- Fotos: Bettina Masché

FULDA Profis bei der Arbeit (31)

Hufschmied Andreas Nowak zieht in der Region von Stall zu Stall

SERIE "PROFIS BEI DER ARBEIT"Die Arbeitswelt bei uns in Osthessen ist bunt und vielfältig. Ob stinknormaler Job oder ein ganz ausgefallener Beruf - die Redaktion von OSTHESSEN|NEWS hat sich in der Region umgeschaut und viele interessante Menschen getroffen, die von ihrem ganz persönlichen Arbeitsplatz erzählt haben. Lassen Sie sich überraschen.

29.06.17 - Ob Schimmel, Haflinger oder Araber: Pferde spielen im Leben von Andreas Nowak schon immer eine große Rolle. Sein Opa betrieb in Böckels einen Reiterhof, sein Vater züchtete Pintos - das schaffte eine unheimlich starke Bindung zwischen dem heute 36-Jährigen und den großen Vierbeinern. Genau aus diesem Grund gibt es für ihn nichts Schöneres, als tagtäglich mit Pferden und ihren Besitzern Kontakt zu haben. Als Hufschmied ist Nowak in der gesamten Region unterwegs und pflegt und beschlägt die Hufe der Tiere.

Schon als Kind hat er seiner Familie bei der täglich anstehenden Arbeit fleißig unter die Arme gegriffen: vor dem Anpacken hat Nowak keine Angst. Und genau das muss ein Schmied auch können. "So im Durchschnitt sind die Kollegen 15 Jahre in dem Beruf tätig", erzählt der 36-jährige Fuldaer. Denn das Handwerk ist harte körperliche Arbeit - oftmals bleiben die Tiere nicht ruhig stehen oder Nowaks Kalender ist voller, als es für seinen Rücken gut ist. Doch das stört den robusten Tierliebhaber nicht: "Ich mache die Arbeit einfach gerne", so Nowak, der seit 2001 als Schmied arbeitet.

Um Hufschmied zu werden, ist aktuell ein vierwöchiger Vorbereitungsleergang nötig. "Hier wird geschaut, ob die Voraussetzungen für die Arbeit stimmen". Gibt es grünes Licht von Seiten der Lehrschmiede, müssen die Berufseinsteiger zwei Jahre als Mitarbeiter bei einem Schmied arbeiten. Nach einem weiteren Lehrgang mit Abschlussprüfung kann man sich selbstständig machen.

"Früher war das noch anders: da reichte es, ein Jahr Praktikum vor der Ausbildung nachzuweisen – nun ja – bei mir wurden es 3,5 Jahre." Eine lange Ausbildung, die er aus eigener Tasche bezahlen musste. Und obwohl die Berufswahl mehr Zufall war, war es für Nowak die beste Entscheidung, die er hätte treffen können. Denn nach der Schule absolvierte der Fuldaer erfolgreich eine Ausbildung zum Metallbauer. In einer kurzen Phase der Arbeitslosigkeit hat Nowak die Chance genutzt und dem Schmied seiner Eltern bei der Arbeit geholfen. Erfahrung mit Pferden, eine Ausbildung im Metallbereich und natürlich das Talent, gut auf die Vierbeiner und ihre Besitzer eingehen zu können, waren von Anfang an beste Voraussetzung. Und so startete Nowak ein Praktikum in Dillenburg und sammelte an weiteren Stationen, wie bei einem Pferdesportspezialisten, Erfahrungen.

Seit 2005 ist Nowak nun schon als selbstständiger Schmied in der Region Fulda unterwegs und zieht von Stall zu Stall. "Jeder Tag birgt seine Überraschungen - und das obwohl ich ja immer das Gleiche tue", sagt der 36-Jährige lachend. Mit typischen Hufeisen, Kunststoffbeschlägen und Einlagen für kranke Pferde im Gepäck, zieht er morgens los, ohne zu wissen, was der Tag so bringt.

Oft ist es nicht das Schwätzchen mit den Besitzern, dass den Terminplan durcheinanderbringt. Für einige Pferde ist der Schmiedbesuch das, was für Menschen der Zahnarzt ist: mal möchte einer seine Hufe nicht geben, mal kommt ein Notruf dazwischen. Nowak ist für seine Kunden immer erreichbar: ob ein verlorenes Eisen vor dem Turnier oder Trail, ein Hufgeschwür, das ein Spezialbeschlag erfordert, oder ein lahmendes Pferd: Der Schmied arbeitet eng mit den Tierärzten zusammen und ist für seine Notfälle da.

Neben der sympathischen Art, die vor allem die Besitzer - manchmal aber auch die Pferde - zu schätzen wissen, erfordert der Beruf handwerkliches Geschick, ein gutes Augenmaß und auch ein bisschen Fingerspitzengefühl. Und während sich die Tiere von dem Experten bei der "Fußpflege" verwöhnen lassen, kommt Nowak mit seinen Kunden ins Gespräch: "Uns geht es genauso, wie den Friseuren: man kriegt viel erzählt."

Der Fuldaer hat in den über 15 Jahren schon viel erlebt. Wenn er auf seine Zeit als Hufschmied zurückblickt, hat er zwar viele schöne Momente im Kopf, aber auch schmerzhafte Erinnerungen bleiben nicht aus: Gebrochene Rippen, eine abgequetschte Fingerkuppe und diverse Tritte, die so manche Spuren auf dem Körper hinterlassen haben - Nowak ist inzwischen abgehärtet. Und trotz, dass es jederzeit wieder zu einem Arbeitsunfall kommen könnte, hat er keine Angst davor. Respekt vor der Arbeit sei trotzdem wichtig.

Und wenn sich Nowak nicht auf den Koppeln und in den Ställen der Region herumtreibt, warten auf ihn seine drei Kinder und die eigenen Pferde, für die er sich in Zukunft etwas mehr Zeit wünscht. Der 36-Jährige will auch nach über 15 Jahren seinem Beruf treu bleiben: "Wenn man sich seine Kraft einteilt, kann man auch bis zur Rente arbeiten", sagt er im O|N-Interview, während er bereits sein Werkzeug wieder zusammen packt. Denn vermutlich warten, während die einen Pferde zufrieden und mit einem gesunden Huf zurück auf die Koppel und in den Stall gehen, bereits die nächsten "Kunden" und Besitzer auf den gutgelaunten Schmied. (jul) +++

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