Er ist keine gewöhnliche Größe im Fußball. Einst war er Bundesliga-Profi bei Borussia Mönchengladbach, kickte für Borussia Fulda oder Kickers Offenbach, für zig Vereine in Deutschland und der osthessischen Region: Thomas Winter. - Fotos: Yannik Overberg

FULDA O|N-SPORTGESPRÄCH (39)

Thomas Winter: In diese Region gehört ein höherklassiger Verein

18.01.23 - Er ist keine gewöhnliche Größe im Fußball. Einst war er Bundesliga-Profi bei Borussia Mönchengladbach, kickte für Borussia Fulda oder Kickers Offenbach, für zig Vereine in Deutschland und der osthessischen Region - und aus der nach ihm benannten Fußballschule wurden die nach ihm benannten Fußballcamps für den Nachwuchs. Beim 55-jährigen Thomas Winter dreht sich alles um den Fußball. Das ließ er, der nach fünf Jahren einen Schnitt unter sein Engagement als Spielertrainer des A-Ligisten SV Großentaft zog, im OSTHESSEN|NEWS-Sportgespräch spüren. 


Im
O|N-Sportgespräch lassen wir immer Menschen aus verschiedenen Sportarten der Region zu Wort kommen. Wir erzählen die Geschichte hinter der Geschichte. Heute folgt Teil 39 der Serie.


O|N: Wie fühlt es sich an, ab Sommer nicht mehr Trainer des SV Großentaft zu sein?

Sportgespräch in der OSTHESSEN|NEWS-Redaktion

Winter: Im Fußball ist das eine normale Geschichte, dass man den Verein wechselt. Es waren fünf schöne und erfolgreiche Jahre. Das tut schon ein bisschen weh. Aber das gehört zum Leben und zum Trainerjob dazu.

Noch sind Sie bis zum Sommer im Amt. Blicken wir schon mal zurück: Wie war die Zeit, wie hat sie sich angefühlt?

Winter: Es war eine Super-Zeit. Bei Kreisligisten ist es immer die Frage, wie ziehen die Spieler mit? Wie entwickeln sie sich weiter? Die meisten Spieler waren Anfang 20, als ich kam. Es hat Spaß gemacht in den letzten fünf Jahren. Und der Erfolg kam dazu. Ende des ersten Jahres haben wir auf Anhieb an der Aufstiegs-Relegation zur Kreisoberliga teilgenommen. Dann kamen zwei Corona-Jahre. Wir haben uns gefreut, als es wieder losging.

Was hat der Mensch Thomas Winter erlebt in dieser Zeit?

Winter: Am Anfang musste ich mich auf neue Leute einlassen. Um flexibel zu sein und zu motivieren. Das ist immer eine Herausforderung. Ich musste mich immer wieder ein bisschen neu erfinden und nicht immer mit der gleichen Truppe antreten. Sonst wird es langweilig für die Jungs. Nicht immer den gleichen Ablauf wählen, mal andere Sachen machen, sich etwas Neues einfallen lassen. Jeder Trainer hat sein Repertoire, das man abruft.

Was haben Sie gelernt? Was nehmen Sie mit?

Winter: Gelernt? Nichts dermaßen Neues. Ich bin ja schon 40 Jahre dabei im Fußball-Geschäft. Man nimmt immer irgendwo Kleinigkeiten mit. Bekanntschaften. Auch Freundschaften. So ein bisschen entwickelt man sich immer weiter.

Angenommen, jemand kennt den SV Großentaft nicht. Wie würden Sie ihn beschreiben?

Winter: Ein Dorfverein. Familiäre Jungs, die auch außerhalb miteinander verbandelt sind. Eine geschlossene Truppe, die auch privat sehr gut miteinander konnte. Überrascht war ich eher nicht - aber das ist heute nicht mehr so ganz normal. Außerhalb des Vereins haben sie sehr viel Zeit miteinander verbracht. Das ist der Vorteil des Kreisliga- oder Kreisoberliga-Fußballs. Da ist der Zusammenhalt noch besser als weiter oben. Das war schon eine sehr gute Geschichte.

Was hat Thomas Winter jetzt vor?

Winter: Ich weiß es noch nicht. Eine neue Herausforderung halt. Aber es ist noch nichts spruchreif. Ich würde schon gern weitermachen in der Region.

Sie waren auch in Ilbeshausen oder Nieder-Moos unterwegs. Wie schätzen Sie das Niveau, die Spielstärke der A-Liga Hünfeld/Hersfeld ein?

Winter: In etwa gleich in allen A-Ligen. Insgesamt ist das Niveau aller Ligen vielleicht etwas schlechter geworden. Die Breite lässt leider nach. 

Jeder, der Sie spielen sieht, ist von Ihrer Fitness beeindruckt in diesem Alter. Wie machen Sie das?

Winter: Einfach mittrainieren. Zum Glück habe ich keine größeren Verletzungen gehabt in meiner Laufbahn. Zweimal etwas im Rücken und ein bisschen an der Bandscheibe. Ich ernähre mich auch nicht besonders. Ab und zu nehme ich mal eine Hantel, aber das könnte mehr sein. Wichtig ist, dass man überhaupt etwas tut.

Sie haben einst für Borussia Mönchengladbach in der Bundesliga gespielt. Wann war das, und wer waren Ihre Mitspieler?

O|N-Praktikant Kilian Krick

Winter: Von 1987 bis 1990, zweieinhalb Jahre. Meine Trainer waren Wolf Werner und Gerd vom Bruch. Mitspieler waren Hans-Günter Bruns, Stefan Effenberg, Christian Hochstätter, Uwe Rahn, Uwe Kamps, Bernd Krauss oder Jörg Neun. In dieser Zeit hat der Verein auch Igor Belanov verpflichtet. Wir haben meist im hinteren Mittelfeld gespielt - das heißt, im ersten Jahr sind wir knapp am UEFA-Cup vorbeigeschrammt.

Sie haben später auch für Borussia Fulda gekickt. Wie war die Zeit?

Winter: Ja, von 1999 an für drei Jahre. Der damalige Manager Horst Ruland hatte mich kontaktiert. Für mich war Fulda eigentlich weit weg, zuerst hatte ich Bedenken. Ich habe hier Probetraining gemacht, wollte aber eigentlich nach Aarau in der Schweiz. Aber dort gab es einfach zu viele Nationalitäten. Als ich dort in der Kabine saß, hörte ich sieben oder acht Sprachen. Das war bei Borussia Fulda anders. Ich bin gleich mit ins Trainingslager nach Gersfeld gefahren. Ich hab' mich gleich verstanden mit den Jungs. Meine Trainer waren anfangs Werner Dreßel, der nur drei oder vier Monate da war - später Jörg Meinhardt. In der Mannschaft standen Eldar Hasic, Marco Fladung oder Oliver Happ. Im ersten Jahr sind wir abgestiegen, dann auf- und wieder ab. 

Wie sehen Sie den Fußball in Osthessen heute?

Winter: Um das beurteilen zu können, bin ich zu wenig unterwegs. In die osthessische Region gehört ein höherklassiger Verein. Es wäre schön, wenn die SG Barockstadt nochmal eine Klasse höher spielen würde. Stellt sich nicht diese Frage: Warum hat es nicht geschafft, Spieler und Kräfte stärker zu bündeln? Wenn man die Region Fulda sieht, wäre eine 3. Liga angemessen.

Wie stellen Sie sich das vor?

Winter: Man bräuchte eine gute Mischung, deren Kern aus Mitte-20-Jährigen besteht. Und man müsste eine Sichtung machen mit 18, 19 oder 20 Spielern. Dieser Prozess geht aber nicht von heute auf morgen. Das hat man in den letzten Jahren verpasst.

Zu einem Ihrer Schwerpunkte: zur Thomas Winter-Fußballschule. Wie läuft's? Was steht demnächst an?

O|N-Sportreporter Walter Kell

Winter: Ich mache ja nur noch Fußball-Ferien-Camps, die ich organisiere und selbst veranstalte. Die Camps laufen unter der Fußball-Schule. Die mache ich nicht mehr. Das habe ich fünf oder sechs Jahre gemacht. Ich konzentriere mich auf die Camps.

Wo und wie halten Sie die Camps ab?

Winter: Sie finden vorwiegend in unserer Region statt, hauptsächlich in meinem Wohnort Bachrain. Ob über Ostern, im Sommer - in den Ferien halt. In diesem Jahr zusätzlich in Grebenhain und in Wartenberg. Auch in meiner Heimat Reutlingen gibt es zwei oder drei Camps.

Wie ist es um den Nachwuchsfußball generell bestellt?

Winter: Es gibt immer wieder Super-Talente - nur: in der Breite wird's immer weniger. Ganze Mannschaften oder Jahrgänge werden ja ganz aufgelöst. Das ist dem Wettkampf-Gedanken nicht förderlich. Die Jungs, die eigentlich nur Fußball spielen, werden immer weniger.

Woran liegt das?

Winter: Es liegt viel an der Entwicklung, dass es viele andere Sachen gibt. Die schulischen Anforderungen werden höher. Auch die Erziehung und das Elternhaus spielen eine Rolle. Es fehlen Jugendtrainer, die bezahlt werden müssen, denen aber auch das Knowhow fehlt. Und es liegt auch an den Vorgaben vom Verband. Das ist eine Mischung aus mehreren Sachen, dass es mit dem Nachwuchs nicht mehr funktioniert.

Wen hat der SV Großentaft an guten Nachwuchskräften zu bieten?

Winter: Cajus Schmelz und Marcel Michel, der Sohn von Hans-Peter Michel, sind in den letzten fünf Jahren nach oben gekommen.

Hat Ihnen das Etikett "Ex-Profi" eigentlich hier und da geholfen?

Winter: Für mich ist diese Zeit so weit weg, dass sie schon gar nicht mehr Realität ist. Das ist 30 Jahre her. Oder noch mehr. Aber es öffnet einem die eine oder andere Tür. Oder sagen wir, sie geht leichter auf.

Will Thomas Winter nochmal mitspielen und aktiv ins Geschehen eingreifen?

Winter: Jetzt muss es nicht mehr unbedingt sein. Der Rücken macht ein bisschen Probleme. So langsam wird es Zeit aufzuhören. (wk)


Herr Winter, vielen Dank für das Gespräch



Zur Person

THOMAS WINTER ist geschieden und wohnt mit seiner Lebensgefährtin in Bachrain. Seine Geschichte als Fußballer ist ebenso umfang- wie abwechslungsreich. Zu kicken, damit fing er in der E-Jugend des TSV Sickendorf bei Reutlingen an. Bald wechselte er zum größeren SSV - hier spielte er von der D-Jugend an die gesamte Nachwuchszeit durch. Auch seine ersten beiden Seniorenjahre verbrachte er beim SSV - in der Oberliga Baden-Württemberg, damals die dritte Liga. Ehe es ihn zum Bundesligisten Mönchengladbach zog. Während seiner dortigen dritten Saison schloss er sich den Stuttgarter Kickers an; Trainer hier: Rainer Zobel. Nochmals ging Thomas Winter zum SSV Reutlingen - und blieb sechs Jahre, Ziel des SSV war stets der Aufstieg in Liga zwei. Die Offenbacher Kickers waren 1997 seine nächste Station - hier stieg er in die zweite Liga auf. 1999 schloss er sich Borussia Fulda an.

Jetzt war er seiner Wahlheimat Osthessen angekommen. Der Zeit in der Johannisau folgte der Wechsel in den Mühlengrund, wo er zunächst unter Trainer Thomas Reith spielte und später Spielertrainer war. Und jetzt stehen noch sage und schreibe acht Stationen auf Winters Vita - nur der TSV Grebenhain doppelte sich. Dort fing Winter an, und es folgten: Niederaula (eineinhalb Jahre, mit Kallée, den Veapi-Brüdern, Heiderich, Patzelt oder Schneider), Wartenberg, Nieder-Moos, Mittelkalbach, Ilbeshausen - und Großentaft. +++


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