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Robert Schorstein war zu Gast in der O|N-Redaktion - Fotos: Finn Rasner

FULDA OSTHESSEN|NEWS-Sportgespräch (34)

Robert Schorstein: "Vom Trainerdasein hatte ich überhaupt keine Ahnung"

21.12.22 - Robert Schorstein ist eine echte Fußballgröße der Region. Den 34-Jährigen, der mit Borussia Fulda, dem RSV Petersberg und der SG Ehrenberg Erfolge feierte, wird man in Zukunft aber nicht mehr regelmäßig auf den Sportplätzen der Region sehen. Im November beendete er bei der SG Edelzell/Engelhelms seine Karriere. Im OSTHESSEN|NEWS-Sportgespräch spricht er über die Gründe, seine Pläne für die Zukunft und warum er ohne Ahnung vom Trainergeschäft Spielertrainer in Ehrenberg wurde. 

Im O|N-Sportgespräch lassen wir immer Menschen aus verschiedenen Sportarten der Region zu Wort kommen. Wir erzählen die Geschichte hinter der Geschichte. Heute folgt Teil 34 der Serie.

OSTHESSEN|NEWS: Robert, seit November bist du jetzt Fußball-Rentner. Hast du dich schon an den Gedanken gewöhnt, nicht mehr Fußball zu spielen? 

Robert Schorstein: Fußballrentner hört sich gut an (lacht). Aber ja, ich habe mich daran gewöhnt. Der Entschluss ist ja nicht über Nacht gefallen. Bei der Gesamtsituation war das leider eine logische Entscheidung. Ich glaube, ich habe im letzten halben Jahr zehn Trainingseinheiten gemacht. Es hat und macht auch immer noch viel Spaß, aber daran sieht man, dass es ist mit meinem sonstigen Leben einfach nicht mehr zu vereinbaren ist.  

O|N: Was waren denn die Gründe für dein Karriereende? 

Schorsteein: Das hatte ausschließlich familiäre und berufliche Gründe. Ich bin seit acht Jahren im Außendienst tätig, seit kurzem bin ich in meinem Unternehmen Vertriebsleiter für Deutschland, Österreich und der Schweiz. In diesem Jahr war ich, glaube ich, 80 Tage unterwegs. Klar war das machbar und ich habe auch noch relativ viele Spiele gemacht, aber es blieb eben viel auf der Strecke. Manchmal bin ich samstags nach Hause gekommen, hab sonntags mit der Familie gefrühstückt, Fußball gespielt und bin danach teilweise direkt wieder an den Flughafen. Das hat schon sehr reingehauen und es musste immer etwas hinten anstehen, das wollte ich nicht mehr.  

O|N: Ein Schritt zurück in die zweite Mannschaft war keine Option für dich? 

Schorstein: Nein, gar nicht. Wenn ich was mache, dann möchte ich es ganz und richtig machen. Jetzt zu sagen, ich spiele Alte Herren oder in der Zweiten ist aktuell nicht mein Ding. Dass es vielleicht noch mal passiert, will ich nicht ausschließen, im Fußball soll man nie 'nie' sagen. Aber meine zwei Mädels sind drei und sechs Jahre, haben Hobbys und auch meine Frau musste viel zurückstecken in den letzten Jahren. Jetzt sind sie erst mal dran. In naher Zukunft wird das also kein Thema. 

O|N-Redakteur Felix Hagemann

O|N: Wie blickst du denn auf deine Fußball-Laufbahn zurück? Bist du zufrieden oder hättest du im Nachgang was anders gemacht? 

Schorstein: Ich glaube, es war alles gut und richtig so wie es gelaufen ist. Ich bin aber auch keiner, der das groß hinterfragt. Ich hatte das große Glück, in drei Vereinen zu spielen, in denen es gegensätzlicher nicht hätte sein können. In Petersberg, mit dem Aufstieg als 18-Jähriger, dann das Jahr Borussia, in dem ich so nah am professionellen Fußball war, wie nirgends sonst. Und dann natürlich Ehrenberg als Spielertrainer. Es hat alles extrem viel Spaß gemacht. Nur eine Sache würde ich im Rückblick anders machen: In meiner Petersberger-Zeit hatte ich Borussia Fulda schon einmal früher zugesagt und bin dann doch in Petersberg geblieben. Ich bereue die Entscheidung nicht, geblieben zu sein, aber die Art und Weise ging damals nicht. Eine Zusage ist eine Zusage. 

