Im Dezember 2017 hatte Kurt Rössing schon einige Teile der Pumpe in Vorbereitung - Fotos: Gerhard Manns

NIEDERAULA Profis bei der Arbeit (120)

Stellmacher Kurt Rößing - Immer neue Ideen im Rentnerdasein

Profis bei der ArbeitDie Arbeitswelt bei uns in Osthessen ist bunt und vielfältig. Ob stinknormaler Job oder ein ganz ausgefallener Beruf - die Redaktion von OSTHESSEN|NEWS hat sich in der Region umgeschaut und viele interessante Menschen getroffen, die von ihrem ganz persönlichen Arbeitsplatz erzählt haben. Lassen Sie sich überraschen. +++

12.07.18 - Schon als OSTHESSEN|NEWS Kurt Rössing in Niederaula-Kerspenhausen, Kreis Hersfeld-Rotenburg, in seiner Stellmacherwerkstatt im Dezember 2017 einen Besuch abstattete, war er von einer Idee regelrecht besessen, er wollte eine Handpumpe aus Holz bauen. Die Idee dazu kam ihm, als ihm Berthold Schmidt von der Kulturscheune Kirchheim eine ähnliche Pumpe zeigte und später auch Einblick in alte Zeichnungen und Fotos hatte, die ihm als Vorlage für seine Pumpe dienten.

Auf der Drechselbank von Helmut Bätz ...

Gut durchdacht ans Werk

Und wie das beim Kurt so ist, wird alles penibel durchdacht, vorbereitet und wenn das alles durchlaufen ist, geht’s ans Werk, so auch beim Bau der Holzpumpe. Natürlich hatte er schon beim Termin mit O|N im Dezember 2017 darauf hingewiesen, dass er solch eine Spezialpumpe bauen will und es lagen damals auch schon einige vorgefertigte Teile auf der Werkbank.

Teamwork von Kurt Rössing und Helmut Bätz

In diesen Tagen stattete O|N ihm einen erneuten Besuch ab, um dem Kurt bei der Endmontage des kleinen Wunderwerkes auf einem 100 Liter Holzbierfass der ehemaligen und legendären Engelhardt Brauerei aus Bad Hersfeld über die Schulter zu schauen. Unterstützt wurde er bei der Herstellung und Montage der Pumpe von seinem Nachbarn Helmut Bätz, der auf seiner Drechselbank einige Spezialarbeiten dazu verrichtete. Insgesamt, so schätzen Kurt Rössing und Helmut Bätz, haben beide dafür ca. 100-120 Stunden Arbeit investiert.

Fertig zur Endmontage, Helmut Bätz, links ...

Die alte Postkutsche der Linie Raboldshausen-Bad ...

Das 100 Liter Holzfass der ehemaligen ...

Der Vorführeffekt beim Ersteinsatz

Alle Teile der Pumpe sind aus Lärchenholz, das dazu sehr gut geeignet ist. Die einzigen Teile aus Metall sind die Schrauben in der Pumpenschwegel-Halterung und die Verbindung an der Aufnahme Einrichtung für das Pumpenventil am Schwengel.

Und wie das meistens bei solchen Erstmontagen ist, gab es auch hierbei den berühmten Vorführeffekt. Kurt Rössing und Helmut Bätz pumpten wie die Weltmeister, aber es kam kein Wasser aus dem Auslauf. Pumpe abbauen, kein Fehler gefunden, Pumpe wieder aufbauen und immer noch kein Wasser. Die rettende Idee hatte Kurt Rössing, als alle Versuche scheiterten: „Ich glaube wir müssen mal den Wasserstand im Fass kontrollieren“, und tatsächlich, da war von Wasser keine Spur. Also Wasser ins Fass, kräftig pumpen und schon lief das kühle Nass aus dem Ablaufrohr. Nach den (vermeidbaren) Anlaufschwierigkeiten, die Vorführung hat dann doch noch geklappt und die Pumpe ist einsatzbereit. Bis auf kleine Nachbesserungsarbeiten, die noch auszuführen sind, ist das Werk dem Meister Kurt und seinem Gehilfen Helmut sehr gut gelungen. Ob die Holzpumpe „Marke Eigenbau“ nur als Schauobjekt dienen soll oder wirklich mal zum Wasserpumpen eingesetzt wird, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden, dazu wollte sich Kurt Rössing noch nicht äußern.

Der Enkel von Helmut Bätz, Henri ...

...dass die beiden das auch richtig ...

Der Pumpenschwegel wird montiert

Es kam kein Wasser

Hintergrund:

Die dreijährige Lehre zum Stellmacher absolvierte Kurt Rössing im Betrieb seines Vaters Johannes Rössing ab dem Jahr 1951. Seinen erlernten Beruf als Stellmacher übte er bis 1957 aus. Seit dem 1. April 1957 bis zu seinem Renteneintritt im Jahr 1999 war er bei der Firma Börner in Bad Hersfeld beschäftigt.

Aber dann, große Freude bei beiden, ...

Auch Henri durfte mal ran

Seine Stellmacherwerkstatt betrieb Kurt Rössing, neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit bei Börners, bis 1998 weiter. So lange war auch die Werkstatt bei der Berufsgenossenschaft gemeldet. Heute werkelt er in seiner Werkstatt nur noch aus Liebe zu seinem Beruf, den es schon lange nicht mehr gibt, dieser Beruf ist praktisch ausgestorben und wird, wie von Kurt Rössing, nur noch von einigen wenigen, die ihn noch erlernt haben, meistens als Hobby-Tätigkeit oder Freizeitbeschäftigung betrieben. (Gerhard Manns)

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