Nikola Milankovic (links) und Niklas Odenwald - Fotos; Brandon Watkins

FULDA OSTHESSEN|NEWS-Sportgespräch (27)

Odenwald und Milankovic: Erinnerungen an Mario Götze und die Europa League

09.11.22 - Kürzlich übernahmen sie von Anton Balz das Traineramt beim Fußball-Verbandsligisten SG Johannesberg - und am Sonntag feierten sie beim 4:1-Heimsieg gegen den CSC Kassel einen Einstand, der allen schmeckte bei der SGJ. Gemeint sind Niklas Odenwald (30) und Nikola Milankovic (36). Sie hatten viel zu erzählen beim OSTHESSEN|NEWS-Sportgespräch: über ihre Mannschaft, die Ziele mit ihr, ihre umfangreiche und mit Anekdoten gespickte Laufbahn - und vieles mehr.

Im O|N-Sportgespräch lassen wir immer Sportler aus verschiedenen Sportarten der Region zu Wort kommen. Wir erzählen die Geschichte hinter der Geschichte, losgelöst vom aktuellen Tagesgeschehen. Heute folgt Teil 27 der Serie. 

Ihr kämpft mit der SG Johannesberg um den Klassenerhalt. Geht es jetzt aufwärts nach dem 4:1-Sieg?

Niklas Odenwald: Sagen wir es mal so: Wir sollten die Kirche im Dorf lassen. Unsere Mannschaft hat eine tolle Reaktion gezeigt. Sie hat 100 Prozent gegeben. Ist gelaufen. Hat gekratzt und gekämpft. Einen besseren Einstand hätten wir nicht haben können. Das war wichtig. Wir müssen das aber im nächsten Spiel bestätigen.

Wie lief das Spiel gegen den CSC, eine Spitzenmannschaft der Verbandsliga?

Nikola Milankovic: Diese Reaktion hatte ich auch erwartet. Der CSC ist ein Super-Gegner. Das sind alles erfahrene Leute. Wir haben von unserem Gegner viel mehr in der Offensive erwartet. Wir haben das aber gut gemacht und auch gut verteidigt. Nach einer Viertelstunde hatte ich schon ein positives Gefühl. Wir waren alle motiviert. Und haben es geschafft, bis zur letzten Sekunde konzentriert zu spielen. Jeder war für jeden da.

Die SGJ belegt derzeit Rang 13, den ersten von fünf Abstiegsplätzen. Das soll nicht so bleiben, oder?

Milankovic (lacht): Nee. Das wollen wir nicht. Sicher hatten wir in manchen Spielen auch nicht so viel Glück und haben uns durch Chancen, die wir haben liegen lassen, auch selbst um den Erfolg gebracht. Aber wir müssen jetzt viel mehr Punkte holen. Wir brauchen jeden Punkt. Und müssen jetzt dranbleiben.

Odenwald: Nein, nein. Wir sind sehr engagiert. Der Verein ist auf uns zugekommen - und wir haben unsere Hilfe angeboten. Zunächst ist unsere Zusammenarbeit mal bis zum Winter datiert. Dann setzen wir uns neu zusammen. Doch wir haben gerne übernommen. Und es macht Spaß.

Ihr seid erfahrene Kicker. Euer Engagement war also kein Zufall?

Milankovic (lacht wieder): Nein, kein Zufall. Ich habe von der Europa League-Quali (als 24-Jähriger 2012 gegen Luxemburg und Dnjepropetrowsk) bis zur Kreisliga Offenbach (mit Selligenstadt) alles gespielt. 

Odenwald: Eins ist klar: Ins Trainergeschäft werden wir beide einsteigen. Dass es jetzt so gut angelaufen ist, ist eine glückliche Fügung. Und ja, wir sind darauf vorbereitet gewesen. Dank unserer langjährigen Erfahrung fiel der Einstieg leichter.

Wie lange kennt ihr euch eigentlich schon - als Fußballer?

