Wer Höhenangst hat, darf kein Schornsteinfeger werden: Fabrice Schultheis und Benedikt Wehr - Fotos: Julius Böhm

FULDA Profis bei der Arbeit (9)

Schornsteinfeger Stefan Wehr: Auf den Dächern und in den Kellern der Region

SERIE "PROFIS BEI DER ARBEIT"Die Arbeitswelt bei uns in Osthessen ist bunt und vielfältig. Ob stinknormaler Job oder ein ganz ausgefallener Beruf - die Redaktion von OSTHESSEN|NEWS hat sich in der Region umgeschaut und viele interessante Menschen getroffen, die von ihrem ganz persönlichen Arbeitsplatz erzählt haben. Lassen Sie sich überraschen.

30.03.17 - Es ist ein Beruf, in dem Stefan Wehr und seine beiden Mitarbeiter nicht selten von wildfremden Personen angefasst werden. Sie drehen an ihren Knöpfen, reiben an ihrer Kluft - das soll Glück bringen. "Und es gehört dazu", sagen sie schulterzuckend und lachen, "wer das nicht mag, hätte einen anderen Beruf wählen müssen." Die drei sind Schornsteinfeger. Berührungen von fremden Menschen müssen sie genauso ertragen wie das Gefühl, ungesichert über einen schmalen Dachgiebel zu wandern. 

Früher war der Beruf des Schornsteinfegers ein sehr angesehener. Die Männer in Schwarz sorgten dafür, dass die Herzstücke des Hauses - nämlich die Öfen - sauber und in gutem Zustand waren. Im schlimmsten Fall konnte ein verstopfter oder schlecht ziehender Kamin für einen Hausbrand sorgen. Und weil sie diese Katastrophen abwenden konnten, galten Schornsteinfeger als Glückssymbole. Dass diese Bezeichnung für sie bis heute erhalten geblieben ist, es jedoch keinesfalls Glückssache ist, dass sie nach getaner Arbeit wieder heil vom Dach kommen, wissen Stefan Wehr, sein Sohn Benedikt und Fabrice Schultheis.

Letzterer absolviert aus diesem Grund im Familienunternehmen Wehr gerade seine dreijährige Ausbildung zum Schornsteinfeger. In dieser Zeit geht er mit seinem Chef Wehr umher, schaut ihm über die Schulter und übernimmt kleinere Aufgaben. Dazu kommt Blockunterricht in der Schule, bei dem die Schornsteinfeger in spe Theorie und Paragraphen büffeln müssen. "Auch Physik und Mathe kommen dran", sagt Schultheis. Denn als Schornsteinfeger wandert man nicht nur über die Dächer der Region und kehrt Schornsteine aus: Auch Messungen gehören dazu. Der Schornsteinfeger überprüft zum Beispiel den Kohlenmonoxid-Gehalt im Abgas von Feuerstätten oder misst die Emissionswerte. Deswegen findet man in den großen Koffern von Wehr und Co. neben Kehrgerät und Handbesen auch elektronische Messgeräte.

Nicht nur auf dem Dach, sondern ...

Diese Beratungsgespräche gehören genauso dazu wie Gespräche über das Wetter an der Haustür. Die Menschen freuen sich, wenn sie den Schornsteinfeger sehen. "Die Leute erkennen einen oft auch beim Einkaufen oder beim Bäcker." Dennoch: Ganz so hochangesehen wie früher ist der Beruf des Schornsteinfegers wohl nicht mehr. Was jedoch nach wie vor hoch ist, sind die Dächer, auf die die Männer in Schwarz regelmäßig steigen müssen. "Bei meinem ersten Mal auf dem Dach des Osthessen-Centers in Fulda hatte ich echt Schiss", erinnert sich Stefan Wehrs Sohn Benedikt, der in das Familienunternehmen seines Vaters miteingestiegen ist.

Damit den Männern hoch oben über den Straßen der Region nichts passiert, gibt es sogenannte Verkehrswege auf dem Dach. "Jeder Kunde ist dazu verpflichtet, diese zu schaffen", sagt Wehr. Ohne sie wird niemand aufs Dach geschickt. "Immerhin würden wir ja so unser Leben riskieren", so Wehr, der sich noch ganz genau daran erinnern kann, warum er sich vor vielen Jahren dazu entschieden hat, den Beruf des Schornsteinfegers zu erlernen: "Mein Opa konnte einen Schornsteinfeger mit einem einzigen Strich malen. Ich glaube, das hat mich so beeindruckt, dass ich auch einer werden wollte." Seinen Sohn Benedikt hat er mit seiner Leidenschaft für den Beruf angesteckt. Vor einigen Jahren hat er selbst eine Ausbildung bei seinem Papa begonnen.

Und seitdem ist er gemeinsam mit seinem Vater, Stefan Wehr, und dem Auszubildenden Fabrice Schultheis verantwortlich für rund 2.500 Gebäude im Kehrbezirk FD 19, in dem es insgesamt um die 4.600 Feuerstätten gibt. Natürlich sorgen die für eine Menge Ruß. Aber halb so schlimm: "Man darf nicht zimperlich sein, und in der Dusche geht ja am Abend auch alles wieder weg", sagt Benedikt und lacht, als er an einen Vorfall denkt, bei dem ihm auf der Straße mal eine ältere Dame unbedingt über die Schulter spucken wollte, weil auch das Glück bringen soll. "Ich hab's über mich ergehen lassen." Wie gesagt, zimperlich darf man als Schornsteinfeger nicht sein. (Suria Reiche) +++

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