Der Wolf "GW1166f" ist im Vogelsberg wieder sesshaft geworden. - Symbolbild: Pixabay

REGION VB Aus dem Landratsamt (9)

Sommerinterview mit Landrat Manfred Görig (1): Wolfsmanagement ist "sinnfrei"

"AUS DEM LANDRATSAMTIm monatlichen Wechsel sprechen wir mit Landrat Manfred Görig und Erstem Kreisbeigeordneten Dr. Jens Mischak über aktuelle Geschehnisse und die Nachrichtenlage im Vogelsbergkreis. In Interviews, Videobeiträge oder Kolumnen werden sich Görig und Mischak einmal im Monat auf OSTHESSEN|NEWS zu aktuellen Themen äußern.

23.07.21 - Seit etwa zwei Jahren ist der Wolf zurück im Vogelsberg: Im Sommer 2019 wurde von offizieller Stelle bestätigt, dass in der Region eine Wölfin herumstreift - mittlerweile ist sie sesshaft geworden. Vor allem in den Kommunen Feldatal und Ulrichstein wurde das Tier immer wieder gesichtet. Im kleinen Ortsteil Unter-Seibertenrod spazierte die Wölfin sogar in einige Gärten der Bewohner, riss dort ein Reh. Doch in den letzten Wochen ist es stiller um das brisante Thema geworden.

Wir treffen Landrat Manfred Görig zu unserem Sommerinterview an einem seiner liebsten Plätze im Vogelsbergkreis: einer Jagdhütte am Mehlbacher Teich, zwischen Romrod/Zell und Ehringshausen. In diesem Wald ist der leidenschaftliche Jäger regelmäßig unterwegs, schätzt die Geselligkeit am sonntäglichen Stammtisch in der Jagdhütte, die Ruhe und die Natur.  

"GW1166f" im Vogelsberg unterwegs

Landrat Manfred Görig an seinem Lieblingsplatz im Vogelsberg - dem Mehlbacher Teich. ...

Als er an einem Tag im Winter 2020 mit seinem Auto auf den Weg zur Hütte war, machte auch er Bekanntschaft mit der Wölfin mit offiziellem Namen "GW1166f". "Sie war hinter einem Reh her. Erst dachte ich: Was war das denn jetzt? Aber dann war ich mir sicher - das ist die Wölfin", erzählt er im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS. Doch in letzter Zeit ist es ruhig um das weibliche Raubtier geworden. Das liegt aber auch daran, dass GW1166f in einem großen Gebiet herumstreift. "Man sieht sie selten - aber wenn man sie sieht, ist man erstaunt", erzählt Landrat Görig aus eigener Erfahrung. 

Er weiß - auch wenn die Wölfin nun schon länger nicht gesichtet wurde - dass das Thema im Vogelsberg gerade den betroffenen Anwohnern und Landwirten Kopfzerbrechen bereitet. Deshalb hat er bereits in der Vergangenheit mit den Bürgern Gespräche geführt. "Landwirte und Weidetierhalter sind in großer Sorge, was da auf sie zukommt." Hilft da der Wolfsmanagementplan, der im Frühjahr dieses Jahres von Umweltministerin Priska Hinz vorgestellt wurde? 

Wolfsmanagementplan: "Sinnfrei"

Landrat Manfred Görig hat dazu eine klare Meinung: "Der Wolfsmanagementplan ist sinnfrei", sagt er. Denn die Schutzmaßnahmen, wie die Förderung von höheren Zäunen oder stärkere Elektrifizierung, sei ein so erheblicher Aufwand, den viele gar nicht leisten könnten. Und: Die Zahl der Wölfe in Hessen wird steigen, so werden auch die Übergriffe auf Nutzvieh erheblich zunehmen. Grund genug für Görig, für pragmatischen Lösungen zu plädieren: "Diese Lösung kann kein Managementplan sein, der lediglich besagt, wir untersuchen das Ganze. Hier werden sogar noch Stellen dafür geschaffen - wenn wir das bei jedem Tier machen, hat das Land viel zu tun."

Für ihn wäre eine praktikable Möglichkeit, sich eines Wolfes dann anzunehmen, wenn er auffällig wird. Dabei stellt er deutlich klar: "Es geht hier nicht darum, den Wolf zu eliminieren, sondern dann einzugreifen, wenn es nötig ist. Aber mit dem Landesplan bekommen wir das nicht hin", ist er sich sicher und weist darauf hin, dass es in den östlichen Bundesländern in Sachen Wolf schon ganz anders aussieht. "Dort sind Wolfsrudel mit zehn, zwölf Wölfen unterwegs. Das kommt wohl auch auf uns zu. Mensch und Tier reagieren dort aber anders."

Fronten sind verhärtet

Deswegen plädiert Görig schon jetzt für schnellere und unbürokratische Maßnahmen: "Wenn man merkt, der Wolfsbestand nimmt zu - und das ist vor allem bei uns im ländlichen Raum mit viel Fläche und Wald der Fall - ist ein schnelleres und vor allem örtliches Handeln erforderlich." Doch die Fronten sind bei diesem Thema verhärtet. Während sich Tier- und Umweltfreunde über die Rückkehr des Raubtieres freuen, sieht es bei den betroffenen Anwohnern, Land- und Weidetierhalter ganz anders aus. Doch Landrat Görig ist sich sicher: "Mit Bürokratie kann man dieses Problem nicht lösen." (Luisa Diegel)

Am Sonntag folgt der zweite Teil des Sommerinterviews mit Landrat Manfred Görig. +++

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