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Stefan Quehl aus Lingelbach - Fotos: Gerd Ochs

ALSFELD Berufe, Berufungen, Menschen (14)

Stefan Quehl, der Macher von Lingelcreek: Cowboy und "Bürgermeister"

29.05.23 - Seit mehr als zwanzig Jahren huldigt man im Alsfelder Stadtteil Lingelbach dem Wilden Westen. Aus einer anfänglichen Tanzgruppe des Landfrauenvereins wurde im Lauf der Jahre ein separater Verein, der Schritt für Schritt eine beeindruckende Westernstadt errichtete und diese immer wieder mit Leben erfüllt.

Vor wenigen Tagen war sie nun sogar Schauplatz der Dreharbeiten eines Westerns und in Kürze wird wieder das jährliche Countryfest mit Hunderten von Wildwest-Freunden stattfinden.

OSTHESSEN|NEWS hat mit Stefan Quehl, dem Macher von "Lingelcreek" gesprochen.

"Westernstyle – das war schon immer meine Sache", blickt der 60-jährige Quehl weit zurück. Beruflich ist er seit über 20 Jahren beim Verpackungshersteller Sealed Air in Alsfeld in der Lagerlogistik beschäftigt. "Als der Lingelbacher Landfrauenverein einst einen Linedance-Workshop anbot, da war ich mit meiner Frau sofort dabei und auch gleich angefixt." Irgendwann war man sich einig: "Das müsste man doch mal präsentieren!" Die Vorführungen kamen gut an und so entstand, noch unter dem Dach der Landfrauen und -männer in 2001, die Planung eines Westernfestes in der alten Schule. Es gab Holzkulissen, ein kleines Zelt, und einen Countrymusiker. Wir wurden von den Gästen förmlich überrannt. Es müssen etwa 400 an dem Premierenwochenende gewesen sein", erinnert sich der Western-Fan.

Zwei Jahre später wurde auch das zweite Fest ein Riesenerfolg.

Doch Quehl berichtet auch vom Katzenjammer: so musste wieder alles abgebaut und in einer Scheune gelagert werden. Wirtschaftlich wurde hier ein Grundsteig gelegt "Vom Gewinn kauften wir eine Musikanlage und erste Kulissen und beteiligten uns mit Tänzen und einem Stand beim Alsfelder Stadtfest." Folgerichtig entstand der Traum, eine eigene Anlage zu errichten, die ständig erhalten bleiben kann. Der zündende Plan: eine Containerlösung sollte das bauliche Grundgerüst bilden.

In 2004 erfolgte die Vereinsgründung von Mainstreet 99, schnell hatte man um die 100 Mitglieder. "Nun half uns der Zufall, denn in Alsfeld musste ein Container-Behelfskindergarten abgebaut werden. Den konnten wir mittels Eigenabtransport kostenlos erhalten und lagerten ihn zunächst ein, der Grundstein war gelegt. Dann wurden umfassende Planungen erstellt." Der nächste Rückschlag ließ nicht lange auf sich warten. Durch einen Brand in der Lagerscheune wurde die Tonanlage, alle Kulissen und Requisiten zerstört, die Container blieben aber unversehrt. "Wir standen am Scheideweg: Hopp oder Topp. Zum Glück ging es weiter, auch dank einer kleinen Anschubunterstützung der Stadt Alsfeld. Bei dieser muss ich mich ganz allgemein für die vielfältige Unterstützung bedanken." Die Container konnten im Frühjahr 2005 aufgestellt werden.

"Das war praktisch ein Baujahr von 35 Männern und ebenso vielen Frauen, die kochten und uns unterstützen. Das war ein Schuss Goldgräberstimmung wie früher im Wilden Westen, nur dass wir nicht die Heimat verlassen hatten. In 2006 feierten wir unser erstes, langersehntes Countryfest in "Lingelcreek" – der Dorfname entstand bei einer Feier. Welch ein Fest in unserer eigenen Stadt, und zwar ohne Eintritt – das gehörte von Anfang an zu unserer Philosophie. Western und Country bedeutet Freiheit - wenn es den Menschen gefällt, geben sie auch gerne Geld aus. Und noch ein positives einschneidendes Erlebnis gab es in 2006: bei einer Radio-Challenge in HR4 war es unsere Aufgabe, den Bau einer Western-Kirche zu realisieren. 50 Leute wuchsen innerhalb von 48 Stunden über sich hinaus und schafften den Bau, das wird man nie vergessen." Übrigens: Hier sind auch rechtsgültige standesamtliche Trauungen der Stadt Alsfeld möglich.

