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Doro Teichert ist für ihre Currywurst hoch oben über dem Vogelsbergkreis bekannt. - Fotos: Gerd Ochs

SCHOTTEN Berufe. Berufungen. Menschen. (20)

Doro Teichert zaubert "die Currywurst mit der schönsten Aussicht"

10.07.23 - Ihr seid doch verrückt!", sagten die Kollegen von Dorothea und Joachim einst bei der Brandkasse in Frankfurt. Es half nichts, beide kündigten ihre sicheren Jobs, um sich selbstständig zu machen. Für ein Wagnis mit völlig unklarer Perspektive, dazu noch mit erheblichem Investitionsbedarf. Sie kauften vor mehr als 20 Jahren den Kiosk auf dem Hoherodskopf, weil sie sich als Gäste gleich beim ersten Besuch in ihn verliebt hatten: Sein Name "Zur schönen Aussicht" ist eine grandiose Untertreibung.

Mit Langmut und großer Leidenschaft wurde aus dem Wagnis eine Erfolgsgeschichte, aus der Brandkassen-Sachbearbeiterin wurde die Institution "Würstchen-Doro". OSTHESSEN|NEWS hat eine der "höchsten und vermutlich auch besten Currywürste Hessens" getestet und sich auf die Suche nach den Zutaten von Doros Erfolgsgeschichte gemacht.

Nomen est Omen: „Zur schönen Aussicht“

Die kioskeigenen Sonnenliegen garantieren den Panoramablick de Luxe

Dorothea Teichert, die von allen nur Doro genannt wird, kam vor 33 Jahren aus Polen nach Deutschland. Sie und ihr Mann Joachim ("Jo") waren beide in Frankfurt bei der ehemaligen Brandkasse beschäftigt. Eine Motorrad-Tagestour führte die beiden passionierten Biker vor mehr als 20 Jahren auf den Hoherodskopf. "Wir haben uns sofort in die "alte Hütte" am Breungeshainer Hand verliebt", blickt Doro zurück. Was ein wenig despektierlich klingt, ist absolut liebevoll gemeint: der Kiosk ist nach dem Berggasthof das älteste gemauerte Hoherodskopf-Gebäude. Die damalige Betreiberin, eine 70 Jahre alte Dame, wollte altersbedingt schließen.

Beim Eisholen weckte ein Schild die Aufmerksamkeit von Doro und Jo: "Zu verkaufen". Doro kann sich gut erinnern: "Nach einer Woche stand die Entscheidung, wir kauften den Kiosk und verwirklichten uns einen Traum!" Beide kündigten ihre Jobs, das Abenteuer begann mit der Aufrüstung der Immobilie, in der es bis dahin noch nicht mal fließendes Wasser gab. Nach sechs arbeitsreichen Monaten dann der Start Ende November: "Da ist keine Saison, es war ein sehr durchwachsener Beginn, zunächst fehlte dann auch der Schnee. Die beiden ersten Jahre waren insgesamt schwierig, bis sich das neue Angebot endlich herumgesprochen hatte und die Mund-zu-Mund-Propaganda griff. Von da an ging es bergauf und wir haben nach und nach den Kiosk und unser Angebot erweitert."

Jo betrieb bereits vor der Kündigung nebenbei einen kleinen Kiosk im Heimatort Allendorf-Lumda – dies war das Ergebnis einer Wette bei einer Party. Und siehe da, der Kiosk lief richtig gut, weil sich die Qualität durchsetzte und die Leute für eine gute Currywurst mit Pommes auch ein Stück gefahren sind, wie Doro berichtet. "Das hat uns beflügelt und wir sind dem Prinzip treu geblieben – die Kunden wissen Qualität und Regionalität zu schätzen, wir haben eine große Zahl an Stammkunden. Viele Motorrad- und Radfahrer kommen aus einem wirklich großen Einzugsgebiet teilweise seit 20 Jahren immer wieder, von vielen kennt man die persönlichen Geschichten, es sind viele Freundschaften entstanden."

