Michael Konow und Dr. Christian Gebhardt (auf dem Dach der IHK Fulda) - Fotos: Marius Auth

FULDA Teil 3

200 Jahre Landkreis Fulda: Industrie 1.0 bis Industrie 4.0

22.05.22 - Der Landkreis Fulda feiert in diesem Jahr sein 200-jähriges Bestehen. In einer Artikelreihe beleuchtet OSTHESSEN|NEWS Geschichte, Politik, Wirtschaft und Tourismus des Kreises. Heute: die wirtschaftliche Entwicklung von der Industrialisierung bis zur Industrie 4.0.

Filzfabrik Fulda in den 1950er-Jahren Fotos: Stadtarchiv Fulda

Die Industrialisierung begann auch im Landkreis Fulda, als Handarbeit immer mehr durch Maschinen ersetzt wurde. Erste Industriebetriebe der Region waren etwa die Rhön-Leinen Industrie Alfred Nüdling in Hilders-Batten (1811) und die späteren Eika Wachswerke in Fulda (1824). 1828 entstand in Hünfeld die Papierfabrik, 1843 die Weinbrennerei und Likörfabrik Aha. Die zwischenstaatlichen Handelsbedingungen wurden wesentlich erleichtert, als Kurhessen 1831 dem Zollverein von Preußen und Hessen-Darmstadt beitrat.

Anfänge der Industrialisierung

Da in industrialisierten Betrieben weniger Arbeitskräfte beschäftigt wurden als im vergleichsweise beschäftigungsintensiven Handwerk, gab es auch in der Region Fulda ab Mitte des 19. Jahrhunderts eine ausgeprägte "Landgängerei": Lohnarbeit wurde in der Ferne gesucht, zuerst in westfälischen Industriegebieten oder in Frankfurt. Die aufkommende Industrie beschränkte sich zuerst vor allem auf die Stadt Fulda, neben Textil- und Holzverarbeitung waren Wachswaren- und Metallbetriebe die Pioniere. Die Anbindung ans Schienennetz erfolgte erst Ende des 19. Jahrhunderts, was die industrielle Entwicklung der Region verzögerte: Waren mussten mit Pferdegespannen nach Frankfurt, Hanau oder Bebra gebracht werden, wo sie dann mit der Bahn weiterbefördert werden konnten.

Haarpflege made in Hünfeld: Wella-Niederlassung im Jahr 1955

Eines der ältesten Einzelhandelsunternehmen Fuldas: die Firma Franz Köhler in ...

Der Industriepark Rhön in Eichenzell entstand wie andere Gewerbeansiedlungen in ...

Dr. Christian Gebhardt, Präsident der IHK Fulda

"Die gute Verkehrsanbindung war unerlässlich für die wirtschaftliche Entwicklung des Landkreises Fulda. Historisch gesehen war das vor allem die alte Handelsstraße Frankfurt - Leipzig, später kamen das Schienennetz, die Autobahnen A7 und A66 sowie die B27 dazu. Größere Gewerbeansiedlungen wie der Industriepark Rhön und der Industriepark Fulda-West wären ohne diese Verkehrsadern nicht möglich gewesen", erklärt Dr. Christian Gebhardt, Präsident der IHK Fulda.

Vom Einzelhandelsgeschäft zur Kette: Die Firma Tegut hat in den Nachkriegsjahren ...

Verwaltungsgebäude der Gummiwerke Fulda (in den 1960er-Jahren)

Die Rhönautobahn A7 bei Michelsrombach nach ihrer Fertigstellung

"Der Landkreis Fulda zeichnet sich heute durch eine ausgeprägte Branchenvielfalt und inhabergeführte Unternehmen aus. Es sind keine aktiennotierten Gesellschaften, sondern Unternehmer, die in der Region verwurzelt sind und auch an ihrer Weiterentwicklung interessiert sind. Das Problem ist eher die Nachfolgeregelung: Traditionsreiche Familienunternehmen geben auf, weil der Nachwuchs nicht in die etablierten Fußstapfen treten will", so Gebhardt. Die Industrie- und Handelskammer Fulda wurde 1946 gegründet, bereits 1920 hatte die IHK Frankfurt eine Repräsentanz in der Domstadt eröffnet.

Vom Zonenrandgebiet in die Mitte Deutschlands

Michael Konow, Hauptgeschäftsführer der IHK Fulda

Im Jahr 1990 rückte Osthessen plötzlich von der unbedeutenden Zonenrandlage in die Mitte Deutschlands in die Mitte Europas. "Etliche heimische Unternehmen, ob Büchel Fahrzeugteile, JUMO oder Wagner Fahrzeugteile, haben in Thüringen ihren Anfang genommen und ihre Arbeitskräfte von dort geholt. Nach der Wende sind einige, etwa Büchel, dort auch wieder vertreten", erklärt Michael Konow, Hauptgeschäftsführer der IHK Fulda. Das Besondere an der ländlichen Region: "Hier sind erstaunlich viele Nischen-Marktführer vertreten, vor allem im Maschinenbau sowie in der Metall- und Elektroindustrie. Die hohe Innovationskraft kommt dadurch zustande, dass in kleinen und mittelgroßen Familienunternehmen mehr für Forschung und Entwicklung ausgegeben wird als im Bundesdurchschnitt. Das langfristige Problem ist der Fachkräftemangel - der gebunden ist an die allgemeine Attraktivität des Standorts", so Konow.

"Ganzheitliche Standortattraktivität nötig"

Blick auf Fulda, im Hintergrund Frauenberg und Aschenberg

"In der Industrie 4.0 treten physische Lieferketten in den Hintergrund zugunsten von schnellen und hochverfügbaren Informationsnetzwerken. Für die flächendeckende Glasfaserversorgung ist der Landkreis in die Offensive gegangen - aber auf dem Land fehlt es an einigen Standorten noch. Einer der großen Standortvorteile, vergleichsweise niedrige Lebenshaltungskosten, kann deshalb nicht richtig ausgespielt werden, da Wissensarbeiter, die von überall arbeiten können, dringend auf Glasfaser angewiesen sind." Das momentan positive Bevölkerungswachstum im Landkreis Fulda werde um 2030 herum kippen - weiteres Wachstum gebe es dann nur über Zuzug.

"Wir haben im Landkreis Fulda die niedrigste Gründungsintensität in ganz Hessen. Trotz attraktiver Hochschule gelingt es noch nicht, genügend Fachkräfte an die Region zu binden. Die Ausbildungsberufe müssen zudem gegenüber dem Studium aufgewertet werden: Wir müssen Studienzweifler im Landkreis binden und in die Ausbildung führen. In der Hinsicht stehen wir in starker Konkurrenz zu anderen Regionen. Davon abgesehen fehlt Fulda die Internationalität, die gerade für Fachkräfte aus dem Ausland wichtig ist: Im Rhein-Main-Gebiet finden sich große Expat-Communities und internationale Schulen. Wer etwa bei Milupa im Industriepark Fulda-West als Manager anfängt, dessen Kinder müssen hier auf die deutsche Schule. Die Freiherr-vom-Stein-Schule ist Europaschule und im Bildungsunternehmen Dr. Jordan findet der Unterricht zweisprachig statt, aber in Sachen Internationalität gibt es noch viel aufzuholen", so Konow. (mau) +++

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