Quehls Schilderung passt zu seiner Art: er ist zu Recht stolz auf das, was in Form von Lingelcreek geschaffen wurde, er betont aber immer wieder: "Es geht nur als Gemeinschaftswerk mit einem so tollen Team, und genau das macht mich glücklich." Ein beidseitig bebauter Straßenzug mit Saloon, Steak- und Dancehouse, einem Hotel, einer Bank, dem Sheriffs-Office samt Kittchen, einem Barbershop und sogar einer Schürfstation vermitteln wahrlich den Eindruck, man sei im Wilden Westen angekommen. Das Verrückte: niemand ahnt, dass es sich bei den Gebäuden eigentlich um Containerbauwerke handelt, selbst wenn man sich darin befindet.

Ein wenig Sorge wird im Gespräch mit Quehl mit Blick in die Zukunft allerdings auch spürbar: "Mal sehen, ob es auch zukünftig genug Leute geben wird, die diese Westernstadt weiterhin mit Leben erfüllen.

Foto vom Set des Filmdrehs

Bau von Fort Rattlesnake

"Beim Coutryfest wurde dann auch ein Zelt aufgestellt, weil es von mal zu mal mehr Leute wurden. Das bisher letzte bauliche Highlight war in 2015 der Bau des rustikalen und authentischen Fort Rattlesnake, das locker 450 Leuten Platz bietet. So etwa beim Truck Stop-Konzert im vergangenen Jahr. Denen hat es so gut gefallen, dass wir sie in diesem Jahr am 22.9. wieder im Fort zu Gast haben werden", merkt man Quehl bereits die Vorfreude an.

Bei den Großveranstaltungen wird immer wieder deutlich, welche überregionale Anziehungskraft Lingelcreek längst ausübt. "Wir wurden anfangs noch im Dorf belächelt, aber das ist schon lange nicht mehr der Fall. Das Einzugsgebiet erstreckt sich längst über den Vogelsberg und Hessen hinaus auf das ganze Bundesgebiet, und sogar aus Luxemburg kommen regelmäßig Besucher. Hervorheben in der Vereinsgeschichte möchte Quehl das Lingelbacher Ehepaar Klaus und Brigitte Seifert: "Sie kannten sich bereits beim Westerntanz aus, der Funke sprang von ihnen gleich auf etliche andere über. Klaus war auch der Visionär und Ideengeber für die Containerlösung bei den Gebäuden. Als wir den ersten dann verkleidet und hergerichtet hatten, war uns sofort klar: das ist es! Klaus und Brigitte sind leider beide bereits verstorben, aber wir werden sie nie vergessen."

Dreharbeiten für einen Kurz-Western

Dass sich ein professionelles Filmteam um Produzent Joe Gales jüngst für Lingelcreek als Schauplatz und Drehort entschieden hatte, freute Quehl besonders: "Das ist ein außergewöhnliches Zeichen von Anerkennung dessen, was wir hier geleistet haben! Ich habe auch mal selbst bei den Dreharbeiten reingeschaut - das war sehr beeindruckend, dem Profi-Team über die Schultern zu schauen und unsere Stadt "noch echter" zu erleben!" Die Lingelcreek-Gemeinde mit ihrem "Bürgermeister" Stefan Quehl fiebert schon jetzt der Aufführung des Westerns entgegen. Joe Gales hatte gegenüber O|N erklärt, dass es eine eigene Aufführung in Fort Rattlesnake geben werde. 

Der Vereinsgründungsvorsitzende hat jedoch noch einen weiteren Grund zur Vorfreude auf das Jahr 2024: zum 20-jährigen Vereinsbestehen wird es garantiert aus tausenden Kehlen tönen: Yeehaw! (goa) +++

 

Veranstaltungshinweise:

9. bis 10. Juni.: 18. Countryfest

28. Juli: Live-Konzert "More Than Words" mit Stefanie Hertel und Johanna Mross

22. September: Live-Konzert "Truck Stop"

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