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Die Covid-19-Intensivstation in Bayern, Sachsen und Thüringen sind voll: hier die Covid-19-Intensivstation des Klinikum „Rechts der Isar“ in München. - Foto: picture alliance/dpa | Peter Kneffel

REGION Gast-Kolumne von Dr. med. Thomas Menzel

Corona und kein Ende: Sollen doch die anderen zu Hause bleiben…

ZUR PERSON DR. THOMAS MENZELPriv.-Doz. Dr. med. Thomas P. Menzel (59) ist Facharzt für Innere Medizin mit den Schwerpunkten Gastroenterologie und Hämatologie/ internistische Onkologie sowie Zusatzqualifikationen als ärztlicher Qualitätsmanager und Diplom-Gesundheitsökonom. Seit Mai 2011 ist er Sprecher des Vorstands der Klinikum Fulda gAG.

29.11.21 - In Bayern, Sachsen und Thüringen sind die Intensivstationen voll. Nichts geht mehr. Kein Platz mehr für weitere COVID-Patienten, kein Platz für Herzinfarkte und Opfer von Verkehrsunfällen. Stattdessen aufwendige Verlegungen von schwerkranken, beatmeten Intensiv-Patienten quer durch Deutschland. Auch im Klinikum Fulda haben wir Patienten aus Niederbayern übernommen, obwohl auch bei uns die Zahl der COVID-Patienten aus unserer Region stetig ansteigt. Zur gleichen Zeit eröffnen überall die Weihnachtsmärkte. Wie passt das zusammen? Darauf lässt sich keine logische Antwort finden. Auch wenn uns allen der Sinn nach einer Vorweihnachtszeit steht, wie wir sie vor der Pandemie hatten. Wunschdenken hat die Realität noch nie überzeugt.

Worum es jetzt geht

Unser Gast-Kolumnist Priv.-Doz. Dr. med. Thomas Menzel

Dass die Krankenhäuser in Deutschland leistungsfähig sind, haben wir in der Pandemie bewiesen. Wenn es allerdings zu viele COVID-Patienten gleichzeitig in zu kurzer Zeit gibt, dann werden es die Krankenhäuser nicht mehr schaffen, alle, die ein Intensivbett benötigen, parallel zu versorgen. Es geht - wie eigentlich schon seit Beginn der Pandemie – letztlich darum, die Anzahl der Erkrankten, die einen Platz auf den Intensivstationen benötigen, so gut wie möglich über die Zeit hinweg zu verteilen. Denn: zu viele Kranke in zu kurzer Zeit führen in die Katastrophe!
 
Wenn die Zahl der Neuinfektionen wie in den vergangenen Tagen täglich über 50.000 liegt, dann werden 10 bis 20 Tage später bis zu 500 COVID-Patientinnen und -Patienten einen Platz auf einer Intensivstation benötigen. Tag für Tag! Immer einige hundert neue COVID-Fälle auf den Intensivstationen. Dort müssen diese schwerkranken Menschen dann zwischen zwei bis fünf Wochen behandelt werden. Etwa die Hälfte von ihnen wird es nicht schaffen und an COVID sterben, jeden Tag.

Mit einfachen Berechnungen lässt sich leicht feststellen, wie lange es dauern wird, bis selbst in einem Land wie dem unseren, nicht mehr alle Patientinnen und Patienten, die ein Intensivbett brauchen, auch eines bekommen können. Weder die COVID-Patientinnen und Patienten, noch alle anderen, die nach Herzinfarkt, Schlaganfall oder Verkehrsunfall eines benötigen. Für so viele Intensivpatienten reicht der Platz nicht aus, mal ganz abgesehen davon, dass die Ärztinnen und Ärzte und die Pflege nach bald zwei Jahren Pandemie erschöpft sind. In Deutschland sind nach offiziellen Angaben derzeit etwa 20.000 Intensivbetten belegt, und die aktuell verfügbare Reserve beträgt 2.000.
 
Um es klar zu sagen: Es geht nicht um Freiheitsentzug, Corona-Diktatur oder Zwangsimpfungen, wie manche immer noch meinen. Es geht um Solidarität und Mitgefühl und Respekt. Wenn es darauf ankommt – so wie jetzt - sind wir auf uns selbst angewiesen und dürfen und können uns nicht auf diejenigen verlassen, die das sonst für uns regeln.

Wir sind alle verantwortlich

Die Hygienemaßnahmen müssen eingehalten werden. Foto: Adobe Stock/Kzenon

Was können wir also tun, jede und jeder von uns, individuell und verantwortungsbewusst? Nein, mit der Einstellung, dass doch die anderen zuhause bleiben sollen, kommen wir nicht weiter. Eine jede und ein jeder von uns muss die Kontakte reduzieren, ja auch Sie, die Sie jetzt diese Zeile lesen! Sie müssen die Hygienemaßnahmen einhalten, die wir alle seit zwei Jahren eingeübt haben: Tragen Sie Ihre Maske in Innenräumen, vermeiden Sie große Menschenansammlungen und waschen Sie sich häufig die Hände. Alles nicht neu, oder? Aber anscheinend haben das zu viele Menschen irgendwie verdrängt. Sonst stünden wir jetzt nicht dort, wo wir stehen.
 

Dr. Menzel appelliert: "Lassen Sie sich impfen!"

Und ja, lassen Sie sich impfen! Diese Botschaft zumindest scheint jetzt auch bei vielen angekommen zu sein, die noch zögerlich waren. Im Klinikum steigt die Nachfrage nicht nur nach Booster-Impfungen, sondern auch nach Erst- und Zweitimpfungen. Tag für Tag. Deshalb werden wir bald neue Termine freischalten. Das ist gut, denn jede Impfung hilft: den Geimpften und uns allen. Diejenigen, die schon im Frühjahr geimpft worden sind:  denken bitte daran: Spätestens sechs Monate nach der vollständigen Impfung brauchen Sie eine Auffrischung, vor allem wenn sie älter als 60 Jahre sind. Und auch die Genesenen sollten sich spätestens nach Ablauf von sechs Monaten impfen lassen. Die Nebenwirkung der Auffrischungsimpfungen sind übrigens nicht - wie häufig berichtet wird  - heftiger als die nach der zweiten Impfung. Und Moderna ist genauso gut wie Biontech, vielleicht sogar ein wenig besser, wenn es um das Boostern geht. Die Impfung wird auch gegen Omikron schützen, die neue Variante, die in diesen Tagen dank der schnellen und transparenten Reaktion der Behörden in Südafrika bekannt geworden ist. Vielleicht nicht so gut wie gegen die bekannten Varianten, aber ein Schutz vor schwerer Erkrankung ist sehr wahrscheinlich.

Kommen Sie gesund durch diese Zeit und leisten Sie bitte Ihren ganz persönlichen Beitrag dazu, dass es gelingt! (Thomas P. Menzel) +++

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