Odenwald: Schon lange. 2016 haben wir erstmals zusammen gespielt - oder besser gegeneinander. Ich für den TSV Lehnerz, Nikola für Borussia Fulda. Gleich am ersten Spieltag sind wir da aufeinandergetroffen. Daran erinnere ich mich noch genau. Marius Müller hat das Siegtor für Borussia geschossen - mit einem Freistoß. Henry Lesser bei Lehnerz und Oliver Bunzenthal bei Borussia waren die Trainer. Und 5.999 Zuschauer im Stadion. Mehr durften nicht rein, glaube ich.

Was habt ihr euch zum Ziel gesetzt mit der Mannschaft?

Milankovic: Dass wir mehr trainieren. Stärker. Intensiver.

Odenwald: Wir können nur als diszipliniert auftretende Mannschaft funktionieren. Das Thema Disziplin ist ein elementar wichtiger Baustein. Nikola besitzt den UEFA-B-Trainerschein, ich werde im nächsten Jahr meinen Trainerschein machen.

... und fußballerisch?

Milankovic: Taktisch wollen wir mehr reinbringen. Wir müssen uns defensiv besser organisieren. Müssen konzentrierter sein in der Abwehr und dürfen nicht so viele Fehler machen. 

Odenwald: Ein großer Faktor ist natürlich das Selbstvertrauen, das uns gefehlt hat. Wenn du unten stehst, hast du es einfach nicht so. Beim Abschluss wird das Tor immer kleiner ... 

Nikola, die SGJ hat 43 Gegentore hinnehmen müssen bisher - der schlechteste Wert der Liga. Das schreit nach Verbesserung, oder?

Milankovic: Ganz schlecht. Keine Konzentration in manchen Momenten. Wir müssen auch mit weniger Ballkontakten spielen. 

Odenwald: Das defensive Verhalten beginnt ja schon in der Offensive - beim Stürmer. Alle in der Mannschaft haben ihren Teil dazu beigetragen.

Niklas, 28 geschossene Tore sind ordentlich. Wie bewertest du das?

Odenwald: Ja, aber im taktischen Training wollen wir mehr Spielzüge erarbeiten. Damit wir mehr Chancen kreieren. Da haben uns hier und da ein bisschen die Ideen gefehlt. Wir als Trainer sind dafür verantwortlich. 

Der SG Johannesberg stehen noch zwei Aufgaben bevor in diesem Jahr. Beide auswärts: zunächst in Sand, dann beim Aufsteiger in Kleinalmerode. Springen da sechs Punkte heraus?

Odenwald: Erst einmal wollen wir in Sand gewinnen. Beide Gegner sind direkte Kontrahenten im Kampf um den Klassenerhalt. 

Das Spiel in Kleinalmerode ist das letzte des Jahres. Das Hinspiel habt ihr 4:2 gewonnen zum Saisonauftakt. Und du hast getroffen, Niklas. Gute Vorzeichen?

Odenwald: Es war ein Elfer. Rechts unten ist er rein. Wir waren gut im Spiel, haben Unkonzentriertheiten reinbekommen, lagen 1:2 hinten - haben aber, auch mit einem bisschen Glück, noch gewonnen.

Würdet ihr als direkte Gegenspieler eigentlich gut zueinander passen?

Milankovic: Ich mag solche Gegenspieler wie Niklas. Da weiß ich, dass ich zehn Prozent mehr geben muss. Denn ich lebe Fußball. Und ich liebe Fußball. 

Odenwald: Ich mag ihn eher nicht als Gegenspieler. Nikola ist ein Wadenbeißer. Aber ehrlich und authentisch. 

Angenommen, jemand würde die Fußballer der SG Johannesberg nicht kennen, wie würdet ihr die Mannschaft beschreiben?

Milankovic: Wir sind ein familiärer Verein. Mit vielen jungen (stellvertretend nennt er Leon Butsch, Sardi Bardhushi oder Lukas Schwarz) und erfahrenen Spielern.