Die Renner: Currywurst mit Vulkan-Pommes

Ein Gericht ist quasi ein Muss für Doros Gäste: Currybratwurst oder Rindscurrywurst mit den famosen Pommes. Doro plaudert aus dem Nähkästchen: "Die Currysauce wird nach unserem eigenen Rezept selbst gemischt. Das stammt noch aus Jo's erstem Kiosk und wurde von uns durch die Rückmeldungen der Kunden über Jahre weiterentwickelt und optimiert. Die Sauce auf der Basis von qualitativ hochwertigem Ketchup wird immer warm über die Wurst gegeben!" Der O|N – Test führte zu einer klaren Verzehrempfehlung sowohl für die leckere Currywurst (stammt vom Metzger aus Bermutshain) als auch für die tollen Pommes. Wichtig ist Doro auch das moderate Preisniveau: "Wir mussten zwar die Preise der Speisen wegen der deutlich gestiegenen Einkaufspreise etwas anheben, haben die Getränke aber unverändert gelassen! Wir wollen gerade auch für Familien mit Kindern ein erschwingliches Angebot vorhalten." Kleiner O|N-Tipp für den Nachtisch: eine Nussecke mit einer schönen Tasse Kaffee.

Veränderungen am Hoherodskopf führen zu Höhen – aber auch zu Tiefen

Am Hoherodskopf hat sich über die Jahre einiges verändert, sagt Doro. "Der Kletterwald und die Minigolfanlage ziehen Touristen an, die im Vergleich zu früher vermehrt im Inland Urlaub machen. Die vielen Wander- und Mountainbike-Strecken sowie Sommerrodelbahn sind im Sommer sehr beliebt, im Winter kommen die Skifahrer. Diese Entwicklungen kamen und kommen uns zugute." Doro wird nachdenklich und zögert. "Neben diesen positiven Entwicklungen muss ich aber auch etwas Kritisches sagen. Vor etwa fünf Jahren wurde von der Stadt Schotten hier oben die Parkplatzgebühr eingeführt - dies führte zu einem massiven Umsatzeinbruch. Eine leichte Beruhigung ergab sich nach Einführung der Jahres-Parkvignetten.

Doro und ihr Mann Jo Teichert 

Doro Teichert bei der Arbeit

Den zweiten Umsatzeinbruch brachte dann die Erweiterung der Parkgebühr für Motorräder." Typisch Doro ist die Idee, daraus das Beste zu machen: "Als ganz speziellen Service erhalten unsere Gäste zur 20 Euro-Jahresparkvignette von uns eine Kaffee-Bonus-Karte im Wert von ebenfalls 20 Euro gratis – also zehn große Tassen Kaffee. Damit ist die Parkvignette für die Gäste also praktisch bereits refinanziert – das kommt bei Vielen super an!"

Während des O|N-Gespräches rufen immer wieder Kunden herüber "Ciao Doro, bis zum nächsten Mal!". Doro ist sehr angenehm kommunikativ, ohne dabei aufdringlich zu sein. Die freundschaftlich-familiäre, persönliche Ansprache – sicher für viele ein weiterer Grund, hier einen Boxen-Stopp einzulegen.

Mit der Qualität der Waren und Doros sympathischer Art sind sicher zwei wesentliche Gründe der Beliebtheit ihrer Location genannt. Der dritte liegt eigentlich sehr nah, und dennoch ist er in seiner Dimension nur unzureichend mit Worten zu beschreiben: die namensgebende "Schöne Aussicht" an der Nordwestecke des Hoherodskopfplateaus ist schon ein Hammer (wenn nicht gerade ausnahmsweise Nebelsuppe herrscht). Doro schwärmt auch nach mehr als zwanzig Jahren: "Dieser Ort ist irgendwie zu jeder Jahres- und Tageszeit magisch, immer wieder wechseln die Lichtverhältnisse, alle Jahreszeiten sind reizvoll. Man blickt von unserer Sonnenterrasse links nach Süden bis zur Hochhaus-Skyline ins Rhein-Maingebiet, nach Westen zum Taunus und dann halbrechts nach Nordhessen."

Fotos: Gerd Ochs

Sie verrät auch ihre ganz persönlichen Highlights: "Wenn im Tal der Nebel liegt und man von oben schauen und die Sonne genießen kann - das ist wirklich großartig. Meine Nummer eins ist aber die einzigartige Sundowner-Stimmung, wenn im Westen über dem Taunus die Sonne untergeht. Viele Besucher kommen eigens hierfür zu uns und genießen hier als unsere Kunden diese Momente zusammen mit uns. Die Sonnenliegen sind dann besonders begehrt!". Ihr Gesicht und ihre Stimme lassen keinen Zweifel aufkommen – Doro genießt diese Momente mindestens genauso wie die Gäste.

Eigentlich sollte die Frage das Gespräch beenden, ob Doro und Jo die Entscheidung irgendwann mal bereut haben, als "Verrückte" ihren Job in Frankfurt zu kündigen und die "Schöne Aussicht" zu übernehmen. Diese Frage hatte sich im Laufe des Gespräches aus Sicht des Fragestellers eindeutig erledigt. (goa)+++

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