11.04.26 - Der Fall Hanau lässt die Menschen nicht los - auch Jahre nach der schrecklichen Tat. Nun rückt erneut eine Person in den Fokus, die lange für zusätzliche Spannungen sorgte: der Vater des Attentäters. Sein Tod sorgt für neue Aufmerksamkeit - und reißt alte Wunden wieder auf. Denn sein Verhalten nach dem Anschlag hatte viele Betroffene tief belastet. Die Stadt Hanau versucht weiterhin, mit den Folgen eines der dunkelsten Kapitel ihrer Geschichte umzugehen.
Am 19. Februar 2020 erschütterte ein rechtsterroristischer Anschlag die Stadt Hanau. Ein 43-jähriger Deutscher erschoss an zwei Tatorten im Stadtteil Kesselstadt neun Menschen mit Migrationsgeschichte. Zu den Opfern zählen Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili-Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov. Anschließend tötete der Täter seine Mutter und sich selbst.

Am 19. Februar 2020 wurden in Hanau neun Menschen aus rassistischen Motiven ermordet. ...
Die Tat löste bundesweit Entsetzen aus und führte zu intensiven Debatten über Rassismus, gesellschaftlichen Zusammenhalt und Erinnerungskultur. Bis heute sind die Folgen für Angehörige und Überlebende spürbar.
Vater des Täters verstorben
"Wie jetzt bekannt wurde, ist vor Kurzem der Vater des Täters gestorben", sagte Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD). Der Mann war in den vergangenen Jahren immer wieder mit Behörden und der Justiz in Konflikt geraten. Unter anderem wurde er wegen Volksverhetzung, versuchter Nötigung, Beleidigung sowie Verstößen gegen das Gewaltschutzgesetz verurteilt. Auch falsche Verdächtigungen spielten eine Rolle. Die verhängte Geldstrafe belief sich auf 21.600 Euro.
Belastung für Angehörige und Stadt
Besonders schwer wog für viele Betroffene das Verhalten des Vaters nach der Tat. Er hatte unter anderem wiederholt gegen ein Annäherungsverbot verstoßen, das ihn davon abhalten sollte, sich dem Haus einer betroffenen Familie zu nähern. Diese Familie hatte bei dem Anschlag ihren Sohn verloren.

Der Vater des Attentäters sorgte nach der Tat immer wieder für Empörung. ...
Auch öffentliche Angriffe sorgten für Empörung: So beleidigte er in Schreiben den Oberbürgermeister und diffamierte Polizeikräfte als "Terroreinheit". Selbst vor Gericht zeigte er sich uneinsichtig und erschien zu einem Termin nicht, nachdem er zuvor angekündigt hatte, die "Einladung zur angesetzten Show" nicht anzunehmen.
Die Stadt macht deutlich, wie sehr dieses Verhalten die Aufarbeitung erschwerte. "Der 19. Februar 2020 ist der dunkelste Tag in Friedenszeiten für unsere Stadt, in erster Linie für die Familien der Opfer und deren Freunde. Wir werden diesen Tag niemals vergessen. Das Datum steht als Mahnung, dass wir gemeinsam gegen jede Form von Rassismus, Hass, Hetze und Gewalt zusammenstehen", sagt Kaminsky.

Hanaus OB Claus Kaminsky. Archivfoto: O|N / Moritz Pappert
Erinnerung bleibt zentrale Aufgabe
Auch Jahre nach der Tat sind die Auswirkungen spürbar. Viele Angehörige und Überlebende kämpfen weiterhin mit den psychischen Folgen. Die Ereignisse haben das Leben zahlreicher Menschen nachhaltig verändert.
Die Stadt Hanau sieht sich deshalb weiterhin in der Verantwortung. "Unser Auftrag bleibt es, Erinnerung wachzuhalten, Solidarität zu zeigen und alles in unserer Macht Stehende zu tun, damit sich eine solche Tat niemals wiederholt", so Oberbürgermeister Claus Kaminsky abschließend. (Constantin von Butler) +++
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