Seit nun mehr 20 Jahren ist Burkhard Croon Lehrer am Domgymnasium. In seiner Laufbahn als Gymnasiallehrer hat er zuvor jedoch auch einige andere Stationen durchlaufen. - Fotos: Carina Jirsch

FULDA Profis bei der Arbeit (83)

Gymnasiallehrer Burkhard Croon über den Wandel von Schülern und Zeit

25.01.18 - Konzentrierte Stille liegt über dem Klassenraum, hin und wieder wird leise geflüstert, während Burkhard Croon französische Zahlen diktiert. Anschließend stellt eine Schülerin seiner achten Klasse ihre Ergebnisse mit Hilfe einer Dokumentenkamera vor. Über einen Beamer wird das Bild des Heftes an die Wand projiziert - in Croons Unterricht treffen moderne und traditionelle Lehrmethoden aufeinander. „Man muss sich der Zeit anpassen, sowohl als Lehrer als auch als Schule“, sagt der Gymnasiallehrer und Oberstufenleiter des Domgymnasiums in Fulda.

Auch das Korrigieren von Klausuren gehört ...

Der Rotstift - ein wichtiges Werkzeug ...

Für Schüler eine wichtige Stütze - ...

Das Lehrersein liegt dem gebürtigen Saarländer praktisch im Blut. „Mein Onkel sagte einmal, wir kommen aus einer einfallslosen Familie - wir alle sind Lehrer“, sagt Croon lachend. Besonders Latein habe er während seiner Schulzeit gemocht, auch darüber nachgedacht, es als Fach zu unterrichten. „Ich war aber auch in Französisch gut und mir ist schließlich bewusst geworden, dass man diese Sprache tatsächlich anwenden kann." Nach der Bundeswehr ging er zum Studium nach Trier, wo er neben Französisch auch Geschichte auf Lehramt studierte. In einem Auslandssemester arbeitete er als Assistant (Assistenzlehrer) in der Stadt Nancy in Frankreich. „Ich habe die französische Lebensart sehr genossen und bin heute noch sehr gerne in Frankreich“, sagt er rückblickend.

Burkhard Croon und seine achte Klasse

Hat auch jeder seine Hausaufgaben gemacht?

Nach seinem Studienabschluss habe es jedoch eine Lehrerschwemme im Saarland gegeben, nur wenige wurden eingestellt. So führte ihn 1987 der Weg an die Rudolf-Steiner-Schule Loheland – eine Herausforderung, der er sich gerne stellte. „Zu Beginn war es für mich sehr schwierig, so junge Schülerinnen und Schüler zu unterrichten, schließlich war ich für Gymnasien ausgebildet“, erinnert sich Croon. „Plötzlich hatte ich eine erste Klasse, in der ich Französisch unterrichten sollte. Auf den Waldorfschulen beginnen die Schülerinnen und Schüler nämlich bereits in der ersten Klasse mit zwei Fremdsprachen. Und auch die Lehrmethoden sind ganz anders, als ich es gewohnt war. Man arbeitet dort mit künstlerischen Herangehensweisen, beginnt die Unterrichtsstunde beispielsweise mit einem Lied oder Gedicht zum Einstimmen.“ Besonders fasziniert habe ihn das eigene System der Ausbildung der Waldorfschule. „Dennoch habe ich mich dort ein bisschen wie ein Fremdkörper gefühlt, vor allem, weil ich die Lehre der Anthroposophie dahinter nicht für mich übernehmen konnte.“

Auch moderne Methoden wie Beamer nutzt ...

Die klassische Tafel ist dennoch unverzichtbar.

Nach vier Jahren an der Waldorfschule war er Lehrer an einem Abendgymnasium in Bad Hersfeld und war gleichzeitig mit ein paar Stunden an einer Gesamtschule abgeordnet. 1994 kam er schließlich ans Domgymnasium in Fulda, an dem er seit jeher Lehrer ist. „Ich hatte so mein Ziel erreicht, ich war endlich Lehrer an einem Gymnasium. Doch wenn man noch weiter vorankommen will, muss man neben dem Unterricht noch Nebentätigkeiten haben.“ Die Verwaltung der Lernmittelfreiheit an der Schule brachte ihm die Stelle eines Oberstudienrats ein. Inzwischen ist er Studiendirektor und als solcher Leiter der Oberstufe. „Dazu gehört auch viel Verwaltungsarbeit“, sagt Croon. „Was mir daran aber besonders gefällt, ist, mit den Schülern Beratungsgespräche zu führen. Ich bin da schon fast so etwas wie der ,Stufenpapa‘“, sagt er lachend.

