FULDA Profis bei der Arbeit (54)

Fahrdienstleiter Marius Rathgeber ist Herr über 100 Kilometer Schienennetz

SERIE "PROFIS BEI DER ARBEIT"Die Arbeitswelt bei uns in Osthessen ist bunt und vielfältig. Ob stinknormaler Job oder ein ganz ausgefallener Beruf - die Redaktion von OSTHESSEN|NEWS hat sich in der Region umgeschaut und viele interessante Menschen getroffen, die von ihrem ganz persönlichen Arbeitsplatz erzählt haben. Lassen Sie sich überraschen.

28.09.17 - Mehr als 12.000 Fahrdienstleiter sind bundesweit für den reibungslosen Verkehr auf der Schiene zuständig. Im Zentralstellwerk an der Petersberger Straße kontrollieren Marius Rathgeber und seine Kollegen rund 100 Kilometer Schienennetz zwischen Kerzell und Burghaun sowie zwischen Mottgers und Langenschwarz. Im Idealfall läuft alles wie am Schnürchen, bei Komplikationen vertrauen die Zuglotsen auf ein akribisches Regelwerk, um den Weg schnell frei zu machen.

Fahrdienstleiter Marius Rathgeber in seinem Element Fotos: Marius Auth

40.000 Züge sind täglich auf dem deutschen Schienennetz unterwegs. 3.000 Stellwerke steuern den Zugverkehr, ursprünglich war Muskelkraft für jede Veränderung am Fahrweg nötig: Über Hebel und Drahtzüge wurden Signale und Weichen per Hand gestellt, die Streckenabschnitte waren klein genug, um sie zu überblicken. 27 Prozent der deutschen Stellwerke werden immer noch mechanisch betrieben, die Fuldaer Eisenbahngeschichte spiegelt die Technologie-Entwicklung von den Ursprüngen bis zur Digitalisierung wider: "Bereits 1866 fuhr der erste Zug von Fulda nach Melsungen, das Ausbesserungswerk für die Aufarbeitung von Bremsteilen und Schienenfahrzeugen wurde nur ein Jahr später eröffnet. Ein damals hochmodernes elektromechanisches Drucktastenstellwerk wurde erst im Jahr 1959 eingeweiht, die Elektrifizierung der Hauptstrecke erfolgte ab 1961. Vorher fand der Betrieb mechanisch statt", erklärt Rathgeber, der seit 2015 im Stellwerk als Fahrdienstleiter tätig ist. Den Bahnhof Fulda berühren heute vier Eisenbahnstrecken: Frankfurt-Göttingen, Hannover-Würzburg, Gießen-Fulda und Fulda-Gersfeld. Alleine innerhalb des Bahnhofs müssen täglich 500 Rangierfahrten abgewickelt werden. Über das Zentral-Stellwerk Fulda wird der gesamte nördliche Bereich des Landkreises Fulda abgedeckt.

Das Stellwerk in der Petersberger Straße

Nostalgie pur: Das Stellwerk wurde 1982 ...

Vom Stellwerk aus werden auch Zugansagen ...

Vom Stellwerk aus kann der Fuldaer ...


Teamarbeit ist auch im Stellwerk alles: Zusammen mit Kollege Simon Lotz, der seit Februar ausgelernt hat, und 15 weiteren Bahnern überwacht Rathgeber an der Petersberger Straße direkt mit Blick auf den Fuldaer Bahnhof den Steuerbereich der vier Bahnstrecken, die Fulda berühren. Das Prozedere ist klar definiert: "Erst wird der Zug mit allen Wagen im Gleis gebildet, dann zur Abfahrt bereitgestellt. Der Triebfahrzeugführer sagt dem Fahrdienstleiter Bescheid, dann wird die Fahrstrecke für seinen Zug gebaut. Mit einem zeitlichen Sicherheitspuffer zwischen den Fahrten darf in dieser Zeit, die im Idealfall mit dem Fahrplan übereinstimmt, kein anderes Fahrzeug im Gleis sein. Die Arbeitsteilung zwischen Lokführer und Fahrdienstleiter ist klar: Der Lokführer beobachtet hauptsächlich den Fahrweg und reguliert die Geschwindigkeit, der Fahrdienstleiter sichert den Weg. Weichen im Fahrweg und Flankenschutzweichen sind zusammen mit Signalen die technischen Mittel zur Durchsetzung der Fahrt", erklärt Rathgeber. Nur bei Störungen wird es im Stellwerk hektisch: "Wir haben Techniker im Bereitschaftsdienst, die ausrücken, wenn eine Signalleuchte ausfällt oder eine Weiche nicht mehr funktioniert. Aber Sicherheit ist das oberste Gebot: Ausfälle können nie ein grünes Signal erzwingen, eine Störung gibt nie freie Fahrt", erklärt Rathgeber.

Kollege Simon Lotz hat im Februar ...

Klaus Kemmler, Chef der Fahrdienstleiter


Im Stellwerk ist das oberste Stockwerk mit Blick auf den Bahnhof den Fahrdienstleitern vorbehalten, darunter befindet sich inzwischen antiquierte Relais-Technik: "Das Stellwerk wurde 1982 gebaut und hatte die damals modernste Stell- und Meldetafel verbaut: Auf damals revolutionäre Art und Weise konnten alle Fahrten optisch überblickt und Fahrwege geschaltet werden. Die Entwicklung geht aber klar hin zu rein digitalen Lösungen am Bildschirm ohne jegliche mechanische Komponenten", erklärt Rathgeber. Das Relaisstellwerk an der Petersberger Straße mit seiner nostalgisch anmutenden Technik wird bald Geschichte sein: "Die DB Netz AG plant eine Betriebssteuerzentrale Fulda, von der aus ganz Osthessen überwacht werden kann. Die geografische Lage Fuldas, auch im Bahnnetz, ist dafür äußerst günstig", so Rathgeber.

Im obersten Stockwerk des Stellwerks sind ...


Der ICE fährt aus dem Fuldaer Bahnhof aus, Klaus Kemmler, Chef der Fahrdienstleiter, erklärt auf dem Balkon des Stellwerks die Wichtigkeit der Kooperation von Lokführer und dem "Zuglotsen" Fahrdiensteiter: "Die Eisenbahner Betriebsdienst Fachrichtung Fahrweg und die von der Fachrichtung Lokführer und Transport teilen sich eine Ausbildung, die weitgehend identisch ist. Am Ende entsteht so ein eingespieltes Team auf der Strecke und in den Stellwerken. Die Ausbildungsdauer beträgt 2,5 Jahre. Voraussetzung ist die mittlere Reife. Eine hohe Zuverlässigkeit und Konzentrationsfähigkeit ist ebenso notwendig wie die körperliche und geistige Belastbarkeit durch den Schichtdienst. Nach der Ausbildung erfolgt eine örtliche Einweisung und eine örtliche Prüfung, sodass man gut vorbereitet ist auf den jeweiligen Arbeitsplatz. Beim Rest helfen die dienstälteren Kollegen, die Stellwerk und Strecke wie ihre Westentasche kennen." (Marius Auth) +++

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