Odenwald: Ja, die Mischung stimmt. Sie ist ganz gut.

Billard ist bei der SGJ zunehmend im Kommen, die Volleyballerinnen spielen in der Hessenliga, auch die Tischtennisspieler geben ein gutes Bild ab. Wo steht der Fußball?

Odenwald: Ja, wir bekommen das alles mit. Von seinem Stellenwert her ist der Verein sehr gut verzahnt. Jeder hat im Sport seine Daseinsberechtigung. Der Verein wird erfolgreich und gut geführt.

Gibt es Momente, die aus eurer Karriere herausragen, an die ihr euch besonders gerne erinnert?

Odenwald: Noch zu meiner Hünfelder Zeit - und ehe ich ins Internat zu Rot-Weiß Erfurt gegangen bin - habe ich in der C-Jugend in der Oberliga Hessen gespielt, war im Kader der U15-Nationalmannschaft und stand vor meinem ersten Länderspiel. Ich habe mit Mario Götze, Shkodran Mustafi, Kevin Volland oder Stefan Ortega, dem Ex-Bielefelder Torwart, der jetzt für Manchester City im Einsatz ist, gespielt und trainiert. Kurz vor dem Länderspiel bin ich leider aus dem Kader geschmissen worden. Später hätte ich, zu Erfurter Zeiten, zu Bundesligisten wechseln können, zu 1860 München oder Werder Bremen.

Milankovic: Neben den Momenten in der Europa League besonders eins. 2014 stand ich vor der Wahl, Profifußballer in Kuwait - oder Arbeit und Fußball bei Borussia Fulda? Ich bin nach Fulda gewechselt. Seit acht Jahren lebe ich hier und habe hier auch meine Frau kennengelernt.

Odenwald: Als ich mit Lehnerz 2015 in der Relegation zur Regionalliga gegen Haunestein aufgelaufen bin, hast du vor lauter Zuschauern keinen grünen Fleck mehr gesehen. Das werde ich nie vergessen. Wir waren in Lehnerz damals eine Einheit, die von ihrem Teamgefüge und Teamspirit gelebt hat. Das hat sich Jahr für Jahr bestätigt. (wk) 

Zur Person

Niklas Odenwald (30) arbeitet als "strategischer Einkäufer" bei der Firma technolit in Großenlüder und ist "glücklich vergeben", wie er betont. Sein Heimat- und Herzensverein ist Teutonia Großenlüder. Zum Fußball gekommen ist er auch durch seinen Vater Thomas, der noch heute im Vorstand der Teutonia ist. Nach seiner Hünfelder Zeit ging er zu Rot-Weiß Erfurt ins Internat und war früh im Kader zur Dritten Liga. Der Sprung in die Erste war ihm aber nicht vergönnt, meistens kickte er in der U23. Bis er sich 2013 dem TSV Lehnerz anschloss. Fünf Jahre spielte er dort unter Trainer Henry Lesser und nahm die Erfahrungen zweier Relegation-Teilnahmen zur Regionalliga mit. Als 2018 die SG Barockstadt gegründet wurde, war Odenwald dabei. Erster Trainer war Alfred Kaminski. 2020 wechselte er zur SG Johannesberg. 

Nikola Milankovic (36) ist Serbe, wurde aber im kroatischen Split geboren. Als Siebenjähriger begann er mit dem Fußball, bei Radnicki Sid, in der dritthöchsten Jugendklasse des Landes. Sieben Jahre später wechselte er in die zweithöchste Liga, zu einem Verein namens Kabel. Später zog es ihn nach Proleter, zu Spartak Subotica - und stieg von der dritten in die erste Liga auf. Erfahrungen in der Europa League-Quali folgten, auch zwei Jahre in Kasachstan. Ehe er 2014 zurück nach Serbien ging: zu Predrag Krusevac. Danach zog es ihn nach Deutschland. Zunächst zu Borussia Fulda. Und 2020 zur SG Johannesberg. +++

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