O|N: Gab es denn ein besonderes Highlight in deiner Laufbahn, ein Spiel, das dir besonders in Erinnerung geblieben ist? 

Schorstein: Es gab jetzt nicht das eine Spiel, was alles überstrahlt. Sicherlich war der Aufstieg mit Ehrenberg etwas ganz Besonderes. Der Aufstieg mit Petersberg, der eigentlich kaum noch möglich war, oder Borussia Fulda mal als Kapitän ins Stadion führen zu dürfen - das waren alles einmalige Erlebnisse. Aber was wirklich bleibt, sind die Momente neben dem Platz, die Menschen, die man getroffen hat. Ich habe meine Trauzeugen über den Fußball kennengelernt, viele Freunde. Das finde ich sehr schön. 

O|N: Du warst als Spielertrainer in Ehrenberg beim entscheidenden Relegationsspiel um den Verbandsliga-Aufstieg wegen einer Hochzeit nicht dabei. Wie sehr hat dein Fußballerherz in dem Moment geblutet? 

Schorstein: Gar nicht, um ehrlich zu sein. Ich bezeichne mich auch eher als Übungsleiter, weil ich damals ja keine Ahnung hatte, was man als Trainer zu machen hat. Ich habe einfach nur das weitergegeben, was für mich sinnvoll erschien. Und als allererstes war das für mich Ehrlichkeit und Vertrauen. Ich hatte nie ein Problem damit, wenn jemand mal auf eine Kirmes gegangen oder während der Saison in den Urlaub gefahren ist. Die Jungs wussten das Vertrauen zu schätzen und hatten demnach Verständnis für meine Situation an diesem Tag. Klar, hatte ich auch überlegt, ob ich nicht doch erst spiele und dann erst zur Party komme, aber es hat ein ganz besonderer Mensch geheiratet, da war die Entscheidung schnell getroffen. Nach einer Woche hat darüber kein Mensch mehr gesprochen. Ich bin unglaublich stolz darauf, was die Mannschaft an diesem Tag geleistet hat - und der Tag danach war auch nicht schlecht (lacht).

O|N: Du sagst selbst, du hast keine Ahnung vom Trainerdasein. Warum bist du dann so früh Trainer geworden? 

Schorstein: Das war ein großer Zufall. Wir waren damals bei Borussia Fulda in der Gruppenliga weit vorne. In einem Gespräch hieß es dann von Vereinsseite aus, dass man sich für die nächste Saison mit vielen Spielern, die nicht aus der Region kommen, verstärken wolle. Dieser Weg hat mir nicht gefallen, da fehlte mir ein Stück weit die Wertschätzung. Auf einem Geburtstag in der Rhön sprach mich dann ein Vorstandsmitglied der SG Ehrenberg an und fragte, ob ich mir das vorstellen könnte. Im ersten Moment habe ich abgelehnt, ich war damals 25. Schon am nächsten Tag klingelte aber wieder das Telefon. Und so hat sich das dann entwickelt. Die Gespräche waren gut, das Vertrauen sofort da. Ja, und so ist es dann einfach passiert (lacht). 

Es war bislang deine erste und einzige Trainerstation. Wäre denn Jugendtrainer etwas für dich, wenn eine deiner Töchter mit dem kicken anfangen will? 

Schorstein: Nein, aktuell nicht. Ich befürchte, mir würde dafür auch etwas die Geduld fehlen. Wenn überhaupt, würde ich eher noch einmal eine Seniorenmannschaft trainieren. Aber wahrscheinlicher ist, dass man mich in nächster Zeit vermehrt beim Reiten oder beim Ballett sieht. (lacht) +++

Robert Schorstein, vielen Dank für das Gespräch. (fh)+++

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