Dominic Mäcke hat alles im Blick und nach getaner Arbeit Hunger. Der Bad Hersfelder Neubürger vermisst ein Sushi-Restaurant in der Festspielstadt. - Fotos: Gudrun Schmidl

BAD HERSFELD Festspiel-Profis bei der Arbeit (129)

Regie-/Produktionsassistent Dominic Mäcke - 24 Stunden Bereitschaftsdienst

Profis bei der ArbeitDie Arbeitswelt bei uns in Osthessen ist bunt und vielfältig. Ob stinknormaler Job oder ein ganz ausgefallener Beruf - die Redaktion von OSTHESSEN|NEWS hat sich in der Region umgeschaut und viele interessante Menschen getroffen, die von ihrem ganz persönlichen Arbeitsplatz erzählt haben. Lassen Sie sich überraschen. +++

13.08.18 - Momentan wünscht sich Dominic Mäcke einen 48-Stunden-Tag. Als  Produktionsassistent und Regieassistent bei den Bad Hersfelder Festspielen ist er ein Allrounder mit starken Nerven und viel Organisationstalent. Dominic Mäcke ist die rechte Hand von Intendant Joern Hinkel, der ihn bei den Festspielern mit den Worten: „Dominic anrufen, wenn´s brennt“ vorstellte. „Theater ist immer kriseln“, bekräftigt der 32-Jährige, für den das stetige Überwinden der absoluten Katastrophe den Reiz seines Berufes ausmacht. Ihm stehen täglich 24 Stunden „Bereitschaftsdienst“ zur Verfügung, um den vielfältigen Aufgaben gerecht zu werden. Dass er schon in jungen Jahren ein breiteres Feld abdecken kann, freut den gebürtigen Lüdenscheider, denn die praktischen Arbeiten sind eine wichtige Basis für seine angestrebten eigenen Regiearbeiten.

Allen jungen Menschen, die im künstlerischen Bereich arbeiten wollen, gibt er den Rat: „Wenn ihr es wirklich wollt, macht es“. Sein eigener Weg ermutigt dazu. Als „Bildungsaufsteiger“ hat Dominic Mäcke zunächst die Hauptschule besucht. Als er merkte, dass er Perspektiven hat, holte er das Abitur nach. „Andere gönnen sich danach eine Orientierungsphase im Ausland oder haben schon einen Ausbildungs- oder Studienplatz ergattert. Ich bin nach dem Zivildienst als nicht gelernter Galvaniseur in die Industrie gegangen“. Bis zu diesem einen tollen Moment beim gemeinsamen Frühstück mit den Kollegen, der sein Leben verändern sollte. „Alle waren 20 bis 30 Jahre älter, hatten Frau, Kinder und ihren Job“. In ihren Erzählungen wurde Dominic Mäcke bewusst, welch ein eingefahrenes Leben das sein muss. Er kündigte an diesem Tag fristlos.

Momentan steht er als Regieassistent Franziska ...

Er studierte fortan Theaterwissenschaften und Geschichte und bekam nach seinem Bachelor-Abschluss sofort die Chance, am Schauspielhaus Bochum als Hospitant zu schnuppern. Wenig später wurde dem begabten jungen Mann ein Vertrag als Regieassistent angeboten. Während dieser Zeit hatte er einen ersten Kontakt zu Regisseur Robert Schuster, der bei den diesjährigen Bad Hersfelder Festspielen „Peer Gynt“ inszeniert. Es war allerdings Jörg Gollasch, der die Musik für das Ibsen-Stück geschrieben hat und schon während der gemeinsamen Arbeit in Bochum seinen jungen Kollegen überall hin empfohlen hat. „Er war meine Brücke nach Bad Hersfeld“, betont Dominic Mäcke, der bei „Peer Gynt“ die Produktionsassistenz, Regieassistenz und die Abendspielleitung übernimmt.

Die großen technischen Herausforderungen bei der Inszenierung „Peer Gynt“ erklärt Dominic Mäcke so: „Viele Gleise liegen nebeneinander. Man muss aufpassen, dass die Züge nicht zusammenkrachen“. Wenn die Technik ausfällt, muss das spielerisch überspielt werden. Oder aber, man erfindet einen Skipper ohne Namen, der eine „tragende“ Rolle übernimmt und während der Aufführung immer mit den Technikern verbunden ist und reagieren kann, wenn irgendwas dort steht, wo es nicht hingehört. Diese Rolle übernimmt Dominic Mäcke selbst und gibt zu, dass die Probenzeit insgesamt sehr anstrengend war. In seinem gepflegten Bart hat sich in dieser Zeit ein grauer Punkt breit gemacht.

„Ich kenne alle Festspiel-Produktionen“, erzählt Dominic Mäcke, der zusätzlich als Regieassistent bei der Eichhof-Produktion „Indien“ unter der Regie von Joern Hinkel mitgewirkt hat. „Die Tragikomödie ist wahnsinnig toll“. Aktuell steht er mit Rat und Tat als Regieassistent Franziska Reichenbacher zur Seite, die das Familienstück „Lenas Geheimnis“ inszeniert. Vor allem muss er für den Rest der Spielzeit alle Vorstellungen in der Qualität halten und weiterhin die anfallenden Arbeiten im Künstlerischen Betriebsbüro erledigen. „Man muss sich schon mal die Haare raufen“, gesteht Mäcke, der bei Stress fast schon meditativ zehn Mal tief ein und ausatmet und sich ansonsten an Hinkels Wahlspruch hält: „Wir operieren nicht am offenen Herzen“. Zugute kommt dem Allrounder, dass er keine Angst davor hat, Fehler zu machen.

Dominic Mäcke ist für jeden Spaß ...

Mäcke, der bereits mit Regisseur Dieter Wedel während dessen Intendanz in Bad Hersfeld bei Arthur Millers „Hexenjagd“ als Regieassistenz mitgewirkt hat, betont: „Ich schätze Wedel, weil er klar definiert, was er will und was nicht“. Die Zusammenarbeit mit Intendant Joern Hinkel empfindet er als engster Mitarbeiter als bereichernd, inspirierend und zielorientiert. Mäcke, der einen festen Arbeitsvertrag hat, wird auch in der kommenden Saison ein wichtiger, unverzichtbarer Mitarbeiter der Bad Hersfelder Festspiele sein als Schnittstelle zwischen Regie, Schauspielern, Dramaturg, Intendant, Beleuchtern, Bühnentechnikern und allen anderen an den Produktionen Beteiligten. Bis dahin muss der Spielplan geplant und festgelegt werden, Castings stehen an, die Schauspieler müssen verpflichtet werden und vieles mehr.

Weiterhin gehört zu Mäckes Hauptaufgaben, als Regieassistent den Regisseur bei seiner Arbeit zu unterstützen und damit wesentlich zum Gelingen der Aufführung beizutragen. Dazu gehört das Führen eines Regiebuches, in dem sämtliche Positionen, Gänge, Textänderungen und Anmerkungen notiert sind. Eine Ausbildung zum Regieassistenten gibt es in Deutschland derzeit noch nicht. Es ist ein stetiger Lernprozess.

Sein „Job“ lässt ihm immer noch Freiheiten. Für das Lernen einer neuen Fremdsprache, aktuell ist es brasilianisches Portugiesisch. Oder er übt als Autodidakt fleißig Klavier. Er gibt jedoch zu, dass er seine wenige freie Zeit am liebsten schlafend verbringt. Dann träumt er von seiner ersten eigenen Geschichte, die er als Regisseur aus seiner Perspektive erzählen möchte. (Gudrun Schmidl)    

 

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