Auf die Frage, ob Schüler tatsächlich schwerer im Umgang werden, antwortet der 61-Jährige: „Seit ich Lehrer bin, höre ich das Schimpfen auf die neue Generation. Es stimmt, es hat sich viel verändert, aber das darf man nicht immer nur im negativen Sinne sehen. Durch die neuen Kommunikationstechniken verändern sich natürlich auch die Schüler. Sie stellen sich Fragen wie: Wieso sollte ich meine Lateinvokabeln lernen, wenn ein Click genügt, um sie zu übersetzen? Doch die Schüler können mit den Medien umgehen, das sind Kompetenzen, die später im Berufsleben sehr wichtig sind.“

Und stimmt es, dass die Kinder weniger Respekt haben? „Was sicher stimmt, ist, dass wir früher mehr Respekt vor den Lehrern hatten“, sagt er. „Aber das liegt unter anderem auch an den Eltern, die seit der 68er Generation ihre Kinder anders erzogen haben. Damit einhergeht auch eine sehr positive und wichtige Eigenschaft: nämlich Kritikfähigkeit.“ Dies sei zu seiner Zeit in der Schule nicht erwünscht gewesen. „Wir können uns mit unseren Schülerinnen und Schülern sehr zufriedenstellen“, fügt er hinzu. „Der Vorteil an einer im guten Sinne konservativen Gegend wie Fulda ist, dass die meisten Kinder aus intakten Familien kommen. Wenn Eltern sich um die schulische Entwicklung ihrer Kinder kümmern, ist das ein sehr positives Umfeld für Schulbildung. Fuldarer Schüler sind in bundesweiten Vergleichen auch immer mit vorne dabei.“

Aufmerksame Gesichter im Französischunterricht.

Das Vergleichen von Aufgaben ist mit ...

Schließfächer auf den Gängen sorgen für ...

Das Domygmnasium von außen.

Interessiere man sich für den Beruf des Lehrers, müsse man besonders eines bedenken: „Man muss wirklich gerne mit Kindern und Jugendlichen umgehen können. Ich konnte das schon indirekt erproben, als ich ab 18 mehrfach als Betreuer mit auf Freizeitlager gefahren bin. Man braucht natürlich auch kommunikative und soziale Fähigkeiten – ein bisschen muss man auch ein Selbstdarsteller sein.“ Für sich hat Croon seinen Traumberuf gefunden. „Ich stehe jeden Tag auf und freue mich, dass ich in die Schule gehen darf“, sagt er. „Ich arbeite einfach gerne mit jungen Menschen. Es ist eine abwechslungsreiche Arbeit, auch ist man verpflichtet, sich mit anderen Lehrern auszutauschen, nämlich über die Erziehung von Kindern.“ Auch verwende er immer mal andere Lehrmethoden, wozu auch seine Zeit an der Waldorfschule einen kleinen Beitrag geleistet hat. „Ich hatte einmal einen äußerst musikalischen Geschichtskurs, da haben wir zu jedem Thema ein Lied gesungen. Da behält man sich die Ereignisse doch besser. Natürlich kann man das nicht mit jeder Klasse machen, aber hin und wieder singen wir auch mal im Französischunterricht ein Lied.“

Wenn es eine Sache gibt, die ihn traurig mache, dann, dass Lehrer manchmal kein Verständnis für ihre Schüler aufbringen können. „Oder dass manche Eltern nichts davon wissen wollen, dass es auch andere schulische Wege gibt, auch wenn ihre Kinder unglücklich auf dem Gymnasium sind“, sagt er. „Es gibt Kinder, die entwickeln sich erst später.“ Dann stünden aber auch alle Wege offen. "Ein guter Lehrer zeigt sich allerdings gerade darin, dass er nicht ganz so begabte Schülerinnen und Schüler zu befriedigenden Leistungen und vielleicht sogar zum Abitur führt", fügt er lächelnd hinzu. (Leyla Rommel) +++

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