Buchhandlung (3);
Hotel „Zum Kurfürst“ (4);
Johannes Geisler (5);
Hotel Wolff (6);
Baumeister Karl Wegener (7);
Königliche Güterabfertigungsstelle (8);
Fuldaer Aktiendruckerei (9);
Emaillirwerke Bellinger (10);
Weinhandlung und Bank
Joseph Schmitt (11);
Fabrikant Richard Schmitt (12);
Kohlenhandlung Knittel (13);
Spedition Josef Feuerstein (14);
Gaswerk (15);
Maschinenfabrik Hartmann (16);
Filzfabrik (17)

Da das Telefonieren anfangs nur innerhalb dieser Anschlüsse möglich war, stagnierte zunächst die Zahl der Teilnehmer. Erst mit der Anbindung Fuldas an die Fernsprechleitung Eisenach-Fulda-Frankfurt zum 1. April 1900 und der Reduzierung der Installationskosten auf 80 Mark stieg die Zahl der Telefonbesitzer. Der Gesprächsverkehr wurde in Fulda durch die Vermittlungsanstalt im Postgebäude Unterm Heilig Kreuz gesteuert. Telefoniert werden konnte von sieben Uhr (im Sommer) bzw. acht Uhr (im Winter) bis neun Uhr abends. Der Preis eines Telefonats betrug innerörtlich ohne Zeitbegrenzung fünf Pfennig. Nach dem Anschluss an das überörtliche Leitungsnetz waren die Gebühren nach der Entfernung gestaffelt. Ein Gespräch im Bereich von 25 Kilometern kostete 20 Pfennig. Zum Vergleich: Das durchschnittliche monatliche Familieneinkommen lag in dieser Zeit bei etwa 150 Mark. +++




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