Starke Typen: Johannes Ihrig (links) und Sascha Fiedler - Fotos: Marius Auth

FULDA OSTHESSEN|NEWS-Sportgespräch (94)

Johannes Ihrig und Sascha Fiedler: SG Bronnzell, wachsender Verein im Wandel

31.05.24 - Es scheint, als seien sie unzertrennlich. Na gut, fast. Der Eine wurde soeben Kreisoberliga-Meister mit der TSG Lütter - gemeint ist Johannes Ihrig. Der Andere trainierte bis vor Kurzem die U17-Hessenliga-Mannschaft der SG Barockstadt - gemeint ist Sascha Fiedler. Mit Beginn der neuen Saison bilden sie das Trainergespann des Verbandsligisten SG Bronnzell. Grund genug, um beide zum Osthessen|News-Sportgespräch zu bitten. 

Im OSTHESSEN|NEWS-Sportgespräch lassen wir immer Menschen aus verschiedenen Sportarten der Region zu Wort kommen. Wir erzählen die Geschichte hinter der Geschichte. Heute folgt Teil 94 der Serie. 

O|N: Johannes, sind die Sachen für die Mannschaftsfahrt der TSG Lütter nach Willingen schon gepackt?

Johannes Ihrig: Sie startet ja erst am Freitag. Vormittags. Sie geht übers Wochenende, und ich glaube, es ist was geplant ...

O|N: Wie waren denn die Feiern des neuen Meisters?

Ihrig: Ausgiebig. Lang. Kräftezehrend. (lacht) Es gab nicht nur Cola und Wasser. Wir haben die Nacht zum Tag gemacht. Samstag, als wir Meister geworden sind: Sportlerheim. Sonntag: Joe. Von dort ins "Schwarze Ross".  Von da aus mit dem Bus in die Stadt. Montag: Wannefest in Lütter. Morgens um elf Uhr haben wir losgelegt. Bis nachts haben wir mit der TSG gefeiert. Jetzt haben wir gegen Rothemann ja unser letztes Heimspiel. Wir feiern mit den Damen zusammen. Die sind ja auch Meister geworden. In der Hessenliga. Danach geht's mit dem Traktor durch die Gemeinde Eichenzell hin zu unserem Sportplatz.

O|N: Was hat die TSG ausgemacht in der Meisterrunde? Was hat ihn ausgezeichnet?

Ihrig: Ganz klar der Teamgeist. Die Mannschaft. Wir haben nicht nur zusammen trainiert, wir haben auch außerhalb viel gemacht. Was der Rolf Gollin als Trainingsinhalten vorgegeben hat, haben wir auch umgesetzt.

O|N: Mit Beginn der neuen Saison kehrst du nach Bronnzell zurück - als Trainer. Warum? Und Sascha: Warum machst du mit?

Ihrig: Ja, ich bin Bronnzell geboren. Aber sowas von. Ich hätte nicht gedacht, dass die Rückkehr so schnell erfolgt; ich bin ja erst vor zwei Jahren weg nach Lütter; in Bronnzell hatte ich mit Marco Weiss oder Daniel Heil zusammen gespielt, auch mit Julian Pecks oder Jan-Niklas Jordan, die ein Jahr jünger sind als ich. Ich wollte das gerne mit Sascha zusammen machen und ihn gerne mitnehmen. Der Verein hatte bei uns vorgefühlt und nachgefragt. Für mich war es vor zwei Jahren an der Zeit, aus der Komfortzone wegzukommen.

Sascha Fiedler: Bronnzell war ja meine letzte Station als Spieler - bevor es mit dem Knie nicht mehr weiterging. Dann bin ich in den Jugendbereich gewechselt - zu Viktoria Fulda, in der U16 war ich zunächst Co unter Stanislav Szilagyi. Johannes hat mich dann, als ich erst die U16 und später die U17 übernommen hatte, drei Jahre als Co-Trainer begleitet. Bis er nach Lütter ging. Mein Ziel war immer, für den Start im Trainergeschäft eine B-Jugend im Leistungsbereich zu trainieren.

O|N: Ihr bildet bei der SG Bronnzell ein Trainergespann. Was hat euch zusammengeführt? Was war die Idee?

Fiedler: Für mich war es der richtige Moment, in den Männerbereich zu wechseln. Bronnzell war ja meine letzte Station als Spieler und ich komme sehr gerne als Trainer zurück. Sechs Jahre Jugendbereich war 'ne schöne, lange Zeit. Ich hab' viel mitgenommen. Und ich hab' mir Gedanken gemacht, wie es weitergehen soll. Bei Barockstadts U17 hatte ich ja schon einen Monat vorher aufgehört. Und ich hab' mir Gedanken gemacht, wie es weitergehen soll. Bei Barockstadts U17 hatte ich ja schon einen Monat vorher aufgehört auch wenn ich mir den Abgang anders vorgestellt hatte. 

Ihrig: Als ich die B-Lizenz gemacht hatte, musste ich mich ja entscheiden zwischen Senioren und Jugend. Ich hab' mich von Anfang an im Herrenbereich gesehen. In der Vergangenheit habe ich auch mehrere Trainingseinheiten in Bronnzell geleitet, als Stefan Dresel mal nicht konnte.

O|N: Was erwartet euch bei der SG Bronnzell?

Fiedler: Eine intakte Mannschaft. Sehr viel Potenzial - bei einem Team, das als Aufsteiger direkt im ersten Jahr die Aufstiegs-Relegation erreicht hatte. Für uns ist es interessant, in Zukunft nicht mit den Spielern zusammenzuspielen, die man kennt - sondern voran- und vorn wegzugehen. 

Ihrig: Die SG Bronnzell ist ein wachsender Verein im Wandel. Ein dynamisch wachsender. Als wir gegangen sind, war der Vorstand noch anders zusammengesetzt. Da hat sich viel getan und entwickelt. Zum Beispiel ist Timo Möller seit dem 1. Mai mit Thies Weber in der Sportlichen Leitung aktiv. Die umfangreichen Aufgaben werden auf zwei Schultern verteilt. 

Fiedler: Es ist nie Stillstand im Verein. Nicht nur fußballerisch, das gesamte Umfeld hat sich verbessert. Es gibt nicht nur neue Kabinen, auch eine neue Tribüne.

O|N: Warum habt ihr euch einen Verbandsligisten ausgesucht? Nicht ohne.

Fiedler: Das ist 'ne Aufgabe, eine Verbandsliga-Mannschaft im Seniorenbereich zu coachen. Wir haben uns auch ligaunabhängig dafür entschieden.

Ihrig: Es geht um Perspektive.

O|N: Sascha, du hast gesagt, du hättest dich bewusst für den Jugendbereich entschieden damals. Was genau hast du mitgenommen?

Fiedler: Ich hatte mich in meiner Trainerlizenz bewusst für das Profil Jugend entschieden. Mein Ziel war immer, in und aber B-Jugend im Jugend-Leistungsbereich zu trainieren. Bei Viktoria und dann der SG Barockstadt konnte ich mich auch im richtigen Umfeld präsentieren. Ich konnte Spieler weiterentwickeln - im taktischen Bereich, im spielerischen Bereich. Im technischen Bereich. Ich habe ja selbst eine gute Ausbildung genossen. Vor allem auch bei Jürgen Krawczyk, bei dem das Einzeltraining sehr prägend war für mich.

O|N: Wo steht der Nachwuchsbereich der SG Barockstadt jetzt?

Fiedler: Ich kann nur über meine Zeit dort sprechen. Es ging immer zuerst um den Klassenerhalt. Wir hatten ja einen starken 2005er-Jahrgang (es sind, die jetzt rauskommen), mit denen wir vor zwei Jahren tolle Erfolge gefeiert haben, ins Finale des Hessenpokals gegen Darmstadt gekommen sind. Es war das erfolgreichste Jahr. Davon habe ich sehr viel mitgenommen. Ich hatte auch viele Kontakte zu Nachwuchs-Leistungszentren, auch außerhalb der Hessenliga. Da haben wir immer mal Vergleichsspiele gemacht. Mit tollen Erfahrungen. 

O|N: Eine etwas hypothetische, weil schwierige und hinkende Frage. Wie ginge ein Spiel zwischen der U17 der SG Barockstadt und dem Männerteam der SG Bronnzell aus?

Fiedler: Das ist ein riesengroßer Unterschied. Vor zwei Jahren hab' ich mit der U17 in der Vorbereitung mal gegen eine Seniorenmannschaft gespielt - gegen den Kreisoberligisten Edelzell/Engelhelms. Die U17 hat zwar 6:2 gewonnen, aber in der Halbzeit haben mich die U17-Jungs mit großen Augen angeguckt. Und gesagt: Wow, die können ja auch spielen. Nämlich auch viel körperlicher. Und du hast keine Zeit mehr.

O|N: Was haltet ihr davon, dass die SG Bronnzell "wegen fehlenden Unterbaus" drei Punkte vom Hessischen Fußballverband abgezogen bekam in dieser Saison?

Fiedler: Natürlich ist das nicht gut. Auch, weil es wohl anders abgesprochen war mit dem Verband. 

O|N: Bald geht's los. Was traut ihr der deutschen Nationalmannschaft bei der EM zu?

Ihrig: Ich glaube schon, dass das ein großes Fußballfest wird. 2006 war ein Anstoß. Bundestrainer Nagelsmann hat auch zuletzt Rückgrat bewiesen, als er zum Beispiel bei der Nominierung den jungen Pavlovic anstatt Goretzka mitgenommen hat. Ich glaub' schon, dass wir was reißen können. Und dass Fußball-Deutschland ein Stück weit dahinter steht.

Fiedler: Ich bin auch ziemlich positiv gestimmt - mit dem gesamten Land hinter der Mannschaft. Der DFB tut auch viel dafür, dem Volk und den Fans näherzukommen.

O|N: Sascha, du bist BVB-Fan. Am Samstag ist Champions League-Finale gegen Real Madrid. Hat der BVB eine echte Chance? Wie sieht's aus?

Fiedler: Ja, ich sehe mich als einer von vielen BVB-Fans in Fulda. Als ich so richtig Fußball gucken konnte, ist Borussia Dortmund 1995/96 Deutscher Meister geworden. Ich hoffe, dass die Mannschaft jetzt überraschen kann. Sie hat ja in der Saison zwei Gesichter gezeigt. Jetzt hoffe ich, dass sie das wahre zeigt. 

Ihrig: Als Bayern-Fan sage ich: Ich drücke der deutschen Mannschaft die Daumen. 2013 sind wir ja Champions League-Sieger geworden - und ein Jahr später Weltmeister. So dürfte es jetzt bei der EM ein paar Wochen später wieder sein. (wk)


Zur Person

JOHANNES IHRIG (31) arbeitet als Erzieher in einem Kindergarten in Kohlhaus. Vor seiner Präsenz beim Sportgespräch war er mit den Kids zwei Tage lang einschließlich Übernachtung in Röderhaid im Pfadfinderhaus. "Mir macht es Spaß, die Kinder zu fördern und zu begleiten", sagt er. Mit fünf begann er, bei der SG Bronnzell zu kicken. Dort durchlief er die ganze Jugendzeit - und hatte nur zwei Trainer: Detlef Heil und seinen Onkel, Dirk Schütrumpf. Auch in seiner Senioren-Zeit spielte er für die SGB - bis er vor zwei Jahren zur TSG Lütter wechselte, mit der er jetzt den Gewinn der Meisterschaft der Kreisoberliga Süd feierte. Und mit Sscha Fiedler im Trainergespann zur SG Bronnzell zurückkehrt.

SASCHA FIEDLER (36) ist mit Maria-Theresia verheiratet. Beide haben vier Kinder: Milena, die bald 17 wird, Mattea (13), Rafael (11) und Ester (9). Beruflich ist er im öffentlichen Dienst angestellt, beim Versorgungsamt der Stadt Fulda. Als Sechsjähriger fing er beim RSV Petersberg an zu kicken. Trainer dort war Manfred Geier, der Vater seines späteren Co-Trainers Michael, mit dem er zuvor auch beim TSV Lehnerz zusammen spielte. Bis zur B-Jugend blieb Sascha in Petersberg - ehe er zu Borussia Fulda wechselte; MItspieler unter anderen: Dominik Schlag, Tobi Wolf, Robert Schorstein oder Denis Masic. In seinem letzten A-Jugend-Jahr ging er nach Petersberg zurück. Auch sein erstes Senioren-Jahr verbrachte er dort; Trainer: Werner Schlacher. Das Team stieg aus der Landesliga ab - Rolf Gollin übernahm. Vier Jahre blieb er im Waidesgrung, ein Jahr beim SV Neuhof folgte, unter Coach Mike Voll. Dem schlossen sich drei Jahre beim TSV Lehnerz an - Gollin und Henry Lesser waren die Trainer. In seinem dritten Jahr spielte Fiedler in der Zweiten - und stieg mit dem Team in die Verbandsliga auf. Danach wechselte er als 27-Jähriger nach Bronnzell - und spielte dort vier Jahre. Bis zur schwerwiegenden Knieverletzung